Wer soll diese Deutschen noch stoppen?
Deutschland machte gründlich Ernst und nahm Argentinien im Viertelfinale der Weltmeisterschaft nach allen Regeln der Kunst auseinander. Das Team von Joachim Löw steht nach einem imposanten 4:0-Erfolg im Halbfinale.

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Es sah nicht so aus, als würde der kleine, etwas in die Breite gegangene Herr in seinem schweren grauen Maß-Anzug in vollem Umfang wahrnehmen, was sich da auf dem Platz des Green Point Stadions abspielte. Irgendwie wirkte Diego Maradona ein wenig abwesend, fern von seinen Spielern, so als wollte er sich sagen. "Nein, das ist nicht meine Fußballwelt." Dieses argentinische Team entsprach nicht im Mindesten seinem Ideal vom Spiel, mit dem er einst viele Hundert Millionen Menschen auf diesem Globus begeistert hatte. Nein, eine großartig aufspielende, zum Schluss hin begeisternde deutsche Nationalmannschaft nahm seine Elf vollkommen auseinander, so lange, bis sein Argentinien vollkommen dem Zerfall preisgegeben war.
Totale Dominanz
Nein, Maradona stand ohne Unterlass in seiner ihm von der FIFA zur Verfügung gestellten Trainerzone, und es muss sich für ihn wie ein völlig fremder Strafraum angefühlt haben. ,Warum kann ich nicht eingreifen?' Unbegreiflich, dass hier die Deutschen Fußball spielten und Argentinien im Viertelfinale der Weltmeisterschaft vollkommen in ihre Gewalt gebracht hatten. Die von Joachim Löw perfekt auf einen Topfavoriten abgestimmte Mannschaft beherrschte den Raum und kontrollierte den Gegner, und die Südamerikaner agierten, als wären sie eingekesselt, völlig paralysiert. Die augenscheinliche Furcht vor Deutschland wurde ergänzt durch ein schnelles Tor von Thomas Müller nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger. Und am Ende standen die überragenden Deutschen als souveräne, überlegene Sieger im Halbfinale.
Wo war Messi?
Ein bemerkenswerter Aspekt in diesem Spiel war, dass eigentlich in keiner Phase der Partie wirklich Spannung erzeugt wurde. Zu dominant agierten Lahm, Schweinsteiger & Co., zu statisch, zu langsam spielten die Argentinier. Und, einmal in Rückstand geraten, schafften sie es nie, eine Wende auch nur anzudeuten. Vom Weltfußballer Lionel Messi, der sonst so häufig schneller spielt als sein Schatten, war nicht einmal dieser zu sehen. Der verblüffenden argentinischen Ideenarmut standen kluge deutsche Einfälle, Variantenreichtum, Präzision und auch spielerische Leichtigkeit gegenüber. Die Freude am Fußball, sonst ein Merkmal des Südens, darf Deutschland für sich reklamieren.
Das Match hatte ganz und gar nichts mehr zu tun mit dem Viertelfinale von Berlin 2006, als Deutschland glücklich weitergekommen war. Wie Brasilien am Vortag gegen die Niederländer kamen die Südamerikaner auch nicht zurecht mit überlegener europäischer Taktik. Und plötzlich ist Europa wieder voran.
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Fakten
Argentinien -
Deutschland
Endstand 0:4 (0:1)
Kapstadt, Green-Point-Stadion, 64.100 Zuschauer, SR Rawschan Irmatow (Usbekistan)
Torfolge: 0:1 (3.) Müller, 0:2 (68.) Klose, 0:3 (74.) Friedrich, 0:4 (89.) Klose
Argentinien: Romero - Otamendi (70. Pastore), Demichelis, Burdisso, Heinze - Maxi Rodriguez, Mascherano, Di Maria (75. Agüero) - Messi - Higuain, Tevez
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, J. Boateng (72. Jansen) - Khedira (77. Kroos), Schweinsteiger - Müller (84. Trochowski), Özil, Podolski - Klose
Gelbe Karten: Otamendi, Mascherano bzw. Müller (im Halbfinale gesperrt)
Die Besten: Keine bzw. Schweinsteiger, Podolski, Lahm, Klose
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