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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2012 um 21:56 UhrKommentare

"Ich will nicht zu den Alten gehören!"

Richard Schützenberger (71) erklärt, warum er am Sonntag in Klagenfurt 3,8 km schwimmt, 180 km radelt und dann noch einen Marathon läuft.

Richard Schützenberger

Foto © KLZ | HasslerRichard Schützenberger

Beginnt man sich nicht normalerweise in Ihrem Alter irgendwann einmal zurückzulehnen? Was treibt Sie an, heute in Klagenfurt den ,Ironman' zu absolvieren?

Richard Schützenberger: Begonnen hab ich vor gut 20 Jahren, als meine Nichte bei uns übernachtet hat, deren Freund bei einem Triathlon mitmachen wollte. Ich fragte: Was ist das? Sie erklärte es mir und da habe ich gesagt, das mach ich auch. Meine Familie hat zuerst abgewunken, da ich nicht trainiert war. Also hab ich 1989 mit kürzeren Jedermann-Bewerben begonnen. Ein Jahr darauf waren es drei, später fünf. Und 1993 kam dann der erste Langdistanz-Bewerb.

Wie geht man so etwas an?

Schützenberger: In erster Linie mental. Man muss einfach sagen können, irgendwie schafft man das. Trainieren kann man einen Ironman sowieso nicht. Inzwischen ist allerdings der Ehrgeiz da, bis zu welchem Alter ich das alles noch machen kann.

Gibt Ihnen der Triathlon eine besondere Bestätigung?

Schützenberger: Ja, eine ganz besondere sogar. Ich hab ja auch vor, mit 75 noch zu arbeiten, während viele mit 60 schon in Pension sind. Ich sage mir immer wieder, solange ich arbeiten kann, kann ich auch einen Triathlon schaffen - und umgekehrt. Diese beiden Dinge halten mich irgendwie in Balance.

Hat der Triathlon-Sport in Ihnen Veränderungen bewirkt, physisch wie psychisch?

Schützenberger: Ganz klar! Ich bin heute gesünder als vor 25 Jahren. Früher hat der Stress mein Leben dominiert, ich habe geraucht und ab und zu was getrunken. Plötzlich lebt man einfach gesünder, gezwungenermaßen. Und oft passiert es mir, dass ich beim Sport die besten Ideen habe. Weil man im Kopf einfach freier wird.

Wie groß ist eigentlich Ihr Trainingspensum?

Schützenberger: Da ich seit 1985 selbstständig bin, habe ich nicht viel Zeit zum Trainieren. Heuer waren es erst 600 Kilometer auf dem Rennrad, dafür 1200 auf dem Trimmrad und 400 Kilometer auf der Laufstrecke. Schwimmen trainiere ich gar nicht. Da habe ich sowieso meinen eigenen Stil. Ich schwimme alles in Rückenlage, im sogenannten Ruderschwung. Da kommen dann immer die Rettungsboote auf mich zu, weil ich mit beiden Händen in der Höhe bin, bis sie merken, ach, der schwimmt einfach so. (lacht)

Was war Ihre schnellste Zeit?

Schützenberger: Die darf ich gar nicht so laut sagen: 12 Stunden 15 Minuten. Da sind andere viel schneller.

Das heißt, der sportliche Ehrgeiz ist nicht vordergründig?

Schützenberger: Ganz richtig, ich bin nicht bei den Schnellsten. Mir geht es eher darum, in einer annehmbaren Zeit und einem annehmbaren Zustand ins Ziel zu kommen. Vielleicht nicht gerade als Letzter, der möchte ich noch nicht sein. (lacht)

Gab es dennoch so etwas wie Niederlagen für Sie?

Schützenberger: Wenn ich nicht ins Ziel kam, was mir krankheitsbedingt auch schon ein paar Mal passiert ist. Da war dann die Enttäuschung schon groß.

Haben Sie einen besonderen Status bei all den Jüngeren als einer der ältesten Teilnehmer?

Schützenberger: Na klar. Man wird überall besonders angefeuert. In diesen Genuss komme ich zurzeit. Wie ich begonnen habe, war ich einer von den Jüngeren, der die Alten bewundert hat. Jetzt bin ich einer der Alten, will aber eigentlich dort nicht dazugehören. Man fühlt sich halt noch jung und irgendwie ist man es auch, wenn man so einen Wettkampf durchsteht.

Wie geht Ihre Familie mit Ihren sportlichen Ambitionen um?

Schützenberger: Die sind alle ein bisschen in Sorge, ob ich mich nicht überanstrenge. Dafür gehe ich einmal im Jahr zum Internisten, um ein Belastungs-EKG machen zu lassen und mir das ärztliche Okay abzuholen. Meine Frau würde sich aber wünschen, dass ich zumindest mit den langen Distanzen aufhöre, aber das ist halt eine Sucht.

Und wie lange wollen Sie dieser "Sucht" noch nachgeben?

Schützenberger: Ich habe mal ein Interview eines 70-Jährigen gehört, der gemeint hat, er möchte mit 75 noch nach Hawaii. Der hat das dann auch geschafft. Das sind so heimliche Ziele. Wenn's der eine schafft, dann schaff ich's auch - sofern ich natürlich gesund bleibe.

Ernähren Sie sich speziell?

Schützenberger: Absolut nicht. Ich esse was und wann ich will, auch vor den Wettkämpfen. Im Rennen nehme ich mir seit längerer Zeit eine Wurstsemmel mit. Das süße Zeug an den Labestationen kann ich nach fünf, sechs Stunden nicht mehr sehen. Bei meinem ersten Langdistanz-Triathlon kam ich von der Radstrecke zurück und hab zu meiner Frau gesagt, ich brauch auf der Stelle eine Wurstsemmel. Die war natürlich nicht aufzutreiben. Das Einzige, was sie bekommen hat, war eine heiße Schnitzelsemmel. Und nach der bin ich den Marathon in einem durchgelaufen und war happy.

Nicht jedermanns Sache ...

Schützenberger: Sicher nicht, aber da bin ich ziemlich resistent. Ich habe eben meine eigenen Methoden, das macht wohl die Erfahrung. Aber sie funktionieren. Ich habe noch nie Hilfe gebraucht oder mich nach dem Zieleinlauf hinlegen müssen. Ich teil es mir immer so ein, dass meine Frau mich lebend und gesund wieder im Ziel sieht.

Verspürt ein "alter Fuchs" wie Sie eigentlich noch Nervosität oder Angst vor dem Start?

Schützenberger: Man ist schon angespannt. In der Früh braucht man jedenfalls keinen Wecker. Die einzige Angst, die ich wirklich noch im Hinterkopf habe, ist, wegen eines technischen Gebrechens aufgeben zu müssen.

In welcher der drei Disziplinen macht sich Ihr Alter am meisten bemerkbar?

Schützenberger: Beim Laufen, ganz klar. Man braucht von Jahr zu Jahr länger. Selber merkt man es vielleicht nicht so, aber man sieht es dann an der Zeit.

Und wenn Sie den Punkt erreichen, an dem Sie sich denken, es geht nicht mehr?

Schützenberger: Dann sage ich mir immer, es ist zu schaffen. Das sind lediglich 15 Stunden deines Lebens und da musst du jetzt durch.

Haben Sie Ihr ganzes Leben nach dieser Devise gelebt?

Schützenberger: Eigentlich schon. Die Jugend war hart, das hat geprägt. Wir hatten als Kinder nichts, wir mussten uns alles erarbeiten. Heute ist der Wohlstand ein anderer, das verweichlicht zu einem gewissen Grad. Der Wille sich zu schinden ist bei der heutigen Generation vielleicht nicht mehr so gegeben.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man nach dieser Schinderei die Ziellinie überquert?

Schützenberger: Das kann man nicht wirklich beschreiben. Es ist immer wieder aufs Neue ein derart gewaltiges Glücksgefühl vor der jubelnden Masse ins Ziel zu laufen. Das beantwortet auch die Frage, warum man sich das selbst in meinem Alter noch antut. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, man muss das fühlen. Dieses ganz spezielle Gefühl, dass man das ganz Besondere schaffen kann. Und ein Ironman ist so etwas ganz Besonderes.

INTERVIEW: BIRGIT KAINER

Fakten zur Person

  • Richard Schützenberger, geb. am 19. 10. 1941 in Attnang/Puchheim
  • Wohnhaft: Ruhstorf/ Niederbayern
  • Beruf: Elektroingenieur

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Traussnig/KLZ

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