Das Traum-Tor öffnete die Türe zum Traum-Duell
Der dreifache Weltmeister Deutschland, der noch nie in der Gruppen-Phase einer WM auf der Strecke geblieben ist, hat dem Druck des Gewinnen-Müssens standgehalten.

Foto © ReutersÖzil (Mitte) schoss das Goldtor für Deutschland
Über das 1:0 am Mittwochabend in Johannesburg im letzten und entscheidenden Spiel des Pools D freuten sich nicht nur die Deutschen, sondern auch die Verlierer aus Ghana, die den Mutterkontinent wohl als einziges Land im Achtelfinale der Fußball-WM in Südafrika vertreten werden. Durch das Traumtor von Mesut Özil nach einer Stunde vor 83.391 Zuschauern im Soccer-City-Stadion kommt es nun in der Runde der letzten 16 mit Deutschland gegen England am Sonntag (16.00 Uhr) in Bloemfontain zu einem Klassiker par excellence. "Das ist sicher eine besondere Begegnung. Das wird ein Spiel werden, das große Vorfreude bereitet. Das Duell lebt von der Geschichte. Wir werden versuchen, dann einige Dinge besser zu machen", sagte der deutsche Teamchef Joachim Löw.
Welcher Druck lastet
Auch wenn die Briten bisher nicht überzeugten, auch die DFB-Elf wird sich steigern müssen. Denn das, was sie gegen die Ghanaer zeigten, war keine Ruhmestat - es war ein erzitterter Arbeitssieg nach intensiv, aber nicht hochklassig geführten 90 Minuten. "Man hat gemerkt, dass ein großer Druck auf der jungen Mannschaft lastet. Aber auch solche Spiele muss man gewinnen. Das haben wir geschafft und darüber bin ich glücklich", meinte Löw über das letzte Gruppen-Spiel resümierend. Es sei für seine junge Truppe gut gewesen, durch "so ein Stahlbad" gegangen zu sein. Goldtorschütze Özil, der von einem verdienten Sieg sprach, meinte zu seinem ersten WM-Treffer: "Ich habe vor mir niemand gesehen, dann habe ich mir gedacht: draufschießen. Wir sind erleichtert, dass wir gewonnen haben." Der Werder-Regisseur meinte, dass er schon vor der Pause, als er alleine auf das Ghana-Tor zugelaufen war, das 1:0 hätte machen müssen. Und zum 32. Duell mit den Engländern bemerkte er: "Wenn wir die Leistungen von heute abrufen, können wir auch sie bezwingen."
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Ghana vergab Chance um Chance...Foto © Reuters
"Kaiser" Franz Beckenbauer gibt sich ebenfalls optimistisch und sagte: "Gegen England kann man sich viel besser einstellen als gegen die wuseligen Afrikaner." Innenverteidiger Per Mertesacker, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte, meinte dagegen: "Wir müssen uns enorm steigern, um mithalten zu können." Und Bayern-Offensiv-Mann Thomas Müller meldete sich mit Keckheit zu Wort: "Wenn wir Weltmeister werden wollen, müssen wir ohnehin jeden schlagen." Zum Problem könnte die Blessur des starken Sebastian Schweinsteiger werden, der sich zehn Minuten vor dem Schlusspfiff am linken, hinteren Oberschenkel verletzt hat. "Er musste raus, da er muskuläre Probleme hatte", erläuterte Löw nach der Partie und bezeichnete den Wechsel als "Vorsichtsmaßnahme". Sollte er wegen der Muskelverhärtung ausfallen, wäre das nicht gerade von Vorteil, musste der frühere Innsbruck- und Austria-Trainer aber zugeben.
Traum-Duell
Im Mutterland des Fußball kann man den WM-Knüller gegen den Erzrivalen ebenfalls kaum erwarten. "Macht Euch bereit für die deutsche Kriegsmaschine - der alte Feind hat das Achtelfinale gegen England gebucht", schrieb das Boulevardblatt "The Sun" auf seiner Internet-Seite. Und die "Daily Mail" frohlockte: "Özils Kracher macht das Traum-Duell perfekt." Ebenso groß wie in Deutschland war auch die Freude in Ghana. "Die "Black Stars scheinen für ganz Afrika", hörte man im Radiosender "Joy FK" geradezu poetisch. Das Online-Portal "Ghanaweb" schrieb: "Ja, ja, jaa - Ghana ist Afrikas einzige Hoffnung!" Selbst Teamchef Milovan Rajevac, der in den vergangenen Tagen noch als "serbischer Judas" und "Ratte" beschimpft worden war, bekam plötzlich wieder Sympathiebekenntnisse der Fans. "Endlich hat Milo den serbischen Druck abgeschüttelt, nun kann er sich auf uns konzentrieren. Mit seiner Hilfe werden wir die USA schlagen", gab sich ein Anhänger optimistisch.
"Ich hoffe, die Mehrheit der Südafrikaner unterstützt uns intensiv", meinte Rajevac. "Das Turnier hat für Afrika nicht so gut begonnen, aber nun lasst uns hoffen, dass es besser endet", sagte Offensivmann Sulley Muntari vom Champions-League-Sieger Inter Mailand. Die "Black Stars" treffen am Samstag in Rustenburg (16.00 Uhr) auf die USA. Ghana hat das Kunststück fertiggebracht, die Gruppenphase zu überstehen, ohne dabei aus dem Spiel heraus ein Tor erzielt zu haben. Die Treffer gegen Serbien (1:0) und gegen Australien (1:1) markierte jeweils Stürmer Gyan vom Elferpunkt.
Und die WM-Premiere, das Bruder-Duell der Boatengs in verschiedenen Teamdressen, verlief äußerst dezent. Der mit Spannung, zum teil aufgebauschte Vergleich zwischen Jerome, der in der DFB-Elf den Vorzug vor Badstuber erhalten hatte, und Kevin-Prince spielte deshalb nur eine Nebenrolle. Die Halbbrüder hatten ihre Emotionen unter Kontrolle. Der "böse Bube", der Ballack im englischen Cup-Finale außer Gefecht gesetzt hatte, fiel weniger auf als Jerome. "Es gab vor dem Spiel keine Gespräche, aber wir haben uns die Hand gegeben", erzählte Jerome. Von einem "Familienkrieg" - sein Vater stammt aus Ghana - hatte der 21-Jährige ohnehin nichts wissen wollen. "Er ist mein Bruder und bleibt mein Bruder", sagte der Hamburger nach seinem Teamdebüt, das er ausgerechnet gegen Ghana gegeben hatte. Im Achtelfinale sind Jerome, der vorzeitig wegen einer Wadenblessur ausgetauscht wurde, und Kevin-Prince "vereint".
Features
Deutschland - Ghana
Gruppe D (3. Runde):
Ghana - Deutschland Endstand
0:1 (0:0)
Johannesburg, Soccer-City-Stadium, 80.000 Zuschauer, SR Carlos Simon (Brasilien)
Tor: 0:1 (60.) Özil
Ghana: Kingson - Pantsil, Jonathan Mensah, John Mensah, Sarpei - Annan, K-P. Boateng - Ayew (92. Adiyiah), Asamoah, Tagoe (64. Muntari) - Gyan (82. Amoah)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, J. Boateng (73. Jansen) - Müller (67. Trochowski), Khedira, Schweinsteiger (81. Kroos), Podolski - Özil - Cacau
Gelbe Karten: Ayew bzw. Müller
Die Besten: Gyan, Asamoah bzw. Özil, Friedrich
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Au Backe, das war knapp für Löw und CoFoto © Reuters
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Der Held: Özil zieht ab - 1:0 für DeutschlandFoto © Reuters








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