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Zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 um 08:16 UhrKommentare

Lähmender Ballast

Warum Philipp Lahm Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bleiben muss und der vermeintliche Hahnenkampf mit Michael Ballack dem Team nicht schaden wird.

Lahm & Ballack - Zukunft und Vergangenheit auf einem Bild

Foto © APALahm & Ballack - Zukunft und Vergangenheit auf einem Bild

"Das ist die bisher beste deutsche Nationalmannschaft, in der ich gespielt habe". Mit diesen Worten ließ Deutschlands Ersatzkapitän Philipp Lahm vor der WM aufhorchen. Einer horchte damals wohl ganz genau hin: Michael Ballack. Es war das erste verbale Gurkerl für das langjährige Alphatier der Deutschen, dem bei dieser WM verletzungsbedingt nur die Zuschauerrolle blieb. Gurkerl Nummer zwei folgte zwei Tage vor dem Halbfinale: "Ich möchte die Kapitänsbinde gerne behalten", stellte Lahm öffentlich klar. "Ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen die Spanier", sagen viele. Was für eine dumme Aktion? Wie kann er nur, dieser Lahm?

Lahms Vorstoß ist kein Zufall – und kam zum richtigen Zeitpunkt. Für den Bayern-Verteidiger ist Selbstreflexion kein Fremdwort. Lahm weiß ganz genau, was er sagt – und wann er etwas sagt. Das tat er in der Vergangenheit schon beim FC Bayern, das tut er jetzt im DFB-Team. Jetzt, vor dem WM-Halbfinale, hat er die totale Aufmerksamkeit – nicht nur in Deutschland. Und Lahm weiß, dass er der Nationalmannschaft nicht damit schadet. Im Gegenteil: Das Team steht hinter ihm – auch Teamchef Jogi Löw. Denn diese WM hat gezeigt: Die junge Truppe, die Löw in den vergangenen Monaten und Jahren mit Herzblut aufgebaut hat, schafft es auch ohne einen 33-Jährigen, der beim großen FC Chelsea nicht mehr erwünscht war und sich nun wieder in die Fußball-Provinz Leverkusen zurückzieht. Ein freiwilliger Rückzug, der auch dem deutschen Team gut tun würde. Ohne Michael Ballack funktioniert das System Löw besser. Verdienste oder Erfahrung hin oder her.

Dank Lahm ist das Thema jetzt erstmals auf der öffentlichen Agenda, das erleichert eine Demontage nach der WM. Dieses neue Deutschland rund um Schweinsteiger, Özil & Co. braucht keinen autoritären Primgeiger, der mit Mitspielern und Betreuern aneckt. Diese junge Generation braucht einen Mediator, der sich nicht ins Rampenlicht drängt, aber im Hintergrund die Fäden zieht, motiviert und sich dann laut zu Wort meldet, wenn es nötig ist: So einen wie Lahm. Sicher wird es Rückschläge geben, bei der Weiterentwicklung der Nationalmannschaft wäre Ballack aber nur mehr unnötiger Ballast, der lähmt. Das wird auch das heutige Halbfinale gegen Spanien wieder zeigen. Mit Philipp Lahm an vorderster Front.

THOMAS HUBER

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Foto © A.Dudy-fotolia.com/KLZ-Fuchs

Ein WM-Kommentar von Thomas HuberFoto © A.Dudy-fotolia.com/KLZ-Fuchs

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