Salzburg-Scout Linzmaier hadert mit Defensiv-Trend
Red Bull-Scout Manfred Linzmaier ist bei der WM in Johannisburg auf Talentsuche für Red Bull Salzburg. Er kritisiert das starke Defensivspiel vieler Spieler.

Foto © ReutersManfred Linzmaier
Neben unzähligen Top-Clubs hat auch Red Bull Salzburg einen Scout zur Fußball-WM nach Südafrika geschickt. Manfred Linzmaier befindet sich seit über einer Woche in Johannesburg und wird bis zu seiner Abreise am kommenden Donnerstag neun Spiele in Johannesburg gesehen haben. Einen Star der Endrunde wird man deswegen beim österreichischen Meister aber wohl nicht zu sehen bekommen.
Kontakte knüpfen
"Wir wissen, dass fast alle WM-Spieler für uns nicht leistbar sind. Doch natürlich interessiert man sich für den einen oder anderen und knüpft Kontakte", erklärte der Tiroler. Besonders unter die Lupe genommen werden eher die Außenseiter-Teams. "Man schaut, ob man bei Mannschaften wie Honduras, Südkorea oder Nordkorea mittelfristig jemanden ins Auge fassen könnte", berichtete Linzmaier, der eine Verpflichtung eines Nordkoreaners trotz der politischen Situation nicht für unmöglich hält. "Uns ist gesagt worden, dass es prinzipiell funktionieren würde. Das Problem wäre eher, wie er sich in unserer Kultur zurechtfinden würde."
Nur beobachten
Die Abwicklung von Transfers stehe bei seinem Südafrika-Trip ohnehin nicht im Mittelpunkt. "Es geht vor allem darum, präsent zu sein und Entwicklungen zu beobachten", erklärte der frühere ÖFB-Teamspieler. Seine Eindrücke wird der 47-Jährige für seine Vorgesetzten Dietmar Beiersdorfer und Thomas Linke dokumentieren und dabei auch von der Fortsetzung eines Trends berichten: "Jede Mannschaft hat eine gute Ordnung und kann damit auch weit stärkere Teams in Bedrängnis bringen."
Schwächere Abwehrreihen
Zwar könne sich Salzburg im Falle eines Champions-League-Duells mit dem FC Barcelona durchaus die Nordkoreaner oder Schweizer zum Vorbild nehmen, für die Attraktivität des Fußballs würde sich Linzmaier aber schwächere Abwehrreihen wünschen. "Die taktische Disziplin behält im Moment die Oberhand über den schönen Fußball."
Stellvertretend für diese Tendenz steht laut dem Tiroler der Star-Trainer Jose Mourinho. "Bei ihm ist es eigentlich noch gravierender. Denn im Fall von Nordkorea gegen Brasilien oder Schweiz gegen Spanien ist es legitim, dass man sich hinten reinstellt. Aber das Traurige ist, dass Mourinho diesen Stil auch mit solchen Kalibern wie Chelsea oder Inter Mailand spielen lässt."
Starker Leistungsdruck ist Schuld
Schuld an der Entwicklung sei aber nicht Mourinho allein, sondern der allgemeine Leistungsdruck. "Was bringt es, wenn man 4:5 verliert? Für schönen Fußball kann man sich nichts kaufen. Es gibt einfach eine Erfolgsorientierung um jeden Preis." Erste Auswirkungen seien etwa beim Rekordweltmeister schon bemerkbar. "Es ist schade, dass gerade die Brasilianer immer mehr offensive Spieler opfern. Dafür ist es umso schöner zu sehen, wie angriffslustig die Argentinier spielen", sagte Linzmaier, der im Sinne des Offensiv-Fußballs auf die "Gauchos" oder Spanien als Weltmeister hofft.
Doch selbst wenn sich wieder eine Truppe wie Italien bei der WM 2006 durchsetzen sollte, wäre laut dem früheren Mittelfeldspieler noch nicht alle Hoffnung verloren. "Im Fußball gibt es immer Wellen. Momentan regiert die Defensive, aber vielleicht finden die Top-Mannschaften einen neuen Weg, wie man Abwehrriegel knacken kann."
















