Kinder kennen keine Farben
Das Morgenland liegt in Gansbaai: Hier hat schon Krankl Fußball gespielt - für die Zukunft Afrikas. Der achte Teil des Kleine Zeitung WM-Specials beschäftigt sich mit der Armut in Südafrika.

Foto © APHans Krankl spielte in Südafrika für den guten Zweck.
Von der Figur Krankl, vom ewigen Goleador, war nur eines übrig geblieben: Hans im Glück des Moments, Gutes getan zu haben. Er zog sein Leiberl aus, gab es einem Buben und ging weiter, zum besten Spieler des Wohltätigkeitsmatches. "Welche Schuhgröße hast du?", fragte Krankl. Der Kleine antwortete, Krankl kniete nieder, zog seine neuen Fußballschuhe aus: "Die werden dir gut passen."
Es ist über zweieinhalb Jahre her, dass Krankl Gansbaai besuchte. Ein Hans im Elend war er, als er durch die Townships ging. Gansbaai? Ein Fischerdorf, berühmt für Walbeobachtungen und berüchtigt fürs Käfigtauchen zum weißen Hai, keine zwei Stunden östlich von Kapstadt entfernt. In den Townships findet man noch tiefe Spuren der Apartheid, als die Trennung zwischen Schwarz und Weiß Gesetz war.
Hier stehen noch immer karge Hütten, in denen Nägel mit Korken eingeschlagen werden, damit der Wind nicht durch die Fugen pfeifen kann. Kochstelle, Wohnzimmer und Bett sind auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht, die Stromkabel winden sich wie Schlangen durch die Hütten. Ausgerechnet hier soll das Morgenland für Afrika sein?
Geteilt durch den Sport
Michael Lutzeyer sitzt im Haupthaus seines Grootbos Nature Reserve. Ihm gehört eines der schönsten Hotels der Kapregion, ein Naturparadies bei Gansbaai, über 12.000 Pflanzen wachsen hier. Es ist so fruchtbar, dass selbst die Hoffnung für ein Fußballprojekt keimte, das Lutzeyer initiierte. Über Fußball wollte er Menschen zusammenbringen und eine Schule aufbauen. Für die Ärmsten der Armen.
Ein "neutrales Stück Land" bekam er von der Stadt. In der Mitte zwischen schwarzem, farbigem und weißem Township, die nebeneinander, aber nicht miteinander leben.
2007 erfolgte die Eröffnung mit drei neuen Spielfeldern samt Klubhaus. Erst heute sieht man, was Lutzeyer in Bewegung gesetzt hat. In einem Land, das nicht nur durch die Hautfarbe geteilt war, sondern auch durch den Sport. Fußball ist "schwarz", Rugby ist "weiß". "Gehen Sie ins Fußball-Stadion, von 90.000 Zusehern werden 1000 Weiße sein. Sie können auch nicht von einem weißen Township in ein schwarzes gehen, und sagen, "Ich will mit euch Fußball spielen", erzählt Lutzeyer. Ex-Präsident Nelson Mandela war der Erste, der diese Mauern ins Wanken gebracht hat. Seine Freundschaft mit dem weißen Kapitän des Rugbyteams, das Staunen der Schwarzen darüber und die Feiern zum WM-Titel (1995) - das wurde mit Morgan Freeman als Mandela ("Invictus") verfilmt.
Der Denkanstoß
Die Fußball-WM war der Denkanstoß für das Projekt in Gansbaai. "Wir mussten aber das Sportangebot erweitern, um mehr Kinder zu bekommen. Wir hatten das gleiche Problem wie früher: Kein Weißer wollte Fußball spielen", erzählt Lutzeyer. "Dann haben wir Hockey und Netzball angeboten, ein Sport für Schwarz und Weiß - auf einmal kamen Kinder aller Hautfarben. Wenn sie im Projekt sind, fallen alte Denkbarrieren. Weil Kinder keine Farben kennen, spielen jetzt auch Weiße Fußball."
Durch diesen Erfolg gestärkt, wurde im Township eine Schule für 700 Kinder gegründet. Langsam, so scheint es, beginnt das Lutzeyer-Projekt zu blühen.
















