Wie zerrissen ist der WAC?
Dem WAC fehlen nur noch ganz wenige Schritte zum Aufstieg in die Fußball- Bundesliga. Und die Diskussion, dann ins EM-Stadion nach Klagenfurt zu ziehen, ist nicht mehr zu überhören. Was spricht dafür, was dagegen?

Foto © GEPA
Das spricht für die WAC-Spiele im EM-Stadio Klagenfurt...
Fährt man in London zum Fußball, kann es schon sein, dass man eineinhalb Stunden im Auto oder in der U-Bahn sitzt. Vielleicht hinkt der Vergleich. Weil Wolfsberg ja nicht London und der WAC nicht Arsenal oder Chelsea ist.
Aber von Wolfsberg nach Klagenfurt fährt man 35 Minuten. Und die sind zumutbar. Vor allem angesichts jenes Stadions, das in Klagenfurt steht und vor sich hin korrodiert. Klagenfurt hätte nämlich ein piekfeines Stadion, das sämtliche Stückerln spielt. Während die Lavanttal-Arena in Wolfsberg dem Vernehmen nach im Lizenz-Verfahren nur unter Auflagen den Sanktus der Bundesliga bekommen dürfte. Was hindert den WAC also, zu- mindest gegen Rapid und Sturm, gegen die Austria und Salzburg alleine schon unter dem Aspekt der Sicherheit in Klagenfurt zu spielen?
Und würde der WAC beim Land Kärnten um entsprechende Förderungen vorstellig werden, dann muss das Stadion Klagenfurt sowieso eine der Auflagen sein. Das EM-Stadion hat den Steuerzahler schon ein Vermögen gekostet. Warum soll er für ein zweites Stadion eine halbe Autostunde entfernt noch einmal zahlen?
Mag sein, dass sich der Klagenfurter mit einem WAC erst anfreunden wird müssen. Aber sehr schnell werden hier um einiges mehr Zuschauer sitzen, als in Wolfsberg. Und letztlich spielt der WAC spätestens in der Bundesliga nicht nur für sich und für Wolfsberg. Er spielt dort für Österreichs Image. Auch wenn zu dem ein Fußballplatz wie jener im Lavanttal oft besser passen würde.
... und das spricht für Bundesliga in der Lavantall-Arena Wolfsberg
Klagenfurt hat zweifellos das schönste Fußballstadion Österreichs. Angeblich gibt's dort auch sehr gute Bratwürste. Reicht das aber aus, um seine Wurzeln aufzugeben? Nein! Nicht nur deshalb, weil man auch in der Lavanttal-Arena keinesfalls verhungert.
Der WAC hat seine Höhenflüge in Wolfsberg gefeiert und dort sollen auch die Bundesliga-Heimspiele ausgetragen werden.
Denn der typische WAC-Zuschauer (Ende 50, oft skeptisch, leicht grantelnd, aber patriotisch, wenn sein Team gewinnt) sieht es nicht gerne, wenn an seinem gewohnten Umfeld gerüttelt wird. Er hat seit Jahrzehnten den gleichen Abo-Sitzplatz und stimmt sich am Stammtisch auf das Spiel ein. Auch mit eventuellen Gratis-Bussen wird man die Masse der heimischen Zuschauer nicht nach Klagenfurt locken können. Auf der anderen Seite fehlt der nötige Bezug der Menschen außerhalb des Lavanttals am WAC, um das Wörthersee-Stadion zu füllen.
Der WAC hat ein Potenzial von etwa 5000 Zuschauern. Wie die Stimmung in einem Stadion mit einer Kapazität von 32.000 Plätzen sein wird, kann man sich vorstellen. Es ist naiv zu glauben, dass das Interesse am WAC steigt, nur weil Sturm oder Rapid zu sehen sind.
Ein gutes Beispiel, dass auch in der Provinz Großes entstehen kann, ist Ried. Die Stadt mit 11.000 Einwohnern (Wolfsberg: 25.000) hat sich als Bundesliga-Fixgröße etabliert. Sicher, es bedarf noch Korrekturen, um die Lavanttal-Arena fit zu machen. Aber lieber Geld in einen Umbau stecken, als die Seele des Vereins zu verkaufen.
Die Rechnung würde man spätestens dann präsentiert bekommen, wenn der WAC einmal nicht mehr in der Bundesliga spielt.
Features
Bundesliga-Auflagen...
Im Lizenzierungshandbuch der Fußball-Bundesliga sind im Kapitel 7.4 die Kriterien für ein Stadion genau festgelegt. Punkt 7.4.1 "Stadion - Definition & Standort" - Das Stadion muss sich in der Gemeinde des Vereinssitzes oder im unmittelbaren Umland, höchstens 20 km Luftlinie entfernt, befinden.
- Nennung & Nutzung eines Ausweichstadions sind jedoch für einzelne Spiele möglich. Dieses muss sich im Gebiet des jeweiligen Landesverbandes oder maximal 100 km Luft- linie entfernt befinden. Es muss im Lizenzantrag als ein solches genannt werden.
... Lizenzverfahren
Lizenzerteilung. Bis 30. April fällt der Bundesliga-Senat V in erster Instanz die Entscheidung, ob die Lizenz erteilt wird oder nicht. Die Lizenz kann Auflagen enthalten, die aber eine Teilnahme am Spielbetrieb nicht verhindern. Verweigerung. Wird die Lizenz nicht erteilt, kann der Verein binnen zehn Tagen Protest einbringen. Das Protestkomitee entscheidet innerhalb von weiteren fünf Tagen. Wird auch hier die Lizenz verweigert, steht dem betroffenen Klub noch der Weg zum Neutralen Schiedsgericht offen.




















