Wenn Euros wertlos sind
Ein Brief aus Südafrika von Hubert Winklbauer.

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Kalt ist es in dieser Nacht. Bitterkalt. In einigen Teilen Südafrikas hat es sogar geschneit.
Als wir die dick vermummte Gestalt am Straßenrand kauernd wahrnehmen, fragen wir, ob wir helfen könnten. Es ist eine junge Frau. Schwer zu sagen, wie alt. Die erste Assoziation, als wir ihre tief liegenden Augen und die hervorstehenden Backenknochen sehen: Aids.
Fast jede vierte Frau soll in Johannesburg infiziert sein. Wir fragen das Mädchen, ob es Hunger habe, ob es mit essen gehe. Aber schon vor dem ersten Lokal haben ihr schwarze Sicherheitskräfte den Zugang verwehrt. In allen anderen auch. Rebecca heißt sie - und das Lokal, wo sie etwas zu essen bekäme, sei zu Fuß in zwanzig Minuten zu erreichen. Wir fahren mit dem Taxi.
100 Euro
Für sie die reine Verschwendung. Sie sei von Soweto, arbeite als Putzfrau. Sie erzählt aus ihrem Leben. Sie kann fröhlich sein, herzlich lachen. Bevor sie in die Dunkelheit entschwindet, steckt ihr mein Bruder 100 Euro zu.
Dann ist sie weg. Aber am nächsten Tag steht sie außerhalb der dicken Mauern, die unser Hotel umgeben. Möglicherweise schon sehr lange. Mit den Euros könne sie nichts anfangen. Beim Umwechseln würde jeder Bankbeamte die Polizei rufen. Euros sind in den Händen der schwarzen Unterschicht wertlos. Wir wechseln ihr das Geld.














