9,48 Sekunden: Schneller geht's nimmer
Laut einer Studie liegt die 100-m-"Schallmauer" bei 9,48 Sekunden. Usain Bolt wird noch Steigerungspotential zugestanden.

Foto © ReutersUsain Bolt (Mitte) im Vollgas-Modus
Die Konkurrenz hechelt dem sprintenden Riesen hinterher, nur die Wissenschaftler sind dem schnellsten Mann der Welt ein Stück voraus. Olympiasieger Usain Bolt kann seinen 100-Meter-Weltrekord von 9,69 Sekunden noch um 21/100 drücken - erst dann ist ein Mensch am Ende seiner physischen Möglichkeiten. Dies hat ausgerechnet ein leidenschaftlicher Marathonläufer ausgerechnet: US-Professor Mark W. Denny von der kalifornischen Stanford-Universität sieht eine Zeit von 9,48 Sekunden in der spektakulärsten Leichtathletik-Disziplin als körperliches Leistungs-Limit.
Rekorde werden seltener. Fazit seiner Studie: Sieger wird es immer geben - Rekorde werden in der Leichtathletik immer seltener. Was der Wissenschaftler allerdings nicht berücksichtigen konnte, ist das Zusatzpotenzial durch Doping. "Das Ende ist in Sicht. Es wird definitiv eine Zeit kommen, da wir die Olympischen Spiele aus einer anderen Perspektive betrachten", sagte der Biologe in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Mit Gold allein sei man heutzutage kein Held mehr, "man muss auch den Weltrekord brechen. Eines Tages wird es reichen, Gold zu gewinnen. An diese neue Sichtweise sollten sich auch Sportfans gewöhnen", meinte der 57-jährige Wissenschaftler, der seine Studie im "Journal of Experimental Biology" publiziert hat.
Grenzen. Seine mathematische Analyse zeige, dass es "Grenzen für menschliche Leistungen geben muss. Die wahre wissenschaftliche Herausforderung ist es zu erklären, wodurch diese Limits gesetzt werden", befand Denny. In Bestform und bei idealen Bedingungen könne Bolt über 200 Meter irgendwann unter der 19-Sekunden-Grenze bleiben - seinen Fabel- Weltrekord von 19,30 Sekunden hatte der Jamaikaner ebenfalls in Peking aufgestellt. Denny hat in seiner Studie 18,63 Sekunden als Leistungsgrenze berechnet.
Langzeit-Vergleiche. "Es sieht so aus, als ob Männer in keiner Disziplin die Höchstgeschwindigkeit erreicht hätten", erklärte Wissenschaftler Denny, der seine Prognosen auf Langzeit-Vergleiche der Bestzeiten von Läufern, Rennpferden und Windhunden stützt. Während die "tierischen Zeiten" seit Jahren vorbei sind oder nicht nennenswert besser werden, gebe es bei sprintenden Sportlern noch "Luft" nach oben. Zwischen einem (400 Meter) und fünf Prozent (5.000 Meter) lasse sich das Durchschnittstempo noch steigern - und damit auch der Weltrekord.













