"Österreichs Liga zu klein für Betrug"
Uefa bittet nach Genf, um Verbände über den Wettskandal in Kenntnis zu setzen. Wie hängt Österreich mit drin?

Foto © GEPA/Montage KLZ DIGITALAnwalt Matthias Strampfer glaubt nicht, dass in Österreich Spiele manipuliert wurden
Kommt am Mittwoch endlich ein bisserl Licht ins Dunkel? Die Uefa jedenfalls bittet im Zuge des europäischen Wettskandals in ihr Hauptquartier nahe Genf, um dort Vertreter der betroffenen Verbände über das weitere Vorgehen rund um die Spekulationen um manipulierte Spiele zu informieren.
Österreich, das bekanntlich elf der insgesamt 200 unter Verdacht stehenden Partien "beigesteuert" haben soll, wird morgen durch ÖFB-General Alfred "Gigi" Ludwig und seitens der Bundesliga durch Juris Christian Ebenbauer vertreten sein. "Derzeit schwirren zahllose Gerüchte durch die Öffentlichkeit und den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Wir erwarten uns daher die Vorlage von Fakten, denn auf Basis von Vermutungen können wir nicht handeln", sagt Ludwig. "Darüber hinaus hat unsere Rechtsabteilung bereits um Einsicht der Akten bei der Staatsanwaltschaft Bochum angesucht."
Aus Verdächtigungen sollen Gerüchte werden
"Ich glaube nicht, dass wirklich etwas herauskommen wird", meint indes der steirische Anwalt Matthias Strampfer, der seinerzeit den ebenfalls (angeblich) in einen Wettskandal involvierten Sturm-Trainer Mischa Petrovic und Spieler Bojan Filipovic vertreten hatte. "Österreichs Liga", glaubt der Advokat, "ist zu klein und zu wenig kalkulierbar, um sichere Ergebnisse zu garantieren. Die elf angeblich manipulierten Partien werden sich unterm Strich als Gerüchte entpuppen."
Gewettet würde bei einem derart riesengroß angelegten Betrug nämlich vor allem auf "sichere" Partien mit gar keinen so hohen Quoten. "Um viel geht's dann erst durch das Zusammenlegen der einzelnen Spiele, die so genannten Kombiwetten. Da versucht man, den ,sicheren' Ausgang durch Bestechungsgelder zu unterstützen. Aber wirklich sichere Partien gibt es bei uns nicht."
Sportminister Norbert Darabos plädiert unterdessen für "härteste Strafen" im Wettskandal. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, sollten involvierte Vereine aus dem Spielbetrieb der laufenden Meisterschaft ausgeschlossen werden. Der Minister sieht einerseits eine "kriminelle Energie am Werk", andererseits dürfe man "das Kind nicht mit dem Bade ausschütten."
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Eine Rüge für Basler
DFB-Boss Theo Zwanziger sprach in einer Pressekonferenz von einem deutschen Trainer der oberen Ligen, der "zur Raison gerufen" werden musste, weil er im DFB-Pokal auf sein Team wetten wollte. Auf Nachfrage der Journalisten nennt er den Namen: "Sie werden es ja eh recherchieren, es handelt sich um Mario Basler." Den Ex-Teamspieler und jetzigen Trainer von Eintracht Trier.
Festnahmen in Italien
In der Schweiz ist nach dem FC Thun, der den Stürmer Omar Faye gesperrt hat, ein weiterer Verein von Ermittlungen betroffen. Zweitligist Gossau hat seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni suspendiert. In Italien ist es zu neun Festnahmen gekommen, darunter Giuseppe Postiglione von Drittligist Potenza SC. Die Staatsanwaltschaft wirft den Festgenommenen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Wettbetrug vor. Potenzas Antimafia-Staatsanwalt Basentini ermittelt in 20 weiteren Fällen.


















