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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2011 um 14:41 UhrKommentare

Der Graz-Marathon geht 2012 neue Wege

Ein letztes Mal führt der Marathon am 9. Oktober über gewohnte Wege. 2012 wird es eine neue Strecke geben. Zwei Grazer Studenten widmen sich der Aufgabe im Rahmen ihrer Masterarbeit.

Die beiden Studenten Robert Guggenmos und Christoph Schmitt planen die neue Strecke. Sie werden von Professor Norbert Bartelme, Professor Manfred Wieser und Doktor Clemens Strauß unterstützt (von links)

Foto © LeodolterDie beiden Studenten Robert Guggenmos und Christoph Schmitt planen die neue Strecke. Sie werden von Professor Norbert Bartelme, Professor Manfred Wieser und Doktor Clemens Strauß unterstützt (von links)

Mit einem Navi hätten sich Odysseus und seine Kompagnons viel Zeit gespart; nach ihrer Heimreise würde heute allerdings kein Hahn krähen. Von Troja nach Ithaka in zehn Jahren mit 14 Zwischenstationen - die Odyssee war gewiss kein Ruhmesblatt der Navigation, ist für die Nachwelt aber umso unterhaltsamer.

Zu keiner Odyssee soll hingegen die Suche nach einer neuen Marathonstrecke werden. Schon 2012 wird es eine neue Route geben. "Durch den ständigen Teilnehmerzuwachs haben wir auf der Strecke einfach zu wenig Platz", sagt Robert Helbig, Chef des Organisationskomitees des Graz-Marathons. "Die Änderung ist notwendig. Wir wollen auf lange Sicht die Qualität für die Läufer sichern."

Die Studenten Christoph Schmitt und Robert Guggenmos widmen sich der Problemstellung "Marathon neu" im Rahmen ihrer Masterarbeit. Unterstützt werden sie von den beiden TU-Graz-Institutsleitern Norbert Bartelme (Geoinformation) und Manfred Wieser (Navigation) sowie Clemens Strauß (Geoinformation). Die beiden Bayern absolvieren ein Masterstudium, das gemeinsam von der TU Graz und der Karl Franzens Universität angeboten wird: Geospatial Technologies (GST).

Da es für solch ein Problem kein fertiges System gibt, stehen die zwei Bayern mit einer digitalen Karte und einer großen Zahl von Bedingungen (siehe Kasten rechts) da. "Das Problem ist, dass es so viele Varianten gibt. Man kann gar nicht alle berechnen", sagt Schmitt, "immerhin gibt es bei jeder Kreuzung mindestens drei Möglichkeiten."

Kreuzungen und somit Möglichkeiten gibt es in Graz fast so viele wie Helden in der griechischen Mythologie; laut Wieser sind es rund 5500: "Um für die Odyssee mit ihren 14 Zwischenstopps die optimale Route zu berechnen, würde ein normaler PC schon einige Stunden rechnen. Für dieses Projekt ist eine streng mathematische Lösung selbst mit einem Supercomputer in angemessener Zeit nicht machbar."

Daher werden Straßenzüge und Bereiche vorab ausgeschlossen: Zufahrtswege von Krankenhäusern oder Feuerwehrwachen etwa sind absolut tabu. Dadurch und viele weitere Einschränkungen reduziert sich die Zahl möglicher Marathon-Kreuzungen auf rund 2000. In Versuchen gilt es, die perfekte Lösung schneller zu finden, als Odysseus seinen Heimathafen.

Bis ins Detail

"Wir müssen aus den begrenzten Ressourcen das Optimale herausholen", sagt Bartelme. Die Daten werden vom Stadtvermessungsamt zur Verfügung gestellt. "Diese Arbeit ist auch ein Test für die vorhandenen Daten", sagt Bartelme, "sie müssen für diese Arbeit sehr genau sein." Google maps würde bei Weitem nicht ausreichen - selbst Randsteine müssen berücksichtigt werden. Ein fertiges Berechnungssystem für beliebige Städte ist Zukunftsmusik. "Es wird nach der Diplomarbeit Weiterentwicklungen geben", sagt Wieser, dessen Institut bereits ein Blinden-Navi entwickelt hat. "Aber schon das Know-how alleine ist es wert, weitergegeben zu werden", - so wie die Sage von König Odysseus.

Die letzte Chance

Am 9. Oktober können Sie zum letzten Mal in Graz auf der gewohnten Strecke ihren Rekord verbessern. Denn 2012 geht der Graz-Marathon neue Wege. Übrigens: Auch Robert Guggenmos wird sich am 9. Oktober bei seinem Marathondebüt von der Strecke verabschieden.


Das muss die neue Strecke können

  • Varianten der Strecke: Sollen Start und Ziel am gleichen Ort sein? Soll eine einzelne, zwei oder mehrere Runden gelaufen werden? Sollen eventuelle Runden identisch sein? Kann ich Marathon, Halbmarathon und Cityrun teilweise gemeinsam führen?
  • Start/Ziel-Bereich: Das Areal muss ausreichend Platz für Athleten, Zuseher und die nötige Infrastruktur bieten (Garderoben, Massage, Labestation etc.). Zudem sollte es mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen sein.
  • Verboten: Es gibt Straßen in der Stadt, durch die die Strecke auf keinen Fall verlaufen darf, wie etwa die Zufahrten von Krankenhäusern oder Feuerwehrwachen.
  • Verkehr: Bahnübergänge und Hauptverkehrsachsen sollten nach Möglichkeit völlig vermieden werden. Der öffentliche Verkehr soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, Hauptadern des Straßenverkehrs sollten nicht zu lange gesperrt werden müssen.
  • Gewünschte Bereiche: Die Strecke muss für Läufer und Zuseher attraktiv sein. Sie darf nicht nur durch eintönige Gegenden führen, sollte abwechslungsreich sein.
  • Länge: Die Länge muss exakt 42, 195 km betragen. Die Messung unterliegt dabei den strengen Regeln des Weltverbandes. Entscheidend ist der kürzeste Weg, den der Läufer auf der Fahrbahn nehmen kann.

Graz-Marathon 2013

2012 ist Geschichte, der Termin für 2013 steht schon fest: Der nächste Graz-Marathon findet am 13. Oktober 2013 statt.

 

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