Motor des schwarzen Kontinents
Die Wirtschaft im Kapstaat bleibt in Afrika unerreicht. Der Architekt dahinter heißt Trevor Manuel.

Foto © APATrevor Manuel
Demokratie heißt" meinte einst Bertrand Russell, "dass es nicht gefährlich ist, unpopulär zu sein." Trevor Manuel hat gezeigt, dass es sich beim neuen Südafrika, zumindest in seinen ersten Jahren, wirklich um eine Demokratie handelte. Mit seinem unbändigen Einsatz für eine freie Marktwirtschaft am Kap ist Südafrikas langjähriger Finanzminister und heutiger Chef der wirtschaftlichen Planungskommission jedenfalls oft angeeckt, insbesondere bei den mächtigen Gewerkschaften Südafrikas. Die sozialistisch inspirierten Genossen haben immer wieder den Kopf des überzeugten Marktwirtschaftlers Manuel gefordert - ohne Erfolg.
Manuels Sünden sind Legion. Zuerst trat er forsch gegen jedwede Form des Protektionismus auf und verärgerte die Gewerkschaften mit der Aussage, Südafrika könne sich nicht ewig hinter hohen Tarifmauern verschanzen. Dann schlug er früh eine rigide Sparpolitik ein, um die unter der Apartheid aufgetürmten Schulden abzubauen, was Südafrika heute sehr zugute kommt. Zur Weißglut brachte Manuel die Genossen jedoch vor allem mit seiner direkten Aufforderung an die Unternehmensführer, endlich Flagge zu zeigen und nicht aus dem Angst vor den mächtigen Gewerkschaftsbund Cosatu und der mit ihm verbündeten Regierung permanent zu kuschen. Denn das hätten sie unter der Apartheid lange genug getan.
Gefängnis und Hausarrest
All dies hatte niemand von Manuel erwartet. 1956 in Kapstadt geboren und von den Apartheidarchitekten als "Mischling" klassifiziert, war er von jungen Jahren an im Widerstand gegen die Rassentrennung aktiv. Als einer der führenden Köpfe der United Democratic Front (UDF), des internen Flügels des bis 1990 am Kap verbotenen ANC, verbrachte der Mann, der damals am liebsten Jeans und Cowboystiefel trug, viel Zeit im Gefängnis und unter Hausarrest
Seine Skepsis gegenüber sozialistischen Experimenten ist umso verblüffender als Manuel eigentlich gelernter Arbeiter und Sohn einer Näherin ist. Obwohl er deshalb keine formelle Ausbildung in Sachen Ökonomie hat, avancierte er gleich nach der Zulassung des ANC zum Leiter von dessen Abteilung Wirtschaft und Planung - und zeigte dort eine schnelle Auffassungsgabe. 13 Jahre lang war er zwischen 1996 und 2009 Südafrikas Finanzminister und gilt als Architekt der soliden Wirtschaftspolitik, die Südafrika einen beispiellos langen Wirtschaftsaufschwung bescherte. Seit einem Jahr leitet er nun die Planungskommission des ANC und ist dort für die langfristige wirtschaftliche Ausrichtung des Landes verantwortlich, allerdings wohl mit weniger Kompetenzen.
40 Prozent Arbeitslosigkeit
Sein kühler Sachverstand wird gerade jetzt dringend gebraucht. Obwohl die Gewerkschaften mit den von ihnen durchgeboxten rigiden Arbeitsgesetzen entscheidend daran Schuld tragen, dass die Arbeitslosigkeit, einschließlich der versteckten, inzwischen über 40 Prozent liegt, lassen die Genossen gerade wieder ihre Muskeln auf den Straßen im Land spielen und fordern Lohnerhöhungen von bis zu 13 Prozent - bei einer Inflation von fünf Prozent. Wütend sind sie auch darüber, dass der neue Finanzminister Pravin Gordhan am wirtschaftsfreundlichen Kurs von Manuel festhält - und auch die wieder einmal am Kap diskutierte Verstaatlichung der Minen ablehnt.
Würde er sich damit nicht durchsetzen, drohten am Kap griechische Verhältnisse. Schon deshalb wäre Südafrikas Regierung gut beraten, auch künftig an Manuels solider Wirtschaftspolitik festzuhalten.
Denn wirtschaftlich bleibt das Land in Afrika unerreicht. Obwohl es mit seinen etwa 48 Millionen Menschen nur rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung Schwarzafrikas stellt, steuert es mehr als ein Drittel zum Bruttosozialprodukt des Kontinents bei. Allein sein Schienennetz ist das zehntgrößte der Welt und umfasst 80 Prozent des gesamten afrikanischen Bahnverkehrs.
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Wussten Sie,
. . . dass sich Südafrika des größten je von Menschenhand gegrabenen Lochs rühmt? Das "Big Hole" bei Kimberley war bis 1914 Diamantenmine und hat einen Durchmesser von 460 und eine Tiefe von 240 Metern. . . . dass Südafrikaner einen festen Handschlag bevorzugen? Es ist wohl ein Grund, warum Frauen ganz auf das Handschütteln verzichten und zur Begrüßung nur freundlich nicken.
Es gibt auch Bier in Afrika:
Südafrika ist ein Weinland. Dennoch gibt es auch eine Bierkultur. SABMiller ist weltweit der zweitgrößte Brauereikonzern und aus einer Fusion mit South African Breweries entstanden. Der Konzernsitz ist heute allerdings in London.
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Südafrikaner trinken auch BierFoto © kk
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In Südafrika werden zahlreiche Autos produziert. Doch auch am Kap brach die Nachfrage nach Neuwagen einFoto © kk
In Südafrika werden zahlreiche Autos produziert. Doch auch am Kap brach die Nachfrage nach Neuwagen einGrafik © kk
Autoproduktion am Kap:
Südafrika hat breite Palette von Konsum- und Investitionsgütern. Besonders erfolgreich ist die Autoindustrie. Alle großen Marken - auch Daimler, BMW und Volkswagen - lassen in Südafrika produzieren. Wichtigster Industriezweig sind aber Bergbauprodukte. Auf sie entfallen wertmäßig rund 50 Prozent der Ausfuhren Südafrikas.
Gold und Diamanten:
Südafrika ist der größte Goldlieferant der Welt. Der Krügerrand ist die bekannteste Goldmünze. Daneben haben Diamanten den Grundstein für Südafrikas Wohlstand geschaffen. Auch bei Platin und Chrom ist das Land größter Weltproduzent.
















