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Zuletzt aktualisiert: 15.07.2012 um 09:18 UhrKommentare

Jauk: "Das Raunzen hat aufgehört"

Warum der SK Sturm auch abseits des Feldes absolute Top-Transfers getätigt hat - und was noch zu tun ist: Präsident Christian Jauk im Gespräch.

Sturm-Präsident Christian Jauk

Foto © KLZ | HoffmannSturm-Präsident Christian Jauk

Die Mannschaft ist nach Aussage des Trainers für die neue Saison gerüstet. Sie auch?

Christian Jauk: Es geht nicht um den Präsidenten. Wir haben ein hervorragendes Vorstands- und Aufsichtsratsteam, das in den letzten Monaten hart gearbeitet hat, damit wir unsere anvisierten Ziele erreichen können.

Wie sehen diese Ziele aus?

Jauk: Zu aller erst: Wir haben eine Deckungslücke in Millionenhöhe für die kommende Saison übernommen. Die müssen - und können - wir abbauen.

Was heißt "in Millionenhöhe"?

Jauk: Wir reden hier von rund drei Millionen Euro.

Und wie soll diese Lücke geschlossen werden?

Jauk: Wir dürfen nur so viel ausgeben, wie wir einnehmen. Das heißt, die Kosten werden angepasst. Wir müssen das Sponsoring erhöhen, auch wenn das Marktumfeld nicht günstig ist. Und wir müssen die Attraktivität der Marke Sturm Graz stärker herausarbeiten. Ich betone aber: Sturm Graz ist schuldenfrei. Und das ist sensationell - wir sitzen hier auf einem schuldenfreien Trainingszentrum.

Das klingt in der Theorie gut - wie sieht es mit den Maßnahmen aber in der Praxis aus?

Zitiert

"Sturm Graz ist sicher der emotionale Höhepunkt der Steiermark."

Jauk: Der aktuelle Kader ist 20 Prozent günstiger als jener der vergangenen Saison - auch wenn das die wenigsten glauben. Auf der anderen Seite liegt das Sponsoring bereits über dem des Vorjahres. Aber: Wir müssen weiter arbeiten.

Woran arbeitet man denn?

Jauk: Auf allen Ebenen. Wir müssen den Anhängern, die ein wesentlicher Faktor sind, noch mehr bieten. Das zweite sind die Sponsoren: Fußball ist in gewissem Maße immer etwas Ökonomisches. Man muss die Balance zwischen den Interessen der Fans und jenen der Sponsoren finden. Und wir müssen die Marke Sturm Graz, die im Ausland weit mehr Ansehen genießt, als wir glauben, weiter stärken. Denn: Sturm Graz ist sicher der emotionale Höhepunkt der Steiermark.

Sie stehen an der Spitze dieses "emotionalen Höhepunkts" - ist das auch eine Frage der Befriedigung persönlicher Eitelkeit?

Jauk: Jeder der heute so ein Amt antritt, ist dem Vorwurf der Eitelkeit ausgesetzt. Aber der Paradigmenwechsel, den wir anstreben und teilweise umgesetzt haben, spricht eine andere Sprache. Es ist gelungen, ein exzellentes Team auf die Beine zu stellen. Ich behaupte, auf Funktionärsebene sind einige Top-Transfers dabei.

Weil?

Jauk: Weil dieses neue Team - mit Friedrich Santner, Ernst Wustinger, Peter Schaller, Oswin Kois, Gerhard Poppe, Gerhard Goldbrich, Beppo Muchitsch oder Bernd Kronawetter - es jetzt schon geschafft hat, dass Sturm zur Nichtraunzer-Zone geworden ist. Alle packen an, jeder hilft mit und schaut in die Zukunft - und das positiv.

Aber noch sind Baustellen offen?

Jauk: Der Begriff Baustelle gefällt mir nicht. Es gibt immer Dinge, die zu erledigen sind. Auch nach uns. Wenn der Begriff Baustelle überhaupt erlaubt ist, dann für Dinge, die schon längst erledigt werden sollten.

Zum Beispiel?

Zitiert

"Wir stehen nach wie vor erst am Beginn."

Jauk: Ich möchte das grundsätzlich beantworten. Ich glaube, wir haben bewiesen, dass wir den Mut haben, Dinge zu verändern. Und Veränderung wird in Österreich selten von Applaus begleitet. Wir haben aber trotzdem notwendige Entscheidungen getroffen. In manchen Bereichen haben wir absolutes Neuland beschritten, behaupte ich. Das ist mutig. Dennoch: Wir stehen nach wie vor erst am Beginn.

Am Beginn von ...?

Jauk: Vom Ziel, uns wirklich nachhaltig unter den Top drei in Österreich zu etablieren. Wir müssen wirtschaftlich unabhängiger von sportlichen Erfolgen werden.

Auch unabhängiger von Personen? Oder, anders: Haben Sie sich eigentlich ein Ablaufdatum gesetzt? Oder gibt es eines von Ihrem Arbeitgeber?

Jauk: Ich lege großen Wert darauf, dass ich den Job in meiner Freizeit ehrenamtlich ausübe. Es ist sogar eine Art Ausgleich zu meinem stressigen Beruf. Wenngleich sich der Stress in den ersten Monaten in einigen Situationen deutlich erhöht statt reduziert hat, beispielsweise durch die Krankheit des sportlichen Geschäftsführer.

Da müssen wir einhaken - würden Sie Paul Gludovatz wieder bestellen?

Jauk: Die Entscheidungsgrundlage von damals ist, im Nachhinein betrachtet, heute eine andere. Aber ich habe den Paul als profunden Fußballfachmann und ehrliche Haut kennen gelernt. Und wir haben ihm einen Job angeboten, der nicht so zeit- und kraftraubend ist. Er denkt darüber nach.

Mit den Erfahrungen, die gemacht wurden: Muss der neue Geschäftsführer eher Fußballfachmann sein? Oder sollte er besser Datenverarbeitung beherrschen?

Jauk: Bisher haben wir diese Frage entschieden, indem wir gesagt haben: Entweder das eine, oder das andere ist wichtig. Jetzt ersetzen wir das "Oder" durch ein "Und".

Was die Aufgabe schwierig macht.

Jauk: Richtig. Das "Und" steht dafür, dass man neben der sportlichen Kompetenz auch Fragen des Arbeitsrechtes oder des Vertragsrechtes - natürlich mit professioneller Unterstützung - kennen muss. Der Neue muss nicht unbedingt ein großer Name sein, um erfolgreich arbeiten zu können. Der wirtschaftliche Geschäftsführer Christopher Houben ist der beste Beweis.

Eine große Nummer sollte das Sturm-Graz-Stadion werden, von dem seit Jänner gesprochen wird. Wie sieht es damit aus?

Jauk: Der Begriff ist gefährlich, weil wir nichts vereinnahmen wollen, was nicht uns gehört. Wir streben einen langfristigen Pachtvertrag an. Das Stadion kann nach einem Sponsor benannt werden. Es soll eine Win-Win-Situation für alle sein. Einerseits für die öffentliche Hand, die sich damit Kosten erspart, aber auch für all jene, die bereit sind, Miete zu bezahlen. So wie wir es jetzt tun.

Kommen wir zur Mannschaft. Die angekündigte Kaderreduktion ist nicht ganz gelungen.

Jauk: Der Kader ist kleiner und deutlich jünger. Und Peter Hyballa arbeitet gerne mit jungen Spielern. Er hat sich im Training ein Bild von einigen Amateuren gemacht. Das heißt aber nicht, dass jeder, der schnuppern durfte, in die Kampfmannschaft aufrückt.

Immer wieder war von "Stallgeruch" die Rede. Und dann wurden Spieler mit "Stallgeruch" durch andere ersetzt. Sieht so eine Karriereplattform aus?

Jauk: Karriereplattform heißt: Wir wollen Talente holen und ausbilden. Wenn ein junger Tormann wie Focher von Borussia Dortmund Sturm als Karriereplattform sieht, freut mich das. Sportliche Entscheidungen trifft das Trainerteam. Nur im eigenen Saft zu braten, da fehlt etwas. Sturm kann und muss bunt sein.

Apropos bunt: Teilweise war in den Testspielen sehr guter Fußball zu sehen. Was denkt sich der Präsident, wenn er die erste Hälfte gegen Partizan Belgrad sieht?

Jauk: Zum einen: Ich habe nicht nur dieses eine Spiel in der Vorbereitung gesehen. Und zum anderen: Ich hoffe, dass die Mannschaft dieses hohe Tempo in der Meisterschaft über 90 Minuten durchhalten kann. Das wünschen wir uns.

INTERVIEW: PETER KLIMKEIT, MICHAEL SCHUEN

Zur Person

Christian Jauk, verheiratet mit Brigitte, zwei Kinder (Julia, Jörg).

Beruf: Vorstandsvorsitzender der Capital Bank und der Bank Burgenland.

Sturm: Präsident, Aufsichtsratsmitglied. Jauk war bereits von 2007 bis 2011 Vizepräsident und Finanzvorstand.

Hobbys: Fußballspielen, Bergsteigen.

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Der SK Sturm im Bild

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Messen, Wiegen und Stechen beim SK Sturm

 

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SK Sturm Graz

Präsident: Christian Jauk
Trainer: Darko Milanic
General-Manager: Gerhard Goldbrich
Geschäftfsführer: Gerhard Goldbrich (Sport) und Daniela Tscherk (Wirtschaft)

 

Hannes Kartnig-Prozess

Hoffmann

Das Urteil im Prozess gegen Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig und sieben Klubvorstände ist am 17. Februar 2012 gefallen.

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Größte Kluberfolge

Meister: 1998, 1999, 2011
ÖFB-Cupsieger: 1996, 1997, 1999, 2010
Supercupsieger: 1996, 1998, 1999
CL-Teilnahme: 98/99, 99/2000, 2000/01

 

Toto

1 1 2 2 3 X 4 1 5 X 6 X 7 1 8 X 9 1 10 1 11 2 12 1

Ergebnisse 24. Runde vom 16.06.2013, alle Angaben ohne Gewähr.

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