Laut, bunt und kalt: Südafrika-WM mit Vuvuzela und Schal
WM in Afrika - das suggeriert Wärme, Sonne, Exotik. Doch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika dürfte es vor allem so werden: laut, bunt und recht kalt.

Foto © ReutersVuvuzela
Neben lärmigen Plastiktröten werden unweigerlich Schals und Wollmützen zu den Accessoires der Fans gehören. Denn die Spiele finden im Winter der Süd-Halbkugel statt, und das bedeutet in höher gelegenen WM-Städten wie Johannesburg abends Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die FIFA hatte schon beim großen WM-Test, dem Confederations Cup im Juni 2009, auf das große Zittern überraschter ausländischer Fans in den Stadien reagiert. Wärmende Stricksachen gingen an den Verkaufsständen weg wie warme Semmeln. Auch Händler, die an den Zugängen zu den weitläufig abgesperrten Stadien bunte Basotho-Wolldecken anboten, berichteten über glänzende Geschäfte.
Sammlerartikel
Bunt dürfte es ebenfalls hergehen - nicht zuletzt wegen der kreativen Fantasie der Südafrikaner. Kein Kicker-Fan, der etwas auf sich hält, würde dort ohne Schminke, Perücke, übergroße Brille oder Makarapa ins Stadion gehen. Die in Handarbeit aus den Plastikhelmen der Bergarbeiter geschnittenen Kopfbedeckungen der Fans (Makarapas) haben sich bereits heute als Sammlerartikel entpuppt - trotz des Transportproblems bei der Fan-Abreise in den engen Flugzeugkabinen. Der wichtigste Fan-Artikel der WM 2010 dürfte jedoch zweifellos die Vuvuzela sein - eine lange Plastiktröte, die Millionen TV-Zuschauer in aller Welt beim Confed Cup plötzlich entdeckten. Obwohl sich über den gleichbleibenden stundenlangen Hornissen-Ton bereits Trainer und Spieler aus dem Ausland ärgerten, blieb die FIFA auf Kurs. Sie hat eine afrikanische WM versprochen, und die Vuvuzela gehört eben zur Kultur des temperamentvollen afrikanischen Kickers.
Tröten-Fans werden zudem die Qual der Wahl haben, denn die kleine Vuvuzela bekam zwischenzeitlich noch eine große Schwester - die nach einer Großantilope (Kudu) benannte Kuduzela. Anders als die langgestreckte Vuvuzela hat die einem Kudu-Horn nachempfundene Kuduzela eine gewundene Form, die dem Blasinstrument einen besonderen tiefen Klang gibt. Es knüpft an alte afrikanische Traditionen an, bei der in ländlichen Gebieten mit dem dumpfen Klang des Kudu-Horns Versammlungen oder Schlachten einberufen wurden. Den "echten Sound der Savanne" versprechen die Hersteller. Anders als der Klang der massenhaft geblasenen Vuvuzelas würde die im Chor geblasene Kuduzela einer Herde trompetender Elefanten gleichen. Doch auch für die Sensiblen und Geräuschempfindlichen unter den ausländischen Gästen haben sich die findigen Gastgeber vom Kap etwas einfallen lassen. Die African Earplug Company bereitet sich schon auf die Massenproduktion farbenfroher WM-Ohrstöpsel in Vuvuzela-Form vor.
















