Frankreichs WM-Kicker suspendiert - Keine Strafe für Domenech
Die französischen Fußball-WM-Versager haben ihre erste Strafe bekommen, aber der abgesetzte Coach Raymond Domenech darf seinen lukrativen Nebenjob behalten. Die "Strafe" wird von vielen nicht als solche empfunden.

Foto © AP
Für 12.000 Euro im Monat ist der Mann, der als Hauptverantwortlicher des französischen WM-Fiaskos in Südafrika betrachtet wird, weiter als Trainerausbilder des Verbandes tätig. Die von seinem Nachfolger Laurent Blanc beantragte Suspendierung aller 23 WM-Teilnehmer fürs nächste Länderspiel am 11. August in Norwegen wurde auf einer Sondertagung des französischen Verbandes FFF dagegen sofort akzeptiert.
Die vorübergehende Verbannung der WM-Kicker, von Blanc als "Denkzettel" deklariert, löste am Wochenende gegensätzliche Reaktionen aus. Das Traditionsblatt "Le Monde" lobte, Blanc habe seine "Autorität untermauert", "Blanc schlägt hart zu", schrieb die Zeitung "Le Figaro". Rund 85 Prozent hießen in einer Online-Umfrage von "Le Parisien" die Sperre gut, aber für den Radiosender "RMC" war es lediglich eine "symbolische Sanktion" von Blanc. "Dass man in Oslo nicht spielen darf, das ist keine Strafe. Eher das Gegenteil: Mitten im Sommer will kein Star so ein Spiel mitmachen müssen", sagte Ex-Nationalspieler Eric Di Meco.
Domenech kam ungeschoren davon
Von den betroffenen Profis gab es vorerst keine Reaktion. WM-Tormann Hugo Lloris hatte im Vorfeld der FFF-Tagung gesagt, man müsse jede Sanktion akzeptieren. Der Trainingsstreik sei "Schwachsinn" gewesen. Die "Bleus" hatten am 20. Juni im WM-Quartier in Knysna das Training boykottiert, um gegen den Ausschluss von Stürmer Nicolas Anelka zu protestieren. Der Chelsea-Profi war vorzeitig nach Hause geschickt worden, weil er Coach Domenech in der Halbzeit des Spiels gegen Mexiko (0:2) beschimpft hatte. Frankreich, Weltmeister 1998 und WM-Zweiter 2006, schied nach der Gruppenphase sieglos aus. Die "Streikführer" müssen eventuell noch mit härteren Strafen rechnen. Am 5. August will eine den Boykott untersuchende Kommission ihre Ergebnisse vorlegen.
Dass ausgerechnet Domenech auf der FFF-Tagung ungeschoren davonkam, überraschte die Öffentlichkeit. Neben den Medien und vielen Politikern hatten auch zahlreiche Mitglieder des Verbands-Bundesrates die Entlassung des 58-Jährigen als Trainerausbilder gefordert. Darunter auch der am Freitag nach dem Rücktritt von Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes zum neuen Präsidenten gewählte Fernand Duchaussoy. Weshalb der "verrückte Professor" genannte Domenech doch nicht gefeuert wurde, blieb geheim. "Wenn er aber freiwillig gehen will, werde ich ihn nicht aufhalten", meinte Duchaussoy.
Der Unternehmer soll dem Verband bis zur Generalversammlung im Dezember vorstehen und eine Umstrukturierung des nach der WM völlig demoralisierten FFF einleiten. Er versprach, eng mit Blanc zusammenzuarbeiten und sich schon in den kommenden Tagen mit dem neuen Teamchef zu treffen, um das WM-Chaos und die Zukunft zu analysieren. Bereits am 5. August muss Blanc seinen nun mit großer Spannung erwarteten Kader für das Oslo-Spiel bekanntgeben.
Duchaussoy hatte sich bereits für einen vorläufigen Nationalelf-Ausschluss von Bayern-Star Franck Ribery und Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema ausgesprochen. Gegen beide Stars leitete die Justiz in Frankreich ein Anklageverfahren wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten ein. Seine Aufgabe sei es nun vor allem, "das Vertrauen in den Fußball, in den Verband und in die Menschen, die unsere Farben tragen" wiederherzustellen, sagte der 67-Jährige.
















