Die WM als ein spanisches Dorf
Spanien geht als Favorit ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gegen die Niederlande. Die Holländer starten nach zwei Fehlschlägen ihren dritten finalen Versuch.

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Das permanente Hoch der Niederländer bei dieser Weltmeisterschaft erfuhr am Mittwoch eine leichte Eintrübung. Dabei hatte der Finalist von Südafrika einen bequemen Ruhetag einlegen können. Also saßen Arjen Robben, Wesley Sneijder & Kollegen geschlossen vor dem Fernseher und gaben sich dem zweiten Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien hin. Das Ergebnis entsprach nicht den Wunschvorstellungen des Oranje-Teams, denn am liebsten hätten die Holländer ihr drittes Endspiel bei einer WM gegen Deutschland bestritten. Dafür gab es zwei gute Gründe. Zum einen sollte 36 Jahre nach dem unglücklich verlorenen Finale der 74er-WM endlich die Gelegenheit zur Revanche kommen, zum anderen stellten sie sich Deutschland als den etwas einfacher zu bespielenden Gegner vor.
Spanien aber spielte nicht mit. Bondscoach Bert van Marwijk, der sich vom Auftritt der Iberer beeindruckt zeigen musste, zog einen Vergleich. "So sehe ich ja meine Mannschaft auch gerne spielen." Er vergaß zu erwähnen, dass seine "Elftal" bisher zwar äußerst effizient agierte, aber in der stilistischen Performance den Spaniern im Vorfeld den Vortritt lassen muss.
Die Erfolgsbilanz der Holländer jedoch ist, was die gesamte sportliche Bewerbung um diese WM betrifft, einzigartig. Alle acht Qualifikationsspiele wurden gewonnen, ebenso alle sechs bisherigen Endrundenpartien. Dieses Team hat nun die große Chance, die in den Siebzigerjahren mit dem Konzept vom totalen Fußball auftrumpfende Mannschaft zu übertreffen. Ein Titel war Johan Cruyff, Johan Neeskens, Rob Rensenbrink, Ruud Krol & Co versagt geblieben. 1978 hatte Ernst Happel die Niederlande ins Finale gegen Gastgeber Argentinien geführt.
Spanien im WM-Abseits
Fußballweltmeisterschaften und das spanische Team gingen bisher so gut wie getrennte Wege. Ein vierter Platz 1950 in Brasilien, das war's. Über das Viertelfinale sind die Iberer seither nicht mehr hinausgekommen, bei der Weltmeisterschaft 1982 im eigenen Land waren die Spanier mit einem nicht konkurrenzfähigen Team angetreten und in der Zwischenrunde klar gescheitert.
Aber seit einigen Jahren beherrscht die "Selección" die internationale Fußballszene. Von den vergangenen 54 Spielen gingen nur zwei verloren (USA/Confederationscup, Schweiz/WM). Das Team von Vicente del Bosque muss sich, was die Torbilanz betrifft, nach drei 1:0-Siegen in der Direktausscheidung zwar den Vorwurf gefallen lassen, eine Minimalistentruppe zu sein, doch spielerisch haben die Spanier die Maximalvariante anzubieten. Zudem können sie scheinbar immer zulegen, wenn es gerade erforderlich ist. Dann spielen sie sich richtiggehend mit dem jeweiligen Kontrahenten. Wie gegen Portugal war auch gegen Deutschland in der zweiten Hälfte der Druck für den Gegner unerträglich geworden. Und so zuverlässig, wie es dem Beobachter durch unablässiges Kombinationsspiel signalisiert wird, gelang jeweils (auch gegen Paraguay) der entscheidende Treffer. Der Europameister geht als Favorit in dieses Endspiel gegen die Niederlande.
















