Wettskandal: Europas Fußball im Zwielicht
Ein Wettskandal von unvorstellbar großer Dimension: Mehr als 200 Spiele sollen in Europa manipuliert worden sein - auch in Österreich. Elf Bundesliga-Partien sollen allein 2009 betroffen sein.

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Fußball-Europa steht unter Manipulationsverdacht oder wenigstens ein erklecklicher Teil davon. Der Kontinent wird von einem neuen Wettskandal erschüttert, es geht um weitverzweigten Betrug in großem Stil und Österreich liegt mittendrin. In neun Ländern sind mehr als 200 Spiele ins Visier der Ermittler geraten, bei denen es seit Anfang dieses Jahres nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Laut der mit den Untersuchungen betrauten Staatsanwaltschaft in Bochum sind in der Alpenrepublik elf Spiele der Bundesliga betroffen, mit hochaktuellem Bezug, denn alle sind im Jahr 2009 über die Bühne gegangen. Namen von Klubs oder Personen wurden bisher nicht genannt, aus ermittlungstechnischen Gründen, wie es heißt.
Telefonüberwachung
Konkrete Beweise sind bisher ebenfalls nicht veröffentlicht worden, doch die Telefon-Überwachung dürfte den Behörden mehr als nur Verdachtsmomente geliefert haben. Insgesamt gab es bisher 17 Festnahmen, 15 davon in Deutschland. Eine betrifft den schon in den Manipulationsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer als Drahtzieher verurteilten Ante S. Hausdurchsuchungen gab es ebenfalls, vier davon in Österreich (drei in der Steiermark, eine in Niederösterreich), zu Verhaftungen ist es hier aber bisher nicht gekommen. Peter Limacher, Experte der UEFA für Bekämpfung von Spielmanipulation, kannte bei einer Beurteilung keine Zurückhaltung. "Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball je gegeben hat." Insgesamt gibt es mehr als 200 Tatverdächtige, die nach Mitteilung der Bochumer Polizei Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle bestochen haben sollen, um Matches in ihrem Sinn zu gestalten. Dann wurden den einschlägigen Informationen zufolge hohe Geldbeträge bei europäischen und südostasiatischen Wettanbietern gesetzt.
Akteneinsicht
Das in Österreich nach der Hoyzer-Affäre eingeführte Frühwarnsystem zeigte keine Auffälligkeiten, allerdings versagt dieses Warninstrument bei den in den letzten Jahren immer beliebter gewordenen Live-Wetten, wie Gerhard Kapl, Chefankläger der UEFA und in Österreich Vorsitzender der für Manipulations-vorbeugung zuständigen Task Force, erklärt. Am kommenden Mittwoch wird der ÖFB unter der Führung von Generaldirektor Gigi Ludwig am Sitz der UEFA in Nyon Einsicht in die Unterlagen nehmen. Dann könnten nähere Details bekannt werden.
Laut Insidern werden für internationale Spiele an die 500.000 Euro bezahlt, Beträge also, wo Vereine echte Sanierungsmaßnahmen durchführen können. Der bisher festgestellte Schaden beläuft sich nach Angaben der deutschen Behörden auf mindestens zehn Millionen Euro. Unter den verdächtigen Partien befinden sich drei Spiele der Champions League, zwölf Matches der Europa League und ein Qualifikationsspiel zur U-21-Europameisterschaft.
Die Folgen könnten, abgesehen von Haftstrafen für gefasste Betrüger, vor allem auf sportlicher Ebene gravierende sein. Klubs, die überführt werden, müssen mit langjährigen Sperren rechnen, die Auswirkungen auf die europäische Fußball-Landschaft sind derzeit noch nicht absehbar. Allerdings müssen konkrete Beweise vorliegen, und das ist in diesem Metier eher schwierig.






















