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Zuletzt aktualisiert: 24.06.2010 um 20:53 UhrKommentare

Italien nach WM-Aus vor einem "Scherbenhaufen"

Der tiefe Fall eines Weltmeisters: Italien muss nach einem 2:3 gegen die Slowakei als Gruppenletzter die Heimreise antreten. Erst am Ende gab es ein Lebenszeichen der schwachen "Squadra".

Der Weltmeister von 2006 enttäuschte in Südafrika auf allen Linien

Foto © APADer Weltmeister von 2006 enttäuschte in Südafrika auf allen Linien

"Habt keine Angst, wir kommen weiter", tönte Italiens Teamchef Marcello Lippi vor dem alles entscheidenden Match gegen die Slowakei in feinster italienischer Überheblichkeit. "Es tut mir furchtbar leid, dass meine Arbeit so endet. Es kann keine Entschuldigung dafür geben", sagte derselbe Lippi kleinlaut, nicht einmal 24 Stunden später. Da war die Blamage in Blau bereits perfekt: Der Weltmeister von 2006 ist nach 1974 erstmals wieder in einer WM-Vorrunde gescheitert. Eine erschreckend schwache "Squadra Azzurra", die erst in den Schlussminuten Fußball spielte, musste sich in Johannesburg der Slowakei mit 2:3 geschlagen geben. Damit ziehen die Slowaken sensationell mit Paraguay ins Achtelfinale ein. Und Italien bleibt in Gruppe F nur der letzte Tabellenplatz - noch hinter Außenseiter Neuseeland. Das vermeintliche "Freilos" erwies sich als peinlicher Stolperstein.

Foto

Foto © APA

Foto vergrößernVittek traf zwei Mal ins SchwarzeFoto © APA

Robert Vittek war es, der die italienische "Pensionisten-Truppe" fast im Alleingang in die Frühpension schickte. Mit einem Doppelpack in der 25. und 73. Minute wurde der Ankaragücu-Stürmer zum Matchwinner für die Slowakei. Im Finish schöpften die Italiener nach dem 1:2 von Antonio di Natale (81.) noch Hoffnung, ehe Kamil Kopunek (89.) zuschlug. Der neuerliche Anschlusstreffer von Fabio Quagliarella (92.) kam zu spät. Ein drittes Tor hätte Italien zum Aufstieg gereicht.

Der am 11. Juli abgelöste Titelverteidiger bot vor allem in der ersten Spielhälfte eine ob der Ausgangslage mehr als enttäuschende Leistung. Nahtlos schloss die "Squadra" an ihre dürftigen Leistungen der ersten beiden Vorrundenspielen an. Während die Slowaken das Aus vor Augen ihre letzte Chance suchten, wirkte Italien zu abwartend, statisch und auch mit drei Stürmern offensiv harmlos. Da fehlte der Biss, da fehlte der Spielwitz.

Der slowakische Kapitän Marek Hamsik gab schon in der 6. Minute den ersten Warnschuss ab. Italiens beim WM-Titel 2006 noch hochgelobte Abwehr um den alternden Fabio Cannavaro machte dabei wie auch beim Gegentreffer keine glückliche Figur. Daniele de Rossi fabrizierte einen stümperhaften Fehlpass, Juraj Kucka fand im Strafraum Vittek, der souverän abschloss. Wer sich aber eine weltmeisterliche Reaktion erwartete, der irrte.

Fast-Eigentor

Während Lippi hilflos an der Seitenlinie grübelte, durfte sein Gegenüber Vladimir Weiss weiter zufrieden die Leistung seiner Elf beobachten. Zdeno Strba (35.) prüfte Buffon-Ersatzmann Federico Marchetti mit einem Fernschuss, ein Gewaltschuss von Kucka (45.) ging ans Außennetz. Bezeichnend: Die beste Chance für die Italiener hatte ein Slowake. In der 40. Minute köpfte Abwehrchef Skrtel den Ball aus kurzer Distanz beinahe ins eigene Tor.

Fotoserie: Wenn Tifosi leiden

Lippi brachte nach der Pause mit Fabio Quagliarella für Gennaro Gattuso eine weitere Offensivkraft und schickte in Minute 56 auch den angeschlagenen Regisseur Andrea Pirlo aufs Feld. Italien zeigte sich daraufhin verbessert. Serie-A-Torschützenkönig Di Natale vergab aber kläglich (56.), einen Schuss von Quagliarella wehrte Skrtel mit dem Oberschenkel auf der Linie ab (66.).

Auf den Spuren der "Les Bleus"

Die "Repre" zog sich aber keinesfalls zurück und blieb über Entlastungsangriffe immer gefährlich. Eine Standardsituation brachte die Slowakei endgültig auf die Siegesstraße: Nach einem Eckball bediente Hamsik per Flachpass Vittek, der aus kurzer Distanz zuschlug. Die Ereignisse überschlugen sich dann im Finish.

Nachdem Quagliarella am slowakischen Schlussmann Jan Mucha gescheitert war, rollte Di Natale den Ball ins leere Tor. Auf der Gegenseite schlug der eben erst eingewechselte Kopunek nach einem Einwurf zu. Der nun alles nach vorne werfende Weltmeister verkürzte durch einen Heber von Quagliarella erneut. Ein drittes Tor hätte Italien bereits zum Aufstieg gereicht, Simone Pepe ließ in der 95. Minute die große Chance auf das Achtelfinale aber ungenutzt.

Nach zwei Remis gegen Paraguay (1:1) und Neuseeland (1:1) reist die "Squadra Azzurra" damit ohne Sieg aus Südafrika ab. Zuletzt war Frankreich 2002 als Titelverteidiger schon nach der Gruppenphase blamabel gescheitert. Das Gute: Marcello Lippi und der Verband müssen sich nach der peinlichen Vorstellung in Südafrika nicht über mögliche Konsequenzen den Kopf zerbrechen. Der Abgang des 62-Jährigen stand bereits vor der WM fest - ein Umbruch im italienischen Team wird kommen.


Gruppe F, 3. Runde)

Slowakei - Italien 3:2 (1:0)
Johannesburg, Ellis Park, 45.000, SR Howard Webb (England)

Torfolge:
1:0 (25.) Vittek
2:0 (73.) Vittek
2:1 (81.) Di Natale
3:1 (89.) Kopunek
3:2 (92.) Quagliarella

Slowakei: Mucha - Pekarik, Skrtel, Durica, Zabavnik - Strba (87.Kopunek) - Stoch, Kucka, Hamsik - Vittek (92. Sestak), Jendrisek (94.Petras)
Italien: Marchetti - Zambrotta, Cannavaro, Chiellini, Criscito (46.Maggio) - Montolivo (56. Pirlo), De Rossi, Gattuso (46. Quagliarella)- Pepe, Iaquinta, Di Natale

Gelbe Karten: Strba (im Achtelfinale gesperrt), Vittek, Pekarik,Mucha bzw. Cannavaro, Chiellini, Pepe, Quagliarella

Die Besten: Hamsik, Vittek, Skrtel bzw. Quagliarella, Pirlo

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Foto © Reuters

Marcello Lippi nahm die Schuld auf sichFoto © Reuters

Abschneiden der Titelverteidiger

  • 1934: Uruguay, keine Teilnahme
  • 1938: Italien, Weltmeister
  • 1950: Italien, Vorrunde
  • 1954: Uruguay, Vierter
  • 1958: Deutschland, Vierter
  • 1962: Brasilien, Weltmeister
  • 1966: Brasilien, Vorrunde
  • 1970: England, Viertelfinale
  • 1974: Brasilien, Vierter
  • 1978: Deutschland, 2. Finalrunde
  • 1982: Argentinien, 2. Finalrunde
  • 1986: Italien, Achtelfinale
  • 1990: Argentinien, Zweiter
  • 1994: Deutschland, Viertelfinale
  • 1998: Brasilien, Zweiter
  • 2002: Frankreich, Vorrunde
  • 2006: Brasilien, Viertelfinale
  • 2010: Italien, Vorrunde

Gruppe F

1. Paraguay33:15
2. Slowakei34:54
3. Neuseeland32:23
4. Italien34:52

Spielplan

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