Freispruch für ÖESV-Sportkoordinator Marek Stanuch vom Betrugsvorwurf
Der Sportkoordinator des Österreichischen Eisschnelllauf-Verbands (ÖESV), Marek Stanuch, ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht vom Vorwurf des schweren gewerbsmäßigen Betrugs freigesprochen worden.

Foto © GEPAMarek Stanuch
Er hatte 2002 und 2003 regelmäßig
Spesenabrechnungen für Veranstaltungen eingereicht, die sich zeitlich
überschnitten. Weil es Staatsanwältin Angelika Nussbaumer schwer
vorstellbar schien, dass der 47-Jährige zugleich an zwei oder gar
drei verschiedenen Orten sein konnte, hatte sie einen Strafantrag
eingebracht. Inkriminierte Schadenssumme: 11.021 Euro.
24 ähnliche Fälle. Während Stanek etwa bei der Hochzeit der ehemaligen
österreichischen Parade-Eisläuferin Emese Hunyady zugegen war, soll
er laut seinen Unterlagen am selben Tag an einer Veranstaltung in
Heerenveen teilgenommen und dafür Geld bekommen haben. Oder er
verrechnete Spesen für einen Lehrgang in Italien, während er zur
selben Zeit in Den Haag ein Seminar besucht haben will und dafür dem
ÖESV ebenfalls Kosten für Anreise und Verpflegung in Rechnung
stellte. Insgesamt 24 ähnliche Fälle waren im Strafantrag
aufgelistet.
Interne Abrechnungen. Der ÖESV fühlte sich allerdings keineswegs hinters Licht geführt,
wie der damalige Präsident Manfred Zojer, der mittlerweile wieder an
der Verbands-Spitze steht, als Zeuge erklärte: "Wir haben gewusst,
dass der Marek nicht überall dabei sein kann." Bei den geleisteten
Zahlungen - die Bezeichnung "doppelte Verrechnung" wies Zojer scharf
zurück - habe es sich um "interne Abrechnungen, die der Vorstand im
Vorhinein oder nachträglich genehmigt hat" gehandelt.
Projekte initiiert. "Das waren Ausgleichszahlungen für erbrachte Leistungen, die er
über seine normale Arbeit hinaus erledigt hat", verteidigte der
Präsident seinen Sportkoordinator. Stanuch habe die Seminare und
Lehrgänge vorbereitet und betreut, viele Projekte initiiert, und
dafür wäre ihm ein Entgelt zugestanden: "Alle diese Sachen haben ja
stattgefunden! Er hat mehr geleistet, als überhaupt möglich war. Er
hat den gesamten österreichischen Eisschnelllauf-Sport im In- und
Ausland vertreten."
Kein schlechtes Gewissen. "Honorare wurden also über die Verpflegungskosten abgerechnet",
fasste Richter Georg Olschak zusammen. Der Angeklagte bemerkte
darauf: "Ich habe kein schlechtes Gewissen bei dieser Sache." Er habe
sich bei zeitgleichen mehrtägigen Veranstaltungen ja bemüht, an
beiden zumindest kurz anwesend zu sein, sagte Stanuch. So sei er etwa
mit dem Auto von Innzell nach Groningen gefahren oder von Berlin nach
Erfurt.
"Geschlossenen Ordner". Zur Anzeige gebracht hatte die Causa Hermann Filipic,
ÖESV-Präsident von März 2004 bis September 2006. Dieser gab in seiner
Zeugeneinvernahme zu Protokoll, er habe bei seinem Amtsantritt einen
"geschlossenen Ordner" mit Stanuchs Abrechnungen entdeckt: "Mir war
klar, dass es sich dabei um eine fiktive Sache handelt." Weiters
behauptete Filipic, er habe feststellen müssen, dass von einem
ÖESV-Konto 542.000 Euro behoben worden waren: "Belege haben wir keine
gefunden."
Unruhe. Daraufhin brach im Verhandlungssaal Unruhe aus. Zojer und dessen
Begleiter bedachten Filipic mit unschönen bis deftigen Ausdrücken.
Unter anderem fiel die Bezeichnung "Kretz'n", worauf der Richter der
aktuellen ÖESV-Spitze den Saalverweis androhte.
Freispruch. Begründet wurde der Freispruch damit, dass weder
Schädigungsabsicht noch Bereicherungsvorsatz nachgewiesen werden
konnten. Lediglich Verpflegungskosten von rund 600 Euro wären nicht
erklärbar. Dieser Betrag sei allerdings derartig gering, dass
inzwischen Verjährung eingetreten sei, erklärte der Richter. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin gab
vorerst keine Erklärung ab.













