Ryder Cup, ein Schauplatz der Emotionen
Wenn ab Freitag in Illinois die besten Spieler der USA und Europas beim insgesamt 39. Ryder Cup die Golfschläger kreuzen, dann herrscht auf den Fairways und Greens des Country Clubs von Medinah wieder ein Ausnahmezustand.

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Das kontinentale Aufeinandertreffen gilt als wohl prestigeträchtigstes Kräftemessen im Mannschaftssport und lässt die unter enormen Druck stehenden Protagonisten schon gerne einmal Anstand und Etikette vergessen. . .
So wichtig wie Vietnam
So riss die Ehre, im Ryder Cup für seinen Kontinent aufteen zu können, etwa US-Spieler Bubba Watson beim letzten Vergleich 2010 in Newport zu folgender Aussage hin: "Beim Ryder Cup gegen Europa zu spielen ist für mich so wichtig wie der Kriegseinsatz meines Vaters in Vietnam."Hallo?! Kriegsähnliche Zustände auf dem Golfplatz? Geht es nach Kelly Tilgham vom "Golf-Channel", dann offensichtlich ja. "Die Last der gesamten Welt liegt auf den Schultern des amerikanischen Ryder-Cup-Teams", meinte die Expertin ernsthaft.
Damit nicht genug. Das legendäre Duell 1991 in Kiawah Island, das die Amerikaner nach einem verschobenen Zwei-Meter-Putt von Bernhard Langer noch mit 14,5:13,5 gewannen, bezeichnete das US-Fernsehen als "Krieg an der Küste". Und US-Spieler Corey Pavin trug damals in Anlehnung an den Krieg der USA gegen den Irak gar eine Mütze mit dem Aufdruck "Desert Storm".
Der berührendste Moment
Doch der Ryder Cup hat natürlich auch seine sanften, sentimentalen Seiten. Den wohl berührendsten Moment gab es im Jahr 2006 beim 18,5:9,5-Triumph der Europäer in Irland. Obwohl seine Frau Heather erst knapp einen Monat zuvor an Brustkrebs verstorben war, nahm Darren Clarke die Wild Card von Europas Kapitän Ian Woosnam an. Als der Nordire seinen 3&2-Einzelsieg gegen Zach Johnson fixiert hatte, brach er in Tränen aus und erklärte: "Besser kann es nicht sein. Die Unterstützung meines Teams, der Amerikaner und der Zuschauer werde ich mein Leben lang nicht vergessen." Unvergessen bleibt auch das Duell 1999 in Brookline. Nach der 10:6-Führung nach zwei Tagen brauchten die Europäer am finalen Sonntag nur vier Siege.
Comeback mit Platzsturm
Doch die Amerikaner machten Punkt für Punkt gut und schafften mit dem größten Comeback der Ryder-Cup-Historie noch den für 14,5:13,5-Sieg. Den alles entscheidenden Punkt steuerte damals Justin Leonard bei. Als sein 15-Meter-Putt auf der 17 ins Loch kullerte, brachen bei den Amerikanern alle Dämme. Spieler, Spielerfrauen und Caddies stürmten auf das Green - und das, obwohl Europas heuriger Kapitän Jose Maria Olazabal damals noch an der Reihe war. Erst sieben Minuten später konnte der Spanier seinen Putt ausführen, traf aber nicht mehr. . .
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Mit dem allerletzten Putt zum Sieg
Mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse - 14,5:13,5 - triumphierte Europa beim 38. und bislang letzten Ryder Cup 2010 im walisischen Newport. Aufgrund heftiger Regenfälle musste der Finaltag auf Montag verschoben werden - und da bekamen die 35.000 Zuschauer ein denkwürdiges Drama geboten. Zum Helden mutierte Graham McDowell - der Nordire sicherte Gastgeber Europa erst mit dem allerletzten Putt des Turniers den Sieg. Sein damaliger Kommentar: "Es war das Größte in meiner Karriere. Unfassbar. Mehr geht nicht."
In Erinnerung an Seve
Die Golf-Taschen des europäischen Teams ziert heuer ein besonderes Emblem. Es zeigt eine Silhouette von Seve Ballesteros bei seinem berühmten British-Open-Triumph 1984 in St. Andrews. Der Spanier, der mit Europa fünf Mal den Ryder Cup gewinnen konnte, verstarb im Mai 2011 mit nur 54 Jahren an einem Gehirntumor.









