Die rot-weiß-roten Kicker können Geschichte schreiben
Österreichs Fußball-Nationalteam begegnet heute zum Abschluss der WM-Qualifikation Frankreich. Ein Gegner, der zu vielen Klischees verleitet.

Foto © GEPADidi Constantini
Die Französische Revolution liegt weit zurück. Zu weit für Österreichs National-Fußballer, die, befragt nach Merkmalen für das Land des heutigen Gegners, die Historie außer Acht lassen. Dabei könnten die rot-weiß-roten Kicker heute ein bisschen Geschichte schreiben, denn ein Erfolgserlebnis in einem vollen Stade de France würde einer kleinen fußballerischen Revolution gleichkommen. Vor 44 Jahren hat zuletzt eine österreichische Auswahl auswärts gegen Frankreich gewonnen.
Das Spektrum der persönlichen Beziehungen zu Land und Stadt (Paris) ist breit gestreut und reicht vom ausgesprochen frankophilen Helge Payer bis hin zum großen Skeptiker Paul Scharner. Der Keeper findet nicht nur Bälle anziehend, sondern auch praktisch alles Französische. Der Urlaub mit Freundin Nathalie - sie ist französisch-belgischer Herkunft - wird alljährlich an der Cote d'Azur verbracht, sein bevorzugter Aufenthaltsort in der Rolle als Torhüter wäre die erste französische Liga und auch der Sprache ist Payer - wenigstens passiv - mächtig.
Indiz für Arroganz
Demgegenüber hat Paul Scharner noch so gut wie gar nichts vom Land gesehen. "Ich kenne nur den Flughafen." Er glaubt aber zu wissen, dass die Franzosen nicht nur stolz, sondern auch überheblich sind, die Fußballer wenigstens. "Sie lassen schon bei jeder Gelegenheit den Star heraushängen." Ein Umstand, den sich Österreich heute zunutze machen könnte, wenn die "Bleus" die rot-weiß-roten Jungspunde allzu gering schätzen. "Es könnte ein Vorteil sein, das ist durchaus möglich", so Scharner. Übrigens bemühen die Kicker in diesem Zusammenhang schon die Geschichte, freilich die jüngste. Sie erinnern daran, dass die Franzosen beim sensationellen 3:1-Erfolg der Österreicher in Wien zum Auftakt der WM-Qualifikation vor einem Jahr den üblichen Leiberltausch nach dem Schlusspfiff verweigerten. Dies wird gleichfalls als deutliches Indiz für Arroganz gewertet.
Der Stolz ist auch für Jakob Jantscher ein Klassiker, während Sturm-Klubkollege Daniel Beichler Paris zuerst als Mode-Metropole betrachtet. "Da bin ich sehr interessiert." Marc Janko gibt, weil er das Land nicht kennt, nur eine sportliche Bewertung ab. "Wir haben jetzt genug Selbstvertrauen, um eine Sensation zu schaffen." Der Stürmer glaubt an einen Sieg. Dann fallen ihm vielleicht nach dem Match für die Gegenspieler ein paar passende Worte aus seinem in fünf Jahren erlernten Schul-Französisch ein. Schließlich sollen Fremdsprachen nicht zur Lieblingsbeschäftigung der Franzosen gehören, wie Didi Constantini meint. Der Teamchef könnte angesichts der Ausgangslage entspannter sein, ist es aber nicht, sondern zeigt sich, als müsste er täglich den Gegenbeweis zum Sunnyboy-Image antreten, so auf das Match fokussiert, als hätte Österreich noch eine WM-Chance. Und er erinnert an einen Auftritt unter Ernst Happel. "Wir haben nicht einmal auf das Tor geschossen."
Stefan Maierhofer und Aleksandar Dragovic sehen sich in der "Stadt der Liebe". Heute dürfen die Österreicher mit den Franzosen ein Tänzchen wagen.
















