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Zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 um 21:59 UhrKommentare

Sieg oder Niederlage: Die Mafia entscheidet

Der kanadische Journalist Declan Hill deckte die Methoden der internationalen Sportwetten-Mafia auf.

Foto © keki - Fotolia.com

Im Englischen wird die erlösende Injektion eines Süchtigen gerne mit "the fix" bezeichnet. Das Wort klingt nach Erleichterung und Erlösung. Doch es steht für eine Abwärtsspirale, an deren Ende eine leere, ausgebrannte Hülle übrig bleibt.

Als der kanadische Journalist Declan Hill im vergangenen Jahr sein Buch "The fix - soccer and organized crime" (dt. "Sichere Siege: Fußball und organisiertes Verbrechen oder wie Spiele manipuliert werden") veröffentlichte, schlugen die Schockwellen bis nach Asien. Dorthin wo die großen "Fixer" saßen, die Wettpaten die mit ihrem Handlangern unter den Spielern, Trainer und Schiedsrichtern immer neues Geld in den kranken Körper pumpten. Er gehörte dem internationalen Fußball.

Der Kontakt

Über 90 Prozent aller Spieler in asiatischen Top-Ligen sollen zu diesem Zeitpunkt manipuliert sein sollen, schätzt Hill, der über Monate hinweg Kontakt zur asiatischen Wettmafia aufbaute.

Das Prinzip blieb immer gleich. Über so genannte "Runner" ("Läufer"), oft ehemalige Spielern, traten die Wettpaten mit den Teams in Kontakt. "Du brauchst zwei, drei Spieler pro Mannschaft. Einen Stürmer, den Spielmacher und den Tormann. Das reicht völlig", zitiert Hill einen Informanten der vor allem Spiele in der asiatischen Superliga und der vietnamesischen Liga manipulierte. In China trat am 2. Oktober 2004 die Mannschaft von Peking Hyundai mitten in einem Spiel ab, weil der Schiedsrichter per Elfmeter ganz offensichtlich einen Sieg der Hauptstädter verhindern wollte. Eine Sportzeitung kam am Ende zum Schluss, dass für "100.000 Dollar jeder gewünschte Ausgang eines Spiels gekauft werden kann". Der oberste chinesische Schiedsrichter Gong Jiangping starb kurz nach einem Geständnis und seiner Verhaftung im Gefängnis. Ihm war Amnestie versprochen worden.

Das Krebsgeschwür wucherte schließlich nach Europa. Hier wurden die Taktiken verfeinert, wie Hill verblüfft feststellt: "Spieler die manipulierten erhielten weniger Verwarnungen und Platzverweise und verursachten weniger Elfmeter." Die Erklärung war so simpel wie logisch: Nur Spieler, die auf dem Platz bleiben, können bis zum Ende das gewünschte Resultat sicherstellen.

Goldgrube Osteuropa

Vor allem die Ligen in Osteuropa gelten heute als wahre Goldgruben für die Fixer - ab 200 Euro sollen etwa in Mazedonien einschlägige Informationen über Spielausgänge zu haben sein. "Manchmal reicht es dort, einen einzigen Spielerzu kaufen. Er hält den Ball im Mittelfeld, oder spielt ihn immer wieder in die Defensive. Sicherer kann man ein Spiel gar nicht mehr gewinnen", wurde Hill nach entsprechender Anfrage versprochen. Auch wenn inzwischen der Weltverband Fifa und die europäische Uefa reagiert haben, werden die Fixer dreister: Offen wurde etwa die Spieler Ghanas vor Großereignissen auf ihre "Kooperationsfähigkeit" abgeklopft. Bis zu 30.000 Dollar wurden laut Hill Kicker für den gewünschten Spielausgang geboten.

Die 17 Festnahmen und 50 Hausdurchsuchungen im aktuellen europäischen Fall, in den auch ein deutscher Schiedsrichter verwickelt sein soll, legen dagegen nur die Spitze eines Eisberges frei, dessen Größe noch nicht abzuschätzen ist.

Als die Behörden und Verbände in den vergangenen drei Jahren begannen, die europäischen Top-Ligen auf Manipulationen abzuklopfen, gingen die Hintermänner nicht auf Tauchstation, im Gegenteil: 2005 wurden erstmals Manipulationen an osteuropäischen U17-Spielen festgestellt.


Wussten Sie...

... dass die meisten Wettbüros ein Gewinnlimit pro Wette setzen, um sich vor schweren Verlusten zu schützen, aber auch, um Wettbetrug zu unterbinden. Der Höchstgewinn liegt in der Regel zwischen 10.000 und 50.000 Euro je Wette.

... dass der britische Wettanbieter Williams Hill für das Spiel zwischen Liverpool und Manchester City ) neben dem richtigen Tipp 1, X oder 2 exakt 178 Zusatzwetten angeboten hat.

... dass 1995 der englische Fußballer Matthew Le Tissier 10.000 Pfund auf sich selbst gewettet hat - auf den ersten Einwurf in der Partie zwischen Southampton und Wembley in den ersten 60 Sekunden. Ein Teamkollege streckte sich jedoch nach Kräften und verhinderte den Einwurf. Wette geplatzt.

Foto

Foto © APA

Declan Hill Foto © APA

Wussen Sie...

... dass man während der Fußball-Europameisterschaft darauf wetten konnte, dass Österreich die Euro gewinnt und DJ Ötzi in derselben Woche einen Nummer-eins-Titel in den österreichischen Charts hat - Quote 350:1.

... dass viele Internet-Wettanbieter ihren Firmensitz in sogenannten Steueroasen wie Malta oder Gibraltar haben, da sie dort nur vergleichsweise geringe Abgaben zahlen müssen.

... dass bet-at-home.com offizieller Partner der Handball-EM 2010 in Österreich ist. Real Madrid hat erst kürzlich den Sponsorvertrag mit dem österreichischen Sportwetten-Anbieter bwin um drei Jahre bis 2013 verlängert - für kolportierte 20 Millionen Euro.

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1 1 2 1 3 1 4 1 5 X 6 2 7 2 8 2 9 X 10 X 11 1 12 1

Ergebnisse 20. Runde vom 19.05.2013, alle Angaben ohne Gewähr.



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