Die Hand Gottes weiß nicht, was sie tut
Uruguays Topstürmer Luis Suarez hat seinem Team mit einer groben Unsportlichkeit den Einzug in das Semifinale der WM gewidmet. Zu Hause ist er dennoch ein Held.

Foto © ReutersSuarez verhindert Ghanas Tor mit beiden Händen
Ein Held, wenigstens im militärischen oder kriegerischen Sinn, ist einer, der sich selbst opfert, um seine Heimat zu retten, sein Land, seine Stadt, sein Regiment, seine Mannschaft, seine Frau, seine Kinder.
Ist Luis Suarez ein Held? Sein Leben hat der uruguayische Stürmer ja nicht gerade hingegeben. Er hat mit der Hand gespielt, genau genommen sogar mit beiden Händen. Durch diese grobe Verletzung der Fairness hat er seiner Mannschaft die Möglichkeit eröffnet, im Bewerb zu bleiben und sich für das Semifinale zu qualifizieren. Luis Suarez ist nicht erschossen, bloß ausgeschlossen worden: Er hat für seine Unsportlichkeit die Rote Karte gesehen - eine letztlich sehr, sehr milde Strafe für dieses Vergehen, das das Ergebnis des Spieles tatsächlich umgedreht hat. Seine "Sühne" wird darin bestehen, im Semifinale im Trainingsanzug und Anorak auf der Tribüne zu sitzen, vielleicht eine Schale heißen Tee zu trinken, zuzuschauen und öfters einmal in Großaufnahme nasebohrend im Fernsehen gezeigt zu werden. Dass er um seine Gage umfällt, kann ich mir schwer denken.
Dazu muss man wissen, dass Suarez schon in seinem allerersten Länderspiel die Gelb-Rote Karte sah. Hands. Na dann...
Was Luis Suarez, in seiner Heimat ein Held, noch nicht weiß: Er wird schlecht schlafen. Er wird böse Träume haben. Albträume. Heerscharen von Ghanaern werden ihn mit Trommeln und Vuvuzelas verfolgen, Südafrikaner, Nigerianer, Elfenbeinküstenbewohner, Afrikaner aus allen Ländern ihres Kontinents, und sie werden raunen und sie werden rufen: "Schurke! Betrüger! Dieb! Du hast uns um all unsere Hoffnungen und um unseren Glauben - du hast uns um die Früchte unserer jahrelangen Arbeit gebracht! Wir haben schon so viel von euch gelernt: Taktik, Disziplin, Organisation, Ernst, Hintanstellen von Lebensfreude. Wir werden auch diese letzte Lektion, dass Unrecht zwar geahndet wird, sich aber letztlich unbedingt auszahlt, noch von euch lernen. Wir werden lernen. Ihr werdet sehen."
Dem "Helden" Suarez fiel nichts Klügeres ein, als von der "Hand Gottes" zu sprechen - einer Hand Gottes, die ungeniert zu unlauteren Mitteln greift, um andere zu schädigen. Wäre ich die FIFA, ich würde Herrn Suarez auf Lebenszeit sperren, nicht für ein Spiel, wie sie es tat. Wäre ich der Papst, ich würde ihn exkommunizieren.
















