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Zuletzt aktualisiert: 28.05.2010 um 05:58 UhrKommentare

Dicken Freunden muss man helfen

Gibt es zu viele oder zu wenig Elefanten? Muss man sie töten, um sie zu schützen und warum vergewaltigen sie Nashörner?

Foto © APA

Zugegeben, die WM-Elefantentröte Vuvuzela ist noch lauter als Freda. Aber der kurze Warnton, den die Elefantendame ausstößt, wenn sie sich schreckt, misst immerhin mehr als 80 Dezibel - wie ein Presslufthammer. Und Freda schreckt sich oft. Nicht nur, wenn ein Jeep um die Ecke biegt, wenn sie wieder einmal Orangen stibitzt. Freda ist einer jener Elefanten, die vor mehr als zwölf Jahren in ein privates Reservat umgesiedelt wurden, nachdem der Großteil ihrer Familie beim Culling - dem Zusammentreiben und Erlegen von Elefanten - umgekommen war.

Das planmäßige Abschießen bedeute einen massiven Eingriff in die Familienverbände der sozialen Tiere, erklärt der Zoologe und Zuchtbuchführer Europas für den afrikanischen Elefanten, Harald Schwammer. Im Kruger Nationalpark wurden die Tiere üblicherweise mittels Hubschrauber zusammengetrieben und getötet. Die Überlebenden wurden umgesiedelt, waren verstört und wuchsen quasi ohne Erziehung weiter auf. Im Pilanesberg Nationalpark vergewaltigten und töteten junge Elefantenbullen nach einer Umsiedelung rund 50 Nashörner.

Culling gibt es seit fünfzehn Jahren nicht mehr, seither ist die Zahl der Elefanten im Kruger Nationalpark explodiert.

Die Pille für den Elefanten

Laut Zoologin Jutta Jahrl vom WWF Österreich gab es 2006 an die 18.000 afrikanische Elefanten, 2002 waren es noch 14.000. Derzeit hat Südafrika Projektgruppen damit beauftragt, die genaue Zahl zu erheben.

Auf den etwa 20.000 Quadratkilometern des Kruger Nationalparks - eine Fläche so groß wie Israel - leben derzeit 10.000 bis 14.000 Elefanten. In jedem Fall "zu viele, dass der Park sie noch tragen könnte", sagt der Zoologe. Durchschnittlich 200 Kilogramm Nahrung braucht ein Elefant täglich. Wenn nichts passiert, werde die Buschsteppe in wenigen Jahre in eine Wüste verwandelt.

Was also tun? Die Pille für die Elefantenkuh funktioniert gut, kommt aber spät. Simbabwe etwa setzt auf Abschussquoten, Südafrika auf das Abreißen der Zäune zwischen den Nachbarländern Mosambik und Simbabwe, um mehr Raum und den größten Wildpark der Welt zu schaffen. Doch ein Vier- bis Sechstonner ist schwer zum Umzug zu bewegen. Immer wieder trotten die Tiere zurück in die gewohnte Umgebung. Außerhalb der Schutzgebiete Südafrikas sei der Elefant bereits ausgerottet, sagt Schwammer. Die Wilderei habe wieder zugenommen, in den letzten beiden Jahren massiv. Auf der Cites-Konferenz 2010 in Katar wurde der Elefant nicht von der Liste der gefährdeten Tiere gestrichen. "Der Großteil des Elfenbeins geht nach Asien", sagt Jahrl. Die Nachfrage aus China sei enorm.

Schwammer liest aus einer Mitteilung der Infozentrale in Nairobi: Am 26. Mai wurde eine Tonne Stoßzähne in einem Container in Vietnam konfisziert. Sie war mit "Muscheln" gekennzeichnet.

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