Der Wettbetrug warf 1,6 Mio. Euro ab
Den vier deutschen Angeklagten Nürettin G., Tuna A., Stefan R. und Kristian S. wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Sie sollen in die Manipulation von 32 Partien verwickelt sein.

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Aus dem Dunkel des Zockermilieus ans Licht der Öffentlichkeit - begleitet von großem Medienrummel hat in Bochum am Mittwoch der erste Prozess im größten Wettskandal des europäischen Fußballs begonnen. Nach ersten juristischen Muskelspielen der Verteidiger gewährte allein die Verlesung der Anklageschrift Einblicke in die mafiösen Strukturen der Szene. Dennoch begann der Prozess nur schleppend. Ein Umstand, der vor allem der Verteidigung zu verdanken war. Deren Anträge auf Einstellung des Verfahrens wegen fehlender Zuständigkeit des Bochumer Landgerichts wurden jedoch zurückgewiesen. Befangenheitsanträge gegen das Gericht sind noch nicht entschieden. Für den Prozess sind noch vier Verhandlungstage bis zum 28. Oktober vorgesehen. Noch sind keine Zeugen geladen. Zunächst will das Gericht die Aussagen der Angeklagten abwarten. Nächster Verhandlungstermin ist der 14. Oktober.
Spiel-Manipulation
Den vier deutschen Angeklagten Nürettin G., Tuna A., Stefan R. und Kristian S. wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Sie sollen in die Manipulation von 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz sowie je einer Partie der Europa League und der U21-EM-Qualifikation verwickelt sein. Bei einem Einsatz von 370.000 Euro wurden angeblich Gewinne in Höhe von maximal 1,6 Millionen Euro erzielt. Die Anklage gleicht einem Tagebuch systematischer Spiel-Manipulation. In rasanter Folge soll käuflichen Sportlern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären Bargeld zugesteckt worden sein, um anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Die höchste Summe soll der Unparteiische der U21-Partie zwischen der Schweiz und Georgien (18. November 2009) erhalten haben: 60.000 Euro.
Einen hohen Gewinn verbuchten Nürettin G. und Tuna A. laut Anklageschrift bei Wetten auf das Europa-League-Spiel des FC Basel gegen ZSKA Sofia. Allein diese Partie, bei der ein Schiedsrichter mit 50.000 Euro bestochen worden sein soll, brachte dem Duo demnach einen Gewinn von mehr als 200.000 Euro ein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die regionalen Zuständigkeiten innerhalb der Bande genau aufgeteilt waren. Sobald Spieler bestochen waren, sollen zum Teil Drohkulissen aufgebaut worden sein. So soll einem Spieler des Regionalligisten SC Verl mitgeteilt worden sein, dass er bereits beim Training beobachtet und später wiedererkannt werde, wenn er die Absprachen nicht einhalte.
Die Aussicht auf ein geringeres Strafmaß hat etwa Nürettin G., aber auch andere im Wettskandal Verdächtigte offenbar zu Aussagen verleitet. "Die Jungs quasseln um ihr Leben. Die wollen retten, was zu retten ist", sagte Reinhard Peters, Rechtsanwalt des Mitangeklagten Tuna A. Nach Einschätzung von Meggers steht sein Mandant mit seinen Aussagen nicht allein da: "Die reden doch jetzt alle." Mit dem Prozessbeginn in Bochum sind die Untersuchungen aber noch lange nicht abgeschlossen. Nach Aussagen von Staatsanwalt Andreas Bachmann sind noch immer 15 Ermittler im Einsatz. Bachmann erhöhte die Zahl der in Verdacht stehenden Partien von 270 auf 300: "Die Dimensionen sind noch nicht abzusehen."





















