Die wahren Gewinner und Verlierer der WM
Im Wohnzimmer, im Stammbeisl, beim Public Viewing rollt statt der Kugel der Euro. Die Fußball-WM bringt im Handel die Kassen zum Klingen.

Foto © Andre Bonn
Eines ist sicher, nicht jeder Chef ist ein echter Fußball-Knofl, aber seit die Fußball-WM in Gang ist, reiben sich Manager in den Verkaufs- und Vertriebsetagen die Hände. Das Spiel ist rund und der Ball läuft 90 Minuten (oder so ähnlich), lautet ein Leitsatz beim Kicken. Auch wenn Österreich bei diesem sportlichen Großereignis in Südafrika abseitssteht, knallen hierzulande die Schüsse ins Tor, sprich: Der Euro rieselt in die Kassen.
Beim Knabbergebäckhersteller Kelly's rechnet man mit 25 bis 30 Prozent Umsatzzuwachs. Auch die Brauunion rechnet "grundsätzlich bei einem Fußball-Großereignis mit höherem Getränkeabsatz". Bei Media Markt war offenbar "Nachrüsten" angesagt.
Für Psychologen ist die Aufregung rund um die Fußball-WM eigentlich kein besonderer Aufreger (außer, man zittert beim Spiel seiner Favoriten mit). Im Konsumverhalten sieht Psychologe Alois Kogler eine sogenannte Übersprungshandlung, gewissermaßen als Kompensation für Aufregung und Vorfreude: "Wir freuen uns, tun etwas, was uns gefällt."
Konsum-Kick
Der Handel mache mit der WM seine Umsätze, sagt Nicole Berkmann von Spar, ein Absatz-Plus sei "nicht wirklich so bemerkbar, wie man oft glaubt". Spezielle Sondereditionen verkauften sich besonders gut, aber andererseits: "Biertrinker haben immer ein Bier zu Hause", da sei es schwerer, Absatzzuwächse bestimmten Ereignissen zuzuschreiben. Rewe (u. a. Billa, Merkur) verzeichnet Absatzsteigerungen bei Bier, Snacks und Tiefkühlpizza, berichtet Konzern-Sprecherin Corinna Tinkler.
Kogler meint dazu, das Zusammensein mit Freunden, das "Spannungserleben", gebe einen Kick, der den Konsum anrege. Das Public Viewing mit seinem Zulauf unterstreicht Koglers Aussage. Für Markus Liebl, Generaldirektor der Brauunion, gibt es heuer weniger Public Viewing, aber er rechnet mit höherem Getränkeabsatz trotz des anfangs schlechten Wetters. Auch Pizzazusteller melden bis zu 30 Prozent erhöhten Geschäftsgang.
Bei Kelly's vermerkt man positiv für den Absatz, dass es zu Südafrika keine Zeitverschiebung gibt, meint Managing Director Maria Bauernfried. Der Neukauf von Flat-Screens wurde vorwiegend vor Beginn der WM getätigt, "zudem gibt es derzeit bei TV-Geräten mehr fürs Geld als je zuvor", sagt Thomas Pöchheim, Geschäftsführer von Media Markt in Österreich.
















