Blaue Flecken & bunte Federn
Für alles und jeden gibt es eine Statistik. Von Knochenbrüchen bis zu einfallsreichen Tattoos.

Foto © GEPA
Einem alten österreichischen Sprichwort zu Folge, ist Simmering gegen Kapfenberg der ultimative Gradmesser sportbezogener Gewaltanwendung, umgangssprachlich schlicht "Brutalität" genannt. Der Urheber, Helmut Qualtinger, scheint allerdings nie am amerikanischen Sportgeschehen teilgenommen zu haben. Hier würde das heimische Kick-Duell in der Sport-Gewaltskala vermutlich unter der Rubrik "Kindergeburtstag" laufen. Vorrangig American Football, Rugby und Lacrosse (ein mit Netzschlägern gespieltes Ballsportspiel) sorgen dafür, dass den Krankenhäusern und den dort beschäftigten Chirurgen nie die Laufkundschaft ausgeht.
Beinharte Tackles. Eine mehr oder weniger neue Studie hat jetzt allerdings die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Nicht bei beinharten Tackles in der National Football League oder heißen Duellen unter den Körben der NBA passieren USA-weit die meisten Sportunfälle. Nein, beim Cheerleading, dem institutionalisierten Anfeuern einer Mannschaft durch spärlich bekleidete, durchgängig weibliche Akrobatik-Truppen verletzen sich (zumindest statistisch) am meisten Sportlerinnen. Die Anzahl der schweren Unfälle hat sich seit 1990 praktisch jährlich verdoppelt - 66 Prozent im Frauensport stammen von akrobatischen Einlagen, die daneben gingen. Blaue Flecken, gerissene Bänder und gebrochene Knochen sind praktisch an der Tagesordnung. Bei dieser Verletzungsrate kann kein noch so harter Männersport mithalten.
LeBron stolperte absichtlich. Deshalb sorgte auch eine Geste von Clevelands Star-Basketballer LeBron James in der NBA-Play-off-Serie für Proteststürme der Gastgeber aus Orlando. Der 2,03 Meter große Hüne war den Cheerleadern absichtlich durch ihre Choreographie gestolpert, das Publikum reagierte mit Pfiffen. Die Cheerleader nahmen es allerdings mit Fassung auf und starteten ihre Akrobatik-Einlage einfach neu.
Wieviel Tätowierte? Weil Amerikaner ja Statistiken lieben, wurde jetzt auch gleich erfasst, wie hoch der Prozentsatz der tätowierten Spieler in der NBA ist. Siehe da - 70 Prozent. "Denvers Chris Andersen hat mehr Tinte verbraucht, als eine Sonntagsausgabe der New York Times", unkte deshalb auch ein Kommentator. Der Spieler der Denver Nuggets mit dem Spitznamen "Birdman" (Vogelmann) hatte sich unter anderem Flügel auf die Unterarme tätowieren lassen. "Wahrscheinlich um zum Korb zu fliegen. Allerdings sieht er damit eher aus wie ein völlig missglückter eitler Pfau", hieß es weiter.
Regeländerdung. Inzwischen kursierte in amerikanischen Internet-Foren bereits eine angebliche Regeländerung der NBA. Nur noch eine bestimmte Zahl tätowierter Spieler dürften am Parkett stehen, die Klubs hätten für eine strenge Umsetzung zu sorgen. Ziel sei erhöhte Familienfreundlichkeit. Eine klassische Internet-Ente, aber die NBA denkt inzwischen tatsächlich über eine "Tattoo-Richtlinie" nach. Wären doch alle Spieler nur wie die Cheerleader - dort vergehen die blauen Flecken wieder.
Stefan Jäger (28), Redakteur der "Kleinen Zeitung", absolviert ein Praktikum bei der "St. Petersburgh Times" in Florida.













