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Zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 um 15:37 UhrKommentare

Tatort Steiermark: Wettskandal und kein Ende

Einer der Drahtzieher enthüllt: Graz war die Drehscheibe für die Wettbande. Hier saß der Mann, der in Asien die Wetten platzierte und kräftig mitkassierte. Sein "Branchenname": Tommy Li.

Der Wettskandal hält Fußball-Europa in Atem

Foto © Kleine Zeitung DIGITAL-Montage: Bauer/KLZ, Reuters, APDer Wettskandal hält Fußball-Europa in Atem

Von 200 Spielen in Europa war die Rede. So viel sollen es gewesen sein, die manipuliert wurden. Von der Wettmafia, um hohe Gewinne einzustreichen. Zoran kann darüber nur lächeln. "In Wahrheit", sagt er, "waren es viel mehr." Auch in Österreich. 50 Spiele, schätzt er, werden es schon gewesen sein. Zoran, knapp 40 Jahre alt und aus Hamburg, kennt sich aus in Österreich. Schließlich hatte er sich im "Wettreich" von Ante Sapina, wie schon 2006 beim ersten Wettskandal der Drahtzieher, hinaufgearbeitet - und war deswegen oft in der Steiermark. Warum? "Weil in Graz alle Wetten platziert wurden. Hier saß der Mann mit den Kontakten zu den asiatischen Buchmachern." Bei Sapina liefen zwar alle Drähte der Spielmanipulationen zusammen, in Graz jene der Buchmacher aus Asien.

Zoran kennt den "echten" Namen des Angesprochenen, ebenso wie seinen Namen in der Branche: "Tommy Li". Weil, so erklärt der Serbe, "Tommy so einen guten Draht nach Asien hatte. Deshalb nannten sie in Li." Und weil es auch einen zweiten Thomas im Geschäft gab. Auch ein Österreicher, der zwischen Graz und Wien pendelte. Er trägt den Spitznamen "Tommy Tiger" und arbeitete zuerst mit Tommy Li zusammen. "Jetzt verstehen sie sich aber nicht mehr", sagt Zoran. Müssen sie auch gar nicht, schließlich ist der Markt groß genug. Unmengen von Geld habe er in der Grazer Wohnung von Tommy Li gesehen bei seinen besuchen: "So drei, vier Millionen Euro sind da schon am Tisch gelegen." Deponiert von denen, die gerne richtig hohe Einsätze gespielt haben. In Europa nicht möglich, in Asien sehr wohl.

Das Prozedere

Das war der Job von Tommy Li. Die ersten fünf Mal, erklärt Zoran, muss man das Geld in bar vorbeibringen, das dann verwettet wird. "Wenn da alles funktioniert, brauchte man das nicht mehr. Dann wurde ein Betrag hinterlegt, mit dem gearbeitet wurde. Und alle 14 Tage wurde abgerechnet. Bist du im Plus, schickt Tommy einen Boten, bist du im Minus, musst du Geld abliefern." Wer nicht zahlte, machte auch Bekanntschaft mit den asiatischen Schlägern des Grazers, erzählt Zoran, aber: "Nicht bei Ante Sapina. Wir hatten einen Sonderstatus." Trotzdem mussten auch sie zahlen: "Tommy nahm von einem etwaigen Gewinn fünf Prozent. Ging die Wette nicht auf, bekam er drei Prozent vom Einsatz. Und weil man fair ist, sagt man ihm auch, ob die Wette gestellt (das ist eine Wette auf ein manipuliertes Spiel, Anm.) ist. Dann hat er selbst auch noch darauf gesetzt." Zoran lächelt, er wundert sich nur über eines: "Wie Tommy das ganze Geld an der Steuer vorbeigebracht hat."

Zoran erzählt, dass sich Tommy Li selbst nur selten um Manipulationen gekümmert habe, nur ein paar Spiele der ersten Liga habe er gestellt. "Viel lieber war er im Tennis unterwegs. Da ist es ja auch einfacher, weil man nur einen bestechen muss", sagt Zoran. Im Fußball sei das schwieriger: "Wenn du einen ganz bestimmten Spielverlauf haben willst, dann brauchst du von jeder Mannschaft sieben Spieler, die mitmachen", erklärt er. Gesucht wurde überwiegend bei Legionären aus dem Balkan-Raum: "Über die haben wir alle Informationen eingeholt: Welche Freunde hat er, welchen Umgang, welche Hobbys, ist er verschuldet, etc., etc. Dann sind sie angesprochen worden, wurde Geld geboten." Falls einer ablehnte, gab es andere Druckmittel: "Bei Serben baten wir in Belgrad um Hilfe - nach einem Anruf haben sie auch mitgemacht."


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Die Runningball Sports Information GmbH in Graz hat 60 Beschäftigte. Geschäftsführer ist Gerhard Pittner, bis Ende Oktober war auch Thomas Gross Geschäftsführer.

Gross wechselte als Verwaltungsrat zur Mutter der GmbH, swe Runningball AG in die Schweiz, ebenfalls im Besitz von Gross und Pittner.

Die Runningball AG steht im Besitz einer Holding, einziger Zeichnungsberechtigter ist ein gewisser Daniel Marti - er erfüllt diese Rolle in mehr als 100 Firmen in der Schweiz.

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