Osim ortet bei Japan vor WM-Start viele Probleme
Der Trainer der Japaner, Ivica Osim, meint, dass zu wenige seiner Spieler in Europas Top-Ligen mitmischen würden, außerdem hätten sie zu viel Respekt vor großen Namen.

Foto © ReutersIvica Osim
Ivica Osim weiß, wovon er spricht. Der frühere Erfolgstrainer von Sturm Graz arbeitete von Juli 2006 bis November 2007, als ihn ein Schlaganfall zum Rückzug zwang, als japanischer Fußball-Teamchef und hat in dieser Zeit jene Probleme festgestellt, die für die Asiaten auch bei der WM in Südafrika zum Stolperstein werden könnten.
"Nur vier Legionäre"
"Im japanischen WM-Kader stehen nur vier Legionäre. Das ist das größte Problem für mich. Eine Nationalmannschaft kann nur mit Spielern aus starken Ligen erfolgreich sein", erklärte der Bosnier. Die Liga in Nippon sei zu schwach, um die Spieler auf eine derart große Herausforderung wie die WM vorzubereiten. "In Japan hat man als Spieler viel weniger Druck als die Spieler in europäischen Ligen. In Europa sind sie es gewohnt, in jeder Woche zwei entscheidende Spiele zu haben."
Zu dieser Problematik gesellt sich noch so etwas wie ein Minderwertigkeitskomplex. "Es fehlt ihnen das Selbstvertrauen. Sie haben noch immer Angst vor großen Gegnern", meinte Osim. In diesem Zusammenhang hat der 69-Jährige bei der knappen 1:2-Testspiel-Niederlage der Japaner in Graz aber eine Verbesserung festgestellt. "Da haben sie gesehen, dass sie auch mit einem Gerrard oder Lampard gleichwertig sein können."
Die Chance für die Japaner, die in Gruppe E auf die Niederlande, Dänemark und Kamerun treffen, sieht Osim vor allem in deren guter konditioneller Verfassung. "Denn die Spieler der Top-Mannschaften sind körperlich und wahrscheinlich auch mental müde."
Doch auch um die Psyche der Japaner könnte es nicht zum Besten bestellt sein, vermutet Osim mit Hinweis auf die Ansage des japanischen Teamchefs Takeshi Okada, man wolle bis ins Semifinale kommen. "Das ist für die Spieler belastend. Man muss sich fragen, wie sie das schaffen sollen. Sie haben keine groß gewachsenen und keine sehr schnellen Spieler. Sie haben keinen wie Drogba oder Messi, und ohne solche Spieler ist man taktisch nicht gefährlich."
Seiner Ex-Mannschaft traut Osim den Titel nicht zu, dafür wünscht er sich das auf ein spektakuläres Offensivspiel bedachte Spanien als Weltmeister. "Für den Fußball wäre es das Beste. Sonst kommen immer mehr Teams, die so spielen wie die Mourinho-Mannschaften."
Sturms "Jahrhundert-Trainer" schätzt den Portugiesen zwar als guten Coach, für die Attraktivität des Sports sei dessen Defensiv-Fanatismus jedoch alles andere als positiv. "Gott sei Dank ist er bei der WM nicht Teamchef. Seine Mannschaften spielen rein ergebnisorientiert, die Schönheit des Spiels ist ihnen egal. Aber das ist logisch, denn es geht im Fußball um extrem viel Geld."






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