Spaniens Star fehlt die spanische Lobby
Fernando Torres schoss Spanien 2008 zum EM-Titel. Vor dem Viertelfinale gegen Paraguay wird Kritik am Torjäger laut.

Foto © APAAm Boden der Realität: Fernando Torres
Spaniens Teamchef Vicente del Bosque verfügt über die Geduld eines Zen-Meisters. Nirgendwo muss sich ein Coach einer so kritischen Analyse aller Details stellen. Anders als seine dünnhäutigen Vorgänger hat der 59-jährige jedoch kein Problem damit, notfalls jeden Tag aufs Neue dieselben Entscheidungen zu verteidigen.
Auf diese Weise hat er bei dieser WM schon die Debatte um die Doppel-Sechs ausgesessen, die er in den letzten Monaten einführte, um seinen Lieblingsspieler Sergio Busquets vom FC Barcelona ins Team zu bringen, ohne Xabi Alonso von Real Madrid aus Selbigem zu entfernen - das hätte ihm die mächtige Lobby des Hauptstadtklubs wohl übel genommen. Jetzt hat er ein neues Thema am Hals, und der um den es geht, verfügt nicht über so viel Rückendeckung in der Öffentlichkeit, denn er spielte früher nur bei Atlético Madrid und nun in England beim FC Liverpool. Es geht um Fernando Torres, den nach einer Knieverletzung noch etwas rostigen Siegtorschützen des EM-Finales 2008.
Daten gegen Torres
Mit allerlei Daten brieften die großen Sportblätter "As" und "Marca" in den letzten Tagen die Bevölkerung, um zu demonstrieren, wie wenig Torres in seinen 60 Minuten Spielzeit im Achtelfinale gegen Portugal geleistet hatte und wie viel der für ihn eingewechselte Fernando Llorente. In seltener Einigkeit sprachen sich je zwei Drittel der Leser beider Zeitungen sogleich für einen Start des jungen Hünen von Athletic Bilbao heute gegen Paraguay aus. Del Bosque verteidigt aber seinen Star. "Torres ist notwendig. Er wird von Spiel zu Spiel besser und er wird uns hier noch sehr nützlich sein." Dann werden sie ihm auch zu Hause wieder zu Füßen liegen. Fernando Torres kennt das schon, auch bei der EM 2008 wurde er zunächst infrage gestellt.
Bei Liverpool will man ihn nun verkaufen, nicht der Leistung wegen, der Schulden wegen. Und zumindest auf der Insel schätzen sie das Können des Spaniers. Für Torres stehen alle englischen Klubs Schlange, die es sich leisten können. Unter 50 Millionen Euro wird wohl nichts gehen.
Oder noch ein paar mehr, wenn er die Weltmeisterschaft genauso beschließt wie vor zwei Jahren die EM. Del Bosque glaubt daran,. Torhüter, Flügelstürmer und Doppel-Sechs habe man schon durch, sagt er, jetzt sei man eben beim Mittelstürmer: "Und wenn diese Debatte geschlossen ist, kommt bestimmt die nächste."
















