Wunder von Medinah: Europa holt Ryder-Cup
Martin Kaymer hat das Wunder von Medinah perfekt gemacht und mit dem Team Europa erneut den Ryder Cup gewonnen. Deutschlands Golfstar machte im Medinah Country Club den entscheidenden 14. Punkt zum Sieg gegen Gastgeber USA.

Foto © APAJubel bei Team Europa
Europas Golfer haben mit einer historischen Aufholjagd den Kontinentalvergleich mit den besten Golfprofis der USA für sich entschieden. Die Europäer machten am Schlusstag des Ryder Cups in Medinah/Illinois einen 6:10-Rückstand wett und schaffte mit 14,5:13,5 die nicht mehr für möglich gehaltene Titelverteidigung. Überragender Spieler in der europäischen 12-Mann-Auswahl war der Engländer Ian Poulter, der alle seine Partien gewann. Das sensationelle Comeback am Sonntag machte aber der Deutsche Martin Kaymer perfekt. Mit einem Putt aus knapp zwei Metern Entfernung sorgte der 27-Jährige für den entscheidenden 14. Punkt beim prestigeträchtigen Kontinentalvergleich. Gestartet hatten die Aufholjagd Luke Donald, Paul Lawrie, Rory McIlroy und Poulter, die mit vier Siegen auf 10:10 gestellt hatten.
Der Mannschaft von Kapitän Jose Maria Olazabal gelang vor 45.000 enthusiastischen Fans im Medinah Country Club bei Chicago damit die exakte Revanche für den Ryder Cup von 1999. Damals hatten die Europäer ihrerseits 10:6 geführt, ehe die Amerikaner in den zwölf Einzeln des Schlusstags noch die Wende schafften und 14,5:13,5 gewannen. Auch jener unvergessliche Wettkampf hatte in den USA stattgefunden und ging als "Schlacht von Brookline" in die Golfgeschichte ein. Die Ereignisse vom Wochenende werden schon als "Wunder von Medinah" bezeichnet. Europas Golfer haben ihre Erfolgsstory damit um ein Kapitel erweitert. Seit 1979, als erstmals ein gesamteuropäisches Team anstelle einer Auswahl Großbritannien/Irland antrat, lautet die Ryder-Cup-Bilanz nun 10:7 für Europäer. In den letzten neun Austragungen gewannen sie sieben Mal.
Superstar Tiger Woods spielte unkonzentriert
Der eigentliche Matchwinner der Europäer war aber eindeutig Poulter. Der 36-jährige Engländer hat am Freitag und Samstag seine drei Doppel allesamt gewonnen und siegte auch im dramatisch verlaufenen Einzel gegen den US-Open-Champion Webb Simpson. Poulters Paradestück war der Sieg im Doppel mit dem Weltranglisten-Ersten Rory McIlroy gegen Jason Dufner/Zach Johnson. Dort spielte er fünf Birdies auf den letzten fünf Löchern. Nur dank dieses außergewöhnlichen Punktgewinns konnten die Europäer den Rückstand vor den Einzeln in einem letztlich noch machbaren Rahmen halten. Ein 5:11 (statt 6:10) wäre wohl nicht mehr aufzuholen gewesen. Während die Europäer feierten, konnten die US-Golfer konnten kaum glauben, wie ihnen geschah. Teamkapitän Davis Love sagte nach der Entscheidung: "Ich kann noch keinen Kommentar abgeben. Wir sind alle fassungslos. Es ist wie ein Schock."
Video vom Triumph
Auch Phil Mickelson blickte ungläubig drein. Der vierfache Sieger von Major-Turnieren hatte an allen drei Tagen auf höchstem Niveau gespielt. Zusammen mit dem ebenfalls entfesselt aufspielenden Ryder-Cup-Neuling Keegan Bradley hatte er seine drei Doppel klar gewonnen. Im Einzel gegen den Engländer Justin Rose sah Mickelson schon wie der sichere Sieger aus. Aber Rose lochte den Ball am 17. Loch von außerhalb des Greens ein und zog mit einem weiteren genialen Birdie am 18. Loch an Mickelson vorbei. Es war das Match, das das Momentum endgültig auf die Seite der Europäer brachte.
Die Europäer spielten am Schlusstag in weißen Shirts und blauen Hosen. Es war das Outfit, mit dem der im Mai letzten Jahres an Krebs gestorbene Severiano Ballesteros am häufigsten seine Schlussrunden absolviert hatte. Captain Olazabal, der mit Ballesteros einst das erfolgreichste Doppel im Ryder Cup gebildet hatte, und das ganze europäische Team bestritten den Ryder Cup im Gedenken an den legendären Spanier, der auch für seinen Kampfgeist berühmt gewesen war. Der Nordire Graeme McDowell fasste die Gefühle der überglücklichen Europäer am besten zusammen: "Wenn 'Seve' das Drehbuch für diesen Ryder Cup hätte schreiben können, dann, glaube ich, hätte er es genau so geschrieben."
Features
Fotoserie
Ergebnisse seit 2002:
- 2002: Europa - USA 15,5:12,5
- 2004: USA - Europa 9,5:18,5
- 2006: Europa - USA 18,5:9,5
- 2008: USA - Europa 16,5:11,5
- 2010: Europa - USA 14,5:13,5
- 2012: USA - Europa 13,5:14,5
Europa siegte 14,5:13,5
Freitag:
Foursomes (Vierer) 2:2: Jim Furyk/Brandt Snedeker - Rory McIlroy/Graeme McDowell (NIR) 0:1 (1 auf); Phil Mickelson/Keegan Bradley - Luke Donald/Sergio Garcia (ENG/ESP) 1:0 (4 und 3); Jason Dufner/Zach Johnson - Lee Westwood/Francesco Molinari (ENG/ITA) 1:0 (3 und 2); Steve Stricker/Tiger Woods - Justin Rose/Ian Poulter (ENG) 0:1 (2 und 1)
Fourballs (Vierer-Bestball) 3:1: Bubba Watson/Webb Simpson - Paul Lawrie/Peter Hanson (SCO/SWE) 1:0 (5 und 4); Phil Mickelson/Keegan Bradley - Rory McIlroy/Graeme McDowell (NIR) 1:0 (2 und 1); Dustin Johnson/Matt Kuchar - Justin Rose/Martin Kaymer (ENG/GER) 1:0 (3 und 2); Tiger Woods/Steve Stricker - Lee Westwood/Nicolas Colsaerts (ENG/BEL) 0:1 (1 auf)
Samstag:
Foursomes (Vierer) 3:1: Bubba Watson/Webb Simpson - Justin Rose/Ian Poulter (ENG) 0:1 (1 auf); Keegan Bradley/Phil Mickelson - Lee Westwood/Luke Donald (ENG) 1:0 (7 und 6); Jason Dufner/Zach Johnson - Nicolas Colsaerts/Sergio Garcia (BEL/ESP) 1:0 (2 und 1); Jim Furyk/Brandt Snedeker - Rory McIlroy/Graeme McDowell (NIR) 1:0 (1 auf)
Fourballs (Vierer-Bestball) 2:2: Dustin Johnson/Matt Kuchar - Nicolas Colsaerts/Paul Lawrie (BEL/SCO) 1:0 (1 auf); Bubba Watson/Webb Simpson - Justin Rose/Francesco Molinari (ENG/ITA) 1:0 (5 und 4); Tiger Woods/Steve Stricker - Sergio Garcia/Luke Donald (ESP/ENG) 0:1 (1 auf); Jason Dufner/Zach Johnson - Rory McIlroy/Ian Poulter (NIR/ENG) 0:1 (1 auf)
Sonntag:
Einzel 3,5:8,5: Bubba Watson - Luke Donald (ENG) 0:1 (2 und 1); Webb Simpson - Ian Poulter (ENG) 0:1 (2 auf); Keegan Bradley - Rory McIlroy (NIR) 0:1 (2 und 1); Phil Mickelson - Justin Rose (ENG) 0:1 (1 auf); Brandt Snedeker - Paul Lawrie (SCO) 0:1 (5 und 3); Dustin Johnson - Nicolas Colsaerts (BEL) 1:0 (3 und 2); Zach Johnson - Graeme McDowell (NIR) 1:0 (2 und 1); Jim Furyk - Sergio Garcia (ESP) 0:1 (1 auf); Jason Dufner - Peter Hanson (SWE) 1:0 (2 auf); Matt Kuchar - Lee Westwood (ENG) 0:1 (3 und 2); Steve Stricker - Martin Kaymer (GER) 0:1 (1 auf); Tiger Woods - Francesco Molinari (ITA) 0,5:0,5











