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Zuletzt aktualisiert: 21.05.2010 um 21:26 UhrKommentare

Auf zum Cup der guten Hoffnung

Ein Land wartet voller Ungeduld auf den Anpfiff des größten Sport-Events in der Geschichte Afrikas - die Fußball WM.

Foto © GEPA

Jeden Freitag lässt Amu Nkwinika ihren Geschäftsanzug im Schrank. Stattdessen streift sie sich das leuchtend gelbe Trikot des südafrikanischen Fußballteams über. Politiker, Manager, Piloten, Rezeptionisten oder Busfahrer - sie alle tragen seit Monatsbeginn jeden Freitag das nationale Jersey, um ihren Fußballern zu zeigen: Südafrika drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM geschlossen hinter ihnen steht. Zwar sind die "Bafanas" inzwischen auf Rang 90 der Weltrangliste abgerutscht und nur Außenseiter. Doch die Hoffnungen, die sich mit dem Team und vor allem der Weltmeisterschaft im eigenen Land verbinden, sind dennoch riesengroß.

Wie fast alle Südafrikaner ist auch Nkwinika mächtig stolz, dass die ganze Welt auf das Land am Kap schaut. Stolz aber auch etwas ängstlich, wie sie eingesteht, weil niemand weiß, was sie und das Land erwartet. "Ich kann noch gar nicht glauben, dass Superstars wie Lionel Messi oder Didier Drogba wirklich zu uns kommen" sagt Nkwinika, die für den Fußballclub Platinum Stars in Rustenburg arbeitet. "Ich hoffe nur, dass wir die Welt nicht enttäuschen und dass alles gut geht."

Zumindest um die Stimmung braucht sie sich nicht zu sorgen: Es hat etwas gedauert, aber die gelben Trikots und die vielen Flaggen, die inzwischen aus den Autofenstern wehen, lassen erahnen, dass die WM endlich in den Herzen der Menschen angelangt ist. Trotz der Wirtschaftskrise wartet ein ganzes Land voller Ungeduld auf den Anpfiff des größten Sportsereignisses in der Geschichte des schwarzen Kontinents.

Zwei Seiten eines Landes

Wer einen Eindruck von dieser Vorfreude kriegen will, braucht nur nach Soweto zu fahren, in das große Township im Südwestern der Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Im Soccer City-Stadion, wird die WM am 11. Juni beginnen - und vier Wochen später mit dem Finale ausklingen. Zwar wird noch an einigen Stellen vor der Riesenarena kräftig gewerkelt. Doch handelt es sich nur um den Feinschliff.

Das Stadion selbst ist in seinem dunkelroten Design atemberaubend schön und ein in Beton und Stahl gemeißeltes Signal, dass sich Südafrika mit früheren Turnieren durchaus messen kann. Wenn nicht nebenan gleich das andere Südafrika wäre: Um die Ecke liegt das Elkah-Stadion der Rockville Hungry Lions, das während der WM zum Fanpark umfunktioniert wird. Doch wenig weist darauf hin: die Anlage wirkt ungepflegt, das Klubhaus heruntergekommen. Es ist ein Kontrast wie er typisch ist für diese WM.

"Wir haben uns immer wieder beschwert, aber es denen egal" klagt der Lions-Trainer Mighty Motswene. "Dabei haben sie uns das Blaue vom Himmel versprochen." Stimmt ihn die WM deshalb bitter? Motswene schaut verwundert. "Nein, ich bin heiß darauf. Wenn die WM etwas Rückenwind gibt, bin ich glücklich."

Im Style Joint, einer Fußballkneipe, teilen viele Fans seine Meinung. "Die Leute werden kommen und ein neues Bild von Soweto und Südafrika bekommen", sagt Siphiwe Madlala. Der Student weiß um den langfristigen Nutzen, wenn es gelingt, sich in den nächsten acht Wochen gut zu verkaufen. Doch viele Südafrikaner fragen sich auch, ob es angemessen war, Milliarden Rand in ein Ereignis zu stecken, obwohl in den allermeisten Townships kein einziger vernünftiger Fußballplatz existiert. Doch sie hoffen insgeheim, dass sich die Investitionen am Ende für das Land und das Image des gesamten Kontinents lohnen werden.

Wer die Leidenschaft und Lebenslust der Menschen erlebt, der spürt, dass es hier um mehr geht. "Wir haben mit der Kritik und den vielen Bedenken wegen der Gewalt leben gelernt, seit wir uns beworben haben", sagt WM-Organisationschef Danny Jordan. "Es gibt viele Pessimisten, aber wir werden alles tun, um sie zu widerlegen. Und eine WM auszurichten, die für Südafrika ein neues Kapitel aufschlägt."


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Grafik © KLZ

Grafik vergrößernSüdafrikaGrafik © KLZ

Wussten Sie,

. . . dass die Südafrikaner für jeden einen Spitznamen parat haben? Ihr Nationalteam heißt etwa Bafana Bafana, also die "Burschen". . . . dass alle Südafrikaner gerne grillen? Das Braai (Afrikaans für Braten) ist eine typische Tradition und vor allem am Wochenende ein gesellschaftliches Ereignis. Auf den Holzgrill kommt Boerewors (eine Wurstschnecke), aber auch Strauss, Kudu, Rind, Springbock.

Wussten Sie,

. . . dass es nirgendwo auf der Welt so viele offiziell anerkannte Landessprachen gibt wie in Südafrika? Entsprechend gibt es auch elf unterschiedliche offizielle Landesnamen für Südafrika. . . . dass es in Südafrika Geldautomaten mit Pfefferspray gibt? Banken wehren sich so gegen das "Skimming" - einen unerlaubten Zugriff auf Bankdaten durch eine Manipulation des Bankautomaten.

Wussten Sie,

. . . dass es in Südafrika keine Parkuhren gibt. Dieser Dienst wird noch von Menschen übernommen, die Autofahrer singend und tanzend in die Parklücken lotsen. . . . dass es zwei Arten von Pünktlichkeit in Südafrika gibt. Geschäftlich nimmt man es durchaus genau. Privat aber, kommen Gäste gerne mit Verspätung. Getreu dem Motto: Europäer haben Uhren, Afrikaner haben Zeit.

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