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Zuletzt aktualisiert: 27.05.2010 um 05:46 UhrKommentare

Anstoß für die Wein-WM

Bei den Weinen will Südafrika ins Finale. Die Winzer am Kap nutzen die WM als vinologisches Spielfeld. Eine Geschichte von der Massenabfertigung zur Weinkultur.

Wein und Paviane in Südafrika

Foto © APWein und Paviane in Südafrika

Verkehrte Welt. Sommer ist Winter. Die bierkompetenten Holländer haben die Weinkultur in Südafrika begründet. Die Weinernte 2010 ist schon längst vorbei. Und die Weine selbst entsprechen oft gar nicht mehr der Vorstellung von gefälligen Fruchtsäften aus der Neuen Welt. Aber der Reihe nach.

Begonnen hat alles mit Jan van Riebeeck, der an Bord seiner Leuwin, einem Schiff der Ostindischen Handelskompanie, Rebsetzlinge dabei hatte. Um die Händler am Kap bei Laune zu halten, wurde ab 1659 kräftig Wein ausgeschenkt. In den 1970er-Jahren kam dann erstmals Schwung in die Qualität, erinnert sich Horst W. Frehse, Geschäftsführer des Asara Weinguts in Stellenbosch. "Damals gab es noch keine Weinkultur in Südafrika, es war Massenabfertigung." Bis junge Winzer alles umkrempelten. Sie ließen sich in Europa ausbilden und brachten neue Ideen mit. Einer von ihnen schleuste sogar Chardonnaypflänzchen im Handgepäck ins Land. "Ein großes Risiko - er hätte auch Krankheiten mitbringen können", schüttelt Frehse den Kopf. Doch alles lief gut in der Region um das Westkap.

Und heute? Die WM wird als willkommene Chance gesehen, wieder verstärkt auf den südafrikanischen Wein aufmerksam zu machen. Dass wir künftig von Südafrikanern überflutet werden, ist nicht zu befürchten, obwohl sich die Exportzahlen in den letzten Jahren verzehnfacht haben. Denn es wird in den letzten Jahren vermehrt auf Qualität gesetzt, nicht auf Masse - die Rebfläche wächst vergleichsweise wenig an (seit zehn Jahren um etwa 3.000 Hektar pro Jahr), rund 102.000 Hektar werden derzeit bewirtschaftet. Momentan steht Südafrika als Weinproduzent weltweit an siebenter Stelle.

Um die Qualität zu steigern, werden nicht nur Topkräfte aus Schulen und Universitäten vor Ort verpflichtet, es wird auch nach wie vor in Europa nachgefragt. Auch Steirer sind Entwicklungshelfer in Sachen Wein.

Spione von der Südspitze

Vor etwa fünf Jahren nahm das südafrikanische Weingut Capaia im Nordwesten von Kapstadt zum ersten Mal das Weingut Tement in der Südsteiermark ins Visier. Objekt der Begierde - der Sauvignon Blanc. Für die zehn Hektar, die im Weingut der Familie von Essen gedeihen, reist Armin Tement seit vier Jahren regelmäßig ans Kap. Um der üblichen Neuen-Welt-Stylistik beizukommen, wie er sagt - Ziel sei der traditionelle Ausbau.

Zwei Ernten auf zwei Kontinenten sind eine Herausforderung für den steirischen Winzer. "Mitte Februar arbeitet man bei 30 Grad." Mancher südafrikanische Winzer ernte deshalb sogar nachts, erklärt Tement. Die Trauben werden dabei auf Trockeneis gepackt, um den Alkoholgehalt geringer zu halten. Die meiste Arbeit passiere in Südafrika im Keller, in Österreich im Weingarten.

Was schließlich dabei herauskommt, ist durchwegs feinfruchtig, gut strukturiert und von harmonischer Säure. "Charaktereigenschaften, die dem österreichischen Geschmack entsprechen", fasst Heinz Kammerer zusammen. Etwa 100 verschiedene Weine aus Südafrika importiert der Wein&Co-Chef. "Mir persönlich ist sonnengeküsst lieber als Sauerampfer."

Der beerige Shiraz, der würzige Pinotage - eine Kreuzung aus Blauburgunder und Cinsault - wie auch der Chenin Blanc werden immer feiner ausgebaut. International heimsen die "neuen Weine", wie sie Winzerin Ntsiki Biyela nennt, immer wieder Auszeichnungen ein. Preislich liegen die südafrikanischen Weine deutlich unter dem österreichischen Niveau. Bereits jetzt also gut, für die WM zu bunkern - der Chenin Blanc 2010. Verkehrte Welt eben.

BIRGIT PICHLER

Spezialitäten Südafrikas

Südafrika ist ein Schlemmerparadies, zumal das Preisniveau in der Kulinarik deutlich unter dem Österreichs liegt. Unbedingt probieren:
Kudufilet, Perlhuhn (Guinea fowl), Gnu-Carpaccio (Black Wildebeest) und den Speisefisch Kingklip.

Grafik © KLZ

Grafik vergrößernWeinbau in SüdafrikaGrafik © KLZ

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