In Deutschland ist der Wahnsinn ausgebrochen
Eine Meldung erschütterte ganz Deutschland. Die deutsche Nationalmannschaft wird Spanien klar unterlegen sein und das Halbfinale von Durban verlieren. Das sagt zumindest Krake Paul voraus.

Foto © APKraken-Orakel Paul erhitzt die Gemüter
Der Ausgang der Partie wurde unter professioneller Aufsicht und unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit bestimmt, zahlreiche Fernsehsender übertrugen live, so zum Beispiel N24. Es gibt nichts mehr zu rütteln und zu deuteln. Denn: Das unfehlbare Orakel Paul hat sich für den Europameister und gegen die DFB-Auswahl entschieden.
Dass nicht Fernando Torres oder Bastian Schweinsteiger, sondern ein Tintenfisch aus Oberhausen die Schlagzeilen in Deutschland vor der Neuauflage des EM-Finales von 2008 bestimmt, sagt einiges über die Stimmung im Lande aus: Der Wahnsinn ist ausgebrochen.
Internationalmannschaft
Bislang lag Paul mit seinen Prognosen stets richtig, doch selbst wenn Paul diesmal erneut einen Treffer landen sollte und Deutschland das Halbfinale verliert: Die Nationalmannschaft anno 2010, dieses junge Team, diese Internationalmannschaft mit Spielern, deren Wurzeln in elf verschiedenen Ländern liegen, hat Deutschland in einen Traum versetzt, einen Sommertagtraum sozusagen. Die Straßen sind schwarz-rot-gold geschmückt, die Fahnen hängen aus Fenstern, von Dächern, an Autos. Noch hat das gefühlte Meer an Fahnen nicht den Stand von 2006 erreicht, als die WM in Deutschland stattgefunden hatte. Doch bei jedem Spiel, das Deutschland gewonnen hat, sind es mehr geworden. 350.000 Fußballbegeisterte feierten am Samstag in Berlin bei über 30 Grad auf der Fanmeile an der Siegessäule den hohen Sieg über Argentinien. Danach kam es in der Innenstadt rund um den Kurfürstendamm zu einem beinahe endlosen Autokorso, bis spät in die Nacht wurde gehupt und gesungen. Die Polizei sprach danach von einer "entspannten Atmosphäre" und dass es schon erstaunlich sei, dass es bei so vielen feiernden Fans doch überwiegend friedlich geblieben sei.
Dabei wird gerade in Berlin auffällig, dass kaum noch Autos herumfahren, die wie 2006 doppelt geflaggt haben: Deutsch und Türkisch. Sicher, diesmal ist die türkische Mannschaft nicht dabei. Mesut Özil, Deutschlands leichtfüßiger Stratege im Mittelfeld mit türkischen Wurzeln, würde sich aber durchaus anbieten als türkischer Botschafter.
Integration
Immerhin werden seine Leistungen im Berliner "Beussel Grill" im Stadtteil Moabit besonders gefeiert. "Es ist schon etwas Besonderes, wenn er ein Tor erzielt", sagt Kemal Özdemir, ein türkischer Gast. Aber das sei nur eine Winzigkeit schöner, "als andere deutsche Tore". Der 25 Jahre alte Monteur Özdemir will sogar ausgemacht haben, "dass man an Özil doch sieht, was für einen Sprung die Integration gemacht hat. Ein Türke in der deutschen Mannschaft, das ist doch stark."
Ein bisschen skurril sind die Angriffe der linksradikalen Szene, die besonders im Berliner Stadtteil Neukölln auf Fahnenjagd gehen.
















