Der letzte Kreative
Italien, Schande über Italien. Marcello Lippi scheute mit diesem Team die Mühen und erntete Blamables. Warum der Neustart gelingen wird, man als Italien-Fan nach vorne blicken darf.

Foto © graphicnews.comFabio Cannavaro
Als Italien-Fan hat man es bei dieser WM leicht. Dieses Team von Marcello Lippi bestätigte alle Befürchtungen - und übertraf sie noch. Als Fan mag man diese Mannschaft nicht, als Fan verspürt man sogar ein klein wenig Schadenfreude.
Als Lippi 2006 mit einer großartigen Mannschaft zum Weltmeister wurde, hatte er zwei harte Jahre hinter sich. 24 Monate, in denen er aus einem Haufen großer Individualisten eine Mannschaft formen musste. 80 Spieler berief er damals ein, auf der Suche nach einer Gemeinschaft, die es einzuschwören galt. Der Rest ist Geschichte.
Als Lippi nach der verpatzten Euro 08 wieder von Roberto Donadoni übernahm, erinnerte er sich wohl nur zu gut an die Mühen dieser zwei Jahre. Noch einmal wollte er sich diesen schweren Gang nicht antun, sondern vertraute auf das Team, das ihm den Titel schenkte. Sein schwerster Fehler ist, dass es dieses Team nicht mehr gab. Italiens Stärken, Taktik und individuelle Klasse, waren in der Ära Lippi II Fremde. Spieler wie Pepe oder Gilardino kann man selbst als Fan in ihrer momentanen Form nicht schönreden.
Das Korsett lockern
Der große Graue machte die Alten zum Mittelpunkt seines Teams. Iaquinta, Cannavaro, Gattuso, Zambrotta und Di Natale sollten die Fäden ziehen, die wenigen Jungen wie Montolivo, Criscito und Chiellini wurden zu Wasserträgern. Aufmüpfige, Kreative, die der der Mannschaft wieder Leben einhauchen hätten können, ließ Lippi gleich daheim. Cassano, Balotelli oder Totti haben neben dem Trainer keinen Platz, Quagliarella durfte nur zusehen, De Rossi war geistig abwesend. Lippi will der einzig Kreative in der Mannschaft sein, spielte vier verschiedene Systeme in drei verschiedenen Spielen.
Wenn nun, nach der miserablen WM, Cesare Prandelli von Lippi übernimmt, werden wieder zwei Jahre vergehen, in denen es Rückschlage geben wird. Es wird mühsam werden, aus den jungen Wilden wie Giovinco, Balotelli, Micolli, De Ceglie oder Aquafresca ein Team zu bilden. Doch Prandelli ist der einzige richtige Mann für diese Aufgabe. In seinen erfolgreichen Jahren bei der Fiorentina formte er aus einem als untrainierbar geltenden Haufen ein Team, dass selbst Bayern München mit kreativem Offensivfußball das Fürchten lehrte. Er setzt stets darauf, das taktische Korsett locker zu schnüren, um der Kreativität nicht die Luft zu nehmen. Er überträgt den Spielern schon früh Verantwortung und formte damit Montolivo, Marchionni oder Jovétic.
Prandelli wird kaum einen Spieler aus Lippis Kader in seiner Mannschaft behalten und das ist gut so. Mit einiger Verspätung wird sich Italien nun wieder auf den Weg machen, den Lippi nicht noch mal gehen wollte. Es wird nun umso steiniger, doch mit Prandelli kommt der richtige Mann. Zuversicht mischt sich unter die Schadenfreude. Auch deshalb hat man es als Italien-Fan nicht schwer.
Features
Foto

Sebastian Krause kommentiert für Sie die WM.Foto © KLZ | Scheriau






Paraguay
Slowakei
Neuseeland
Italien







