Auch Ribery attackiert "Verräter" in Anelka-Affäre
Franck Ribery hat in der Affäre um den suspendierten Nicolas Anelka zur Jagd auf den unbekannten "Maulwurf" in Frankreichs Fußball-Team geblasen.

Foto © APFranck Ribery
"Ein Verräter hat einige Sachen ausgeplaudert. Wir werden erst Ruhe geben, wenn wir wissen, wer es war", sagte der Star vom deutschen Meister FC Bayern München am Sonntag sichtlich bewegt im französischen Fernsehen. Anelka war am Samstag aus dem WM-Team von Vizeweltmeister Frankreich ausgeschlossen worden, nachdem die Sport-Zeitung "L'Equipe" wüste Beleidigungen des Stürmers gegen Trainer Raymond Domenech enthüllt hatte. Ribery sagte, er habe "Tränen in den Augen gehabt", als Anelka das Quartier in Knysna am Sonntag verlassen habe. In seinem ersten Interview seit WM-Beginn, das auf eigene Initiative zustande kam, klagte Ribery: "Gerade jetzt, wo wir noch ein wichtiges Spiel gegen Südafrika haben, schlagen alle auf uns ein." Alle Spieler des Vizeweltmeisters von 2006 hätten gewollt, dass Anelka im Quartier bleibt. "Er ist sehr betroffen, weil er das Nationalteam liebt", versicherte Ribery. Und die von Medien zitierten Schimpfworte Anelkas seien so nicht gefallen.
In allen Vereinen gebe es solche Probleme. Domenech sei zwar der Trainer, der Boss. "Mir ist es aber auch passiert, dass mich der Trainer genervt hat. Aber die Sachen, die in der Kabine passieren, müssen auch in der Kabine bleiben", betonte Ribery. Vor dem Bayern-Star hatte auch schon Kapitän Patrice Evra Anelka in Schutz genommen und gesagt: "Das Problem ist nicht Anelka. Es ist der Verräter, der den Medien das alles gesteckt hat". Der Mann müsse gefunden und aus der Gruppe verbannt werden. Im WM-Quartier in Pezula, dem Fünf-Sterne-Hotel am Indischen Ozean, drohe mit der Jagd nach dem "Maulwurf" neues Ungemach, befürchtete das Magazin "Le Point" in seiner Onlineausgabe. Ribery aber versicherte in der Sendung "Telefoot", er und seine Kollegen wollten im letzten Gruppenspiel gegen Südafrika unbedingt gewinnen, um "die Bleus und unser Land zu ehren".
Ribery bestritt zugleich Berichte, wonach der frühere Fußball-Star Zinedine Zidane ihn und andere Leistungsträger überredet haben soll, Domenech von den Vorzügen anderer Spielstrategien zu überzeugen. Falsch seien auch die Berichte, Spielmacher Yoann Gourcuff werde von ihm, Anelka und vielen anderen Spielern gemobbt. Das Klima im Team leide nicht nur unter der Medienkritik, sondern auch unter den schlechten Leistungen. "Wir haben nicht als Mannschaft gespielt", räumte Ribery ein - und bat "alle Franzosen" um Entschuldigung. Auch Domenech kam in der Sendung zu Wort. "Ich habe die Probleme intern geregelt", sagte der umstrittene Teamchef, der nach der WM aus dem Amt scheiden wird. Die Medien hätten "die Sache größer gemacht", als sie sei, meinte der Trainer, der sich ebenfalls darüber ärgerte, dass die ganze Affäre an die Öffentlichkeit gekommen und es nun für sein Team dadurch noch schwerer geworden ist.
Er habe auch Anelka nicht wegen des verbalen Disputs in der Pause des Mexiko-Spiels (0:2) nach Hause geschickt. "Denn wenn der Coach etwas sagt, dann kann ein Spieler schon einmal die Nerven verlieren und sich im Ton vergreifen", erklärte Domenech. "Das Einzige, das ich ihm vorwerfe, ist, dass ich ihm die Chance gegeben habe, darüber am nächsten Tag zu reden, und er das nicht wollte."
















