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Zuletzt aktualisiert: 06.07.2010 um 10:33 UhrKommentare

Löw möchte mit jungen Wilden auch Vorbild eliminieren

In einer Neuauflage des EM-Finales von 2008 im Wiener Prater zwischen Deutschland und Spanien (0:1) geht es im Moses-Mabhida-Stadion um den Einzug ins Endspiel der 19. Fußball-WM in Südafrika.

Joachim Löw

Foto © APAJoachim Löw

Ganz Deutschland hat vor dem nächsten WM-Schlager am Mittwoch (20.30 Uhr) in Durban wieder das Fußball-Fieber gepackt. Sebastian Schweinsteiger, der neue Chef im DFB-Mittelfeld, hat den Triumph schon vor Augen - doch vor dem großen Finale muss Joachim Löw mit seinen Himmelstürmern das eigene Vorbild übertrumpfen. "Ich will nicht wieder nach Berlin kommen ohne etwas in der Hand", verdeutlichte Bastian Schweinsteiger den unbändigen Willen der jungen deutschen Wilden, auf dem Weg zum erhofften vierten Titelgewinn die sechste und bisher höchste Hürde zu überwinden.

"Wir wollen wieder ein großes Kaliber ausschalten", betonte der Münchner. "Es interessiert mich nicht, was geschrieben oder gesprochen wird. Für mich zählt einzig und allein Spanien", verkündete Schweinsteiger, der zweifellos zu den besten Spielern des Turniers am Kap zählt und nach dem Triumph über Argentinien zum "Spieler des Spiels" gekürt wurde, unbeeindruckt vom Lob vor der EM-Revanche. "Wir können uns nicht darauf ausruhen", sagte auch Torwart Manuel Neuer, der erst zwei Gegentore kassiert hat. Vor zwei Jahren war das DFB-Team beim 0:1 gegen Fernando Torres & Co. chancenlos. In Durban sehen Löw und sein Personal bessere Möglichkeiten. "Von der Qualität her sind wir besser als 2008, das wollen wir zeigen", betonte der bisher vierfache Turnier-Torschütze Miroslav Klose. "Die Situation ist so, dass wir mehr wollen", erklärte Löw. Während die Spanier ihr Team nach der EM weitgehend unverändert gelassen haben, leitete der Löw die Jugendwelle ein und sorgte damit für Erfolg und großes Erstaunen.

Der frühere Innsbruck- und Austria-Wien-Trainer hat sich gerade nach der Final-Niederlage von Wien am schnellen, direkten Spiel des Kontrahenten orientiert. "Natürlich ist das ein Beispiel für einen Trainer, der liebt, dass Fußball zelebriert wird", gestand er. Sein Respekt vor dem Team von Trainer-Senior Vicente del Bosque ist groß: "Spanien ist der WM-Topfavorit. Das ist die Nation, die in den vergangenen zwei, drei Jahren die größte Konstanz hatte", lobte Löw und würdigte vor allem die unglaublichen Offensiv-Möglichkeiten des Gegners: "Spanien hat nicht nur einen Messi, sondern mehrere Messis." Nach den Triumphen über England (4:1) und Argentinien (4:0) sieht der deutsche Missions-Chef seine Himmelstürmer nicht mehr auf der Euphorie-Wolke, sondern "fokussiert und konzentriert" bei der Halbfinal-Vorbereitung. "Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft emotional nicht überdreht hat", erklärte Löw. Nach einem "Tag der Pflege und Regeneration" begann er ab Montag wieder seine intensive Vorbereitung auf dem Trainingsplatz in Atteridgeville.

Für den angeschlagenen Sami Khedira, der zusammen mit dem bisher überragenden Schweinsteiger im Mittelfeld das vielleicht entscheidende Kräftemessen gegen die Barca-Stars Xavi und Andres Iniesta bestreiten soll, sieht Löw gute Einsatz-Möglichkeiten. "Es sieht im Moment so aus, dass für Mittwoch alle Spieler zur Verfügung stehen könnten", sagte der DFB-Chefcoach. Ein "Fragezeichen" stehe allerdings noch hinter Cacau, den eine Wirbelblockade plagt. Der bisherige WM-Shootingstar Thomas Müller ist für die Partie nach zwei Gelben Karten gesperrt. Löw nannte Piotr Trochowski, Toni Kroos und auch noch den angeschlagenen Cacau als mögliche Ersatz-Lösungen. "Damit musste man immer rechnen", meinte der Teamchef zur Sperre für den vierfachen Torschützen Müller. Doch nach den guten Trainingseindrücken, die die Ersatzspieler hinterlassen, "habe ich ein gutes Gefühl", betonte Löw, dessen Frau erstmals in Südafrika als zusätzlicher Glücksbringer auf der Tribüne sitzen wird.

Die neue Generation der Khedira, Özil, Boateng und Neuer steht im Schnelldurchlauf vor einer historischen Chance. Zum achten Mal kann Deutschland in ein WM-Endspiel einziehen. Und Löw selbst könnte sogar ein einmaliger historischer Triumph gelingen. Noch kein Bundestrainer vermochte in seinem ersten Turnier mit der Nationalmannschaft Weltmeister zu werden. Sepp Herberger schaffte es 1954 im zweiten Anlauf, Helmut Schön 1974 im dritten und Franz Beckenbauer 1990 ebenfalls im zweiten Versuch. Der "Kaiser" traut Löw und dessen "Boy Group" am Kap inzwischen alles zu: "Wir sind noch nicht fertig. Das Ziel ist, Weltmeister zu werden." Ein Finale gegen die Niederlande am 11. Juli in Johannesburg sei das "Maximum". Schon jetzt verglich der ehemalige DFB-Teamchef die Auswahl um Kapitän Philipp Lahm mit seiner Weltmeister-Elf von 1990. "Wir haben 20 Jahre gewartet, um wieder so eine tolle deutsche Nationalmannschaft zu haben", lobte Beckenbauer. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich das Endspiel-Datum bereits rot im Kalender angestrichen und für den Fall eines schwarz- rot-goldenen Halbfinal-Sieges eine nochmalige Reise nach Südafrika in Aussicht gestellt. Doch zunächst warten die Spanier, die alle Protagonisten als noch stärker als England und Argentinien einordnen. Den Schlüssel zum Finale zeigte Schweinsteiger auf: "Wir müssen wieder eine taktische Meisterleistung auf den Platz kriegen."


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