Österreich will das unmöglich Scheinende - Punkt in Serbien
in Serbien will das österreichische Fußball-Nationalteam am Samstag (20.30 Uhr/live ORF1) seine Minimalchance in der WM-Qualifikation am Leben erhalten.

Foto © GEPAUmstellung wegen Prödl-Ausfall notwendig
Viel
schwieriger könnte die Aufgabe aber kaum sein. Die Serben gehen als
souveräner Tabellenführer der Gruppe 7 in ihr Heimspiel im Belgrader
Marakana-Stadion in Belgrad - und damit als klarer Favorit. Die
Österreicher dagegen sind "krassester Außenseiter". Dessen ist sich
auch Teamchef Dietmar Constantini bewusst.
Verletzungspech. Zu allem Überfluss muss Constantini auch noch einen Großteil
seiner Stammformation verletzt vorgeben. Die Innenverteidigung etwa,
die Anfang April gegen Rumänien ein 2:1 gehalten hatte, muss zur
Gänze verändert werden. Kapitän Emanuel Pogatetz hatte bereits im
Vorfeld wegen einer Knieverletzung absagen müssen, kurz vor dem
Abflug gesellte sich auch Sebastian Prödl dazu. Der Bremen-Legionär
laboriert an einem Magen-Darm-Virus.
Keine Tränen. "Eigentlich hätte ich die Aufstellung schon im Kopf gehabt",
gestand Constantini. "Aber Nachweinen werde ich sicher nicht. Wir
haben einen Kader, der gut genug ist, und einige Möglichkeiten." Wer
neben dem ins Team zurückgekehrten Abwehrchef Martin Stranzl
verteidigen werde, ließ der Teamchef allerdings offen. "Da werde ich
noch eine Nacht darüber schlafen." Infrage kommen Manuel Ortlechner,
Franz Schiemer und der erst 18-jährige Aleksandar Dragovic.
Wer steht im Tor? Ersatzkapitän Paul Scharner, der das Team anstelle von Pogatetz
erstmals als Kapitän aufs Feld führen wird, will Constantini
jedenfalls nicht aus dem defensiven Mittelfeld in die Abwehr
zurückziehen. Offen ist auch die Tormannfrage. Michael Gspurning, der
sich gegen Rumänien nach einem anfänglichen Fehler zu einem sicheren
Rückhalt entwickelt hatte, scheint gegenüber Alexander Manninger die
etwas besseren Karten zu haben.
Nicht "nur" verteidigen. Eine Defensivtaktik wie unter Constantinis Vorgänger Karel
Brückner ist jedenfalls nicht zu erwarten. "Es wird zwar viel
Defensivarbeit auf uns zukommen, ich bin kein Freund davon, hinten
drinnen zu stehen", betonte der Neo-Teamchef. "Fehler am 16er werden
zumeist mit Toren bestraft. Fehler im Mittelfeld können dagegen
manchmal noch ausgebügelt werden." Gegen Serbien dürfe man sich aber
sowieso so wenig wie möglich davon leisten.
Unbekümmertheit. Im "Hexenkessel" Marakana - lediglich 3.700 der 53.000 Karten
waren Freitagmittag noch im freien Verkauf - setzt Constantini auch
auf die Unbekümmertheit seiner jungen Spieler. "Es wird heiß. Aber
junge Spieler sind in solchen Situationen oft gar nicht gestresster
als ältere", meinte der Tiroler. Heiß wird es im wahrsten Sinne des
Wortes. Tagsüber sind am Samstag in Belgrad 30 Grad vorausgesagt, zur
Beginnzeit immer noch mehr als 25.
Prödl-Ausfall tut weh. Neben Prödl und Pogatetz stehen Constantini verletzungsbedingt
auch György Garics, Christian Fuchs, Marko Arnautovic, Ekrem Dag und
Christoph Leitgeb nicht zur Verfügung. Prödls Ausfall schmerzt
allerdings besonders, hatte er doch die gesamte Woche im Training in
Bad Tatzmannsdorf mit Stranzl die Innenverteidigung gebildet. Zudem
wäre die Stärke des 21-Jährigen bei Standardsituationen - offensiv
wie defensiv - gefragt gewesen.
"Jammern hilft nichts." "Darauf müssen wir uns jetzt einstellen",
erklärte Stranzl. "Das ist eine ganz normale Sache." An vorderster
Front dürften Marc Janko und Erwin Hoffer stürmen, dahinter soll
Scharner das Mittelfeld dirigieren. Erklärtes Ziel ist ein Punkt, der
die Hoffnung auf Südafrika 2010 am Leben erhalten würde. Der Kapitän
schätzte die WM-Chance aber realistisch ein - als sehr minimal. "Das
ist für unser junges Team jetzt auch nicht das Wichtigste", betonte
Scharner. "Es geht um die Entwicklung."
















