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    Zuletzt aktualisiert: 17.05.2012 um 05:10 UhrKommentare

    Wir sind Bundesliga

    Durch den Höhenflug der Fußballer des WAC rückt das Lavanttal ins mediale Interesse. Wo liegen die Stärken und Schwächen des Tales und welche Eigenheiten kennzeichnen die mehr als 60.000 Einwohner? Eine subjektive Einschätzung.

    Schätze und Prominente des Lavanttals (von links oben): das Benediktinerstift St. Paul, Ehrenbürger Maximilian Schell, der Most, Christine Lavant, WAC-Star Jacobo, die Papierfabrik in Frantschach, das Heil- und Mineralwasser Preblauer, die Bezirksstadt Wolfsberg und die Drei-Hauben-Köche Josef senior und junior Trippolt

    Foto © MontageSchätze und Prominente des Lavanttals (von links oben): das Benediktinerstift St. Paul, Ehrenbürger Maximilian Schell, der Most, Christine Lavant, WAC-Star Jacobo, die Papierfabrik in Frantschach, das Heil- und Mineralwasser Preblauer, die Bezirksstadt Wolfsberg und die Drei-Hauben-Köche Josef senior und junior Trippolt

    Es gibt sie noch bei uns. Die blühenden Obstgärten, die wogenden Getreidefelder, die ausgedehnten Spargelfelder und Weingärten, die sanften Almen, die stillen Wälder, die friedvollen Dörfer.

    Was sind schon seichte Small Talks der Schickeria bei einer Fete Blanche am Pörtschacher Monte-Carlo-Platz gegen einen Spaziergang vom Schloss Lichtengraben in Bad St. Leonhard vorbei an der Burgruine Pain zum Gsundbründl in Theißing oder eine zünftige Jause in einem Buschenschank am Fuße der Koralpe? Und wenn dann dort die Sängerrunde "Mei Lavanttal, mei Paradies" anstimmt, dann weiß ich, was Heimat ist. Da komm ich her, da sind meine Wurzeln.

    Schaffenskraft

    Immer wieder störten Kriege und Fehden den Frieden des Tales, suchten Hochwasserkatastrophen und Brände die Siedlungen entlang der Lavant heim. Diese schicksalhaften Unbilden aber machten die Bevölkerung stark. Vielleicht auch ein wenig stur und eigensinnig. Aber auf jeden Fall heimatverbunden und mit einer großen Portion Schaffenskraft.

    Immerhin schaffte man den wirtschaftlichen Strukturwandel aus den Eisen und Holz verarbeitenden Betrieben der Vergangenheit in neue und zukunftsorientierte Wirtschaftsunternehmen, von denen einige Niederlassungen internationaler Konzerne sind. Beispiele gefällig?

    Die Mondi Frantschach GmbH ist längst zu einem Fixpunkt der Kärntner Industrie aufgestiegen. Oder die Firma Geislinger in Bad St. Leonhard, die sich zum Markt- und Innovationsführer in der Herstellung von Kupplungen für Diesel- und Gasmotoren etabliert hat. Das Familienunternehmen Leonhard Müller & Söhne in Wolfsberg fertigt seit über 300 Jahren hochwertige Handwerkzeuge. Der Anlagenbauer Kresta mit seinem Headquarter in St. Andrä ist in Sachen Innovation weltweit federführend. Und dabei ist die Aufzählung bei Weitem noch nicht vollständig.

    Vermarktung

    Auch in Sachen Tourismus hat sich viel getan, wenngleich sich das Lavanttal nie zum Massentourismuszentrum hochschrauben wird können. Daran werden auch äußerst fragwürdige Marienerscheinungen nichts ändern. Der Verein "Mostbarkeiten" zeigt es wesentlich erfolgreicher vor, wie bodenständig regionale Vermarktung erfolgen kann.

    Das ist die eine Seite. Die Lavanttaler haben und hatten es nicht leicht. Sie litten lange an einem Minderwertigkeitskomplex. Manche tun es immer noch. Sie glauben, dass andere auf sie herabblicken, fühlen sich unterprivilegiert, neigen zum Tschentschen und Jammern.

    Sie meinen, dass sie vom Zentralraum benachteiligt werden, sind überzeugt, viel weniger Einfluss auf wirtschaftliche und politische Entscheidungen im Land zu haben als andere Landesteile. Und sie vermissen zwischen Kor- und Saualpe jedwede Weltläufigkeit und Modernität. Die Raunzer, Skeptiker und Kritiker sind allgegenwärtig.

    Neidvoll schauen sie über die Landesgrenzen zu den steirischen Nachbarn und haben oft das Gefühl, dass für den Rest ihrer Landsleute Kärnten am Griffner endet. Sie fühlen sich aufgerieben zwischen Graz und Klagenfurt. Sie haben keinen im ewigen Eis gehüllten Großglockner, keinen tiefblauen Wörthersee, keinen steinernen Lindwurm und keinen felsigen Ulrichsberg. Haben keinen Franz Klammer, keine Ingeborg Bachmann, keinen Peter Turrini oder Udo Jürgens.

    Stattdessen stehen sie bei den Zahlen der arbeitslosen Frauen in Kärnten im vorderen Drittel, haben ein Heer von Arbeiterinnen mit Mindesteinkommen, Kleinrentner und Sozialhilfeempfänger. Nicht zu vergessen die vielen Pendler, die jeden Tag in andere Landesteile müssen, um Arbeit zu finden.

    Dialekt

    Die Bevölkerungsprognose bis 2031 signalisiert auf der einen Seite einen starken Rückgang der unter 20-Jährigen, auf der anderen Seite eine sehr starke Zunahme der älter als 65-Jährigen. Und dann noch der Dialekt, den man sein Leben lang nicht los wird, auch wenn man sich noch so um das Schriftdeutsche bemüht. Das Fass zum Überlaufen bringt das Ganze noch, wenn man ob seines Dialektes in Wien mit einem Weststeirer verwechselt wird. Natürlich werden wir nie mit den angrenzenden Ballungszentren mithalten können. Aber unsere Chancen liegen in der Positionierung als Wohn- und Lebensraum zwischen dem Ballungszentren Klagenfurt und Graz.

    Denn nirgends lässt es sich so schön leben wie im Lavanttal. Hier ist die Welt noch in Ordnung und die Menschen fühlen sich sicherer als anderswo. Auf jeden Fall haben wir Lavanttaler keinen Grund, uns in Selbstmitleid zu baden und uns einen Minderwertigkeitskomplex einzureden.

    Und wem es doch mal zu eng ist, für den haben sie uns die A2 gebaut. Ach ja! Und noch etwas, das Balsam auf unsere oft geschundene Lavanttaler Seele ist: Wir sind Bundesliga!

    Typisches aus dem Lavanttal

    Stift St. Paul

    Eine der umfangreichsten Kunstsammlungen Europas verleiht dem Stift zurecht das Prädikat "Schatzhaus Kärntens". Seit der Gründung 1091 leben und wirken hier die Benediktiner.

    Christine Lavant

    Die Autorin aus St. Stefan zählt zu den großen Lyrikerinnen Österreichs. 1970 mit dem Staatspreis für Literatur ausgezeichnet, war Lavant, die eigentlich Habernig hieß, bereits zu Lebzeiten eine Legende.

    Maximilian Schell

    Oscar-Gewinner Maximilian Schell ist Ehrenbürger von Preitenegg. Immer wieder zieht es ihn auf den elterlichen Berghof. Hier drehte er den Film über das Leben seiner verstorbenen Schwester Maria.

    Lavanttaler Most

    Der Most ist das traditionsreichste Produkt des Lavanttals. Er wird aus den verschiedenen Apfelsorten (die bekannteste heißt Lavanttaler Banane) vergoren und weist einen geringen Alkoholgehalt auf.

    FRANZ HOLLAUF

    Mondi Frantschach

    Mondi Frantschach hat sich zu einer der modernsten Papierfabriken der Welt entwickelt. Der Mitarbeiterstand liegt bei 470. Jährlich werden rund 1,2 Millionen Festmeter Holz verarbeitet.

    Preblauer

    Das Preblauer Wasser war schon zur Monarchiezeit eines der bekanntesten Mineral- und Heilwässer Europas. Das Unternehmen befindet sich im kleinen Ort Prebl.

    Die Bären

    Das Restaurant "Zum Bären" in Bad St. Leonhard ist eines von nur vier Drei-Hauben-Lokalen in Kärnten und hat einen Michelin-Stern. Die Köche heißen Josef und Josef Trippolt.

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