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Zuletzt aktualisiert: 27.06.2010 um 19:19 UhrKommentare

Der Schnellere hat Vorrang

Autofahren in Südafrika ist Gewöhnungssache, aber der Neuling wird schnell erzogen. Im Grunde herrscht Disziplin, allerdings nach eigenen Regeln.

Foto © AP

Geschwindigkeitsbeschränkungen sind als Richtwerte zu betrachten und mit dem Sicherheitsabstand nehmen es die Einheimischen auch nicht so genau. Aber alle wissen Bescheid und der Langsamere macht artig Platz. Wobei auffällt, dass auf Landstraßen die Pannenstreifen als Ausweichrouten genützt werden. So wird aus einer zweispurigen eine vierspurige Fahrbahn. Grundsätzlich herrscht die Devise des möglichst flotten Vorankommens, aber Ampeln und Stoppschilder werden streng beachtet. Einige Hauptverbindungen sind für die WM großzügig ausgebaut worden, zwischen Pretoria und Johannesburg stehen bis zu zwölf Spuren zur Verfügung.

Von Rustenburg aus, wo eigentlich Platz genug wäre, wurde diesbezüglich - Platin hin oder her - eher gespart. Von dort aus geht es in zwei Hauptrichtungen, entweder nach Botswana oder nach Pretoria. Weil das benachbarte Ausland derzeit keine Anlaufstelle ist, ging nach dem Spiel zwischen Ghana und den USA gar nichts mehr. Afrika feierte den Einzug ins Viertelfinale - und alles war blockiert. So kam es, dass ich die 120 Kilometer, für die auf der Hinfahrt 90 Minuten locker reichten, erst nach viereinhalb Stunden bewältigt hatte.

Das entsprach in etwa genau jener Zeitspanne, die für die gestrige Reise ins 450 Kilometer entfernte Bloemfontein nötig war. Wo wenige Tage zuvor die Südafrikaner ihrer Mannschaft das letzte Geleit gaben, beherrschten diesmal Engländer und Deutsche die Szenerie. Vuvuzelas waren da nur vereinzelt auszumachen, stattdessen wurde viel gehupt. Vor dem Stadion ging es sehr gesittet zu. Engländer und Deutsche ließen sich gemeinsam ablichten und die besonderen Sicherheitsmaßnahmen blieben, abgesehen von zwei kreisenden Hubschraubern, unsichtbar.

Hubert Gigler

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