Hier findet die WM nicht statt
Umgerechnet kostet die Suppe im Cafe Sunset ohne Einlage 37 Cent, die mit Fleisch 59. Die magische Ein-Euro-Grenze überschreiten erst Fish and Chips.

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Ein Zyniker würde darin die Bestätigung finden, dass sich freie Marktwirtschaft eben den Gegebenheiten anzupassen weiß. Die Gegebenheiten im Hafenviertel von Port Elizabeth sind die pure Armut. Dass diese Stadt mit dem drittgrößten Hafen von Südafrika auch reich ist, dass sie Schwerpunkt der südafrikanischen Autoindustrie ist, lässt sich rund fünfhundert Meter von unserem Hotel entfernt nicht ausmachen. In den frühen Morgenstunden via Johannesburg in diese mit rund 1,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte Stadt der Republik Südafrika gereist, wird aus dem ersten Schwadronieren ein beklemmender Rundgang durchs Elend. Straßenhändler bieten an, was in reicheren Ländern möglicherweise schon vor 30 Jahren entsorgt wurde. Kinder wärmen sich an offenen Feuern, Alte sitzen vor den Stufen verfallener Häuser. Die Dritte Welt ist mitten in dieser Stadt, in der wegen der WM Hundertschaften von Polizisten und für den Zeitraum der WM angeheuerten privaten Sicherheitskräften patrouillieren: Männer und Frauen, die ihre Gummiknüppel zur Schau stellen, vor den Banken grimmig schauende Männer mit dem Finger am Abzug von Maschinengewehren, Polizisten mit der Hand am Revolver. Viele der Lokale ähneln dem Cafe Sunset. Die Preisgestaltung auch. Schon ein Euro muss hier sehr viel Geld sein.
Die Fußball-WM existiert hier offensichtlich nicht. Keine Vuvuzelas, keine Dressen tragenden Menschen. Die haben andere Sorgen. Unsere Sorgen sind vernachlässigbare. Wie kommen wir durch den Stau ins Stadion zum Spiel der Deutschen. Das ist die einzige Sorge, die im Hafenviertel von Port Elizabeth mit Sicherheit niemand hat.
















