Mission zum Mond
Wer ist Franco Foda? Der Autoritäre ohne Kompromisse. Oder: der nette Typ mit sozialer Ader. Ein Porträt.

Foto © GEPA
Er hat es geschafft. Franco Foda ist Meister. Als Trainer führte er den SK Sturm zum Meistertitel, den dritten in der Vereinsgeschichte. Als Spieler war der heute 45-Jährige bei den ersten beiden - 1998 und 1999 - dabei. Foda hat seine Mission erfüllt, die Mission bei ein und dem selben Klub Meister zu werden - als Trainer und Spieler. Der "Fall Foda" ist eine Erfolgsgeschichte.
Aber wer ist Franco Foda wirklich? Der harte Hund, der stur seinen Weg geht, ohne Rücksicht auf Mitmenschen, nicht nach rechts und links blickend? Oder der lustige Kerl, der nette Typ, hilfsbereit, mit einer ausgeprägten sozialen Ader? Eine Spurensuche könnte Klarheit bringen.
Einfache Verhältnisse
Architekt wollte er werden, oder Pilot. An den Beruf des Profi-Fußballers hat der kleine Franco im Jahr 1973, als er mit sieben Jahren beim SVW Mainz erstmals ernsthaft nach den Ball getreten hat, noch keinen Gedanken verschwendet. Der Sohn einer deutschen Mutter aus Mainz und eines italienischen Vaters aus Venedig, der mit zwei Brüdern und einer Schwester "in einfachen Verhältnissen" aufgewachsen ist, hatte fußballerisches Talent. Das förderte der ehemalige Jugendtrainer Ernst Diehl. 1982 schaffte Foda den Sprung in die deutsche B-Jugend, wurde nach einem Spiel aus disziplinären Gründen aber wieder verbannt. Foda wurde damals mit den Worten zitiert: "Ich bin ein lockerer und lustiger Typ, das hat ihm wohl nicht gefallen." Mit "ihm" hat Foda DFB-Jugendtrainer Dietrich Wiese gemeint.
Lustig und locker ist er also, der Herr Foda, der bei Kaiserslautern, Bielefeld, Saarbrücken, Leverkusen, Stuttgart, Basel und schlussendlich dem SK Sturm gespielt hat. "Ja", sagt seine Frau Andrea: "Der Franco war voll die Party-Maus als Spieler, immer." Sie hätten als Paar kaum ein Event ausgelassen. Foda selbst leugnet nicht, meint: "Wenn meine Frau das sagt, stimmt das." 25 Ehejahre und die beiden Söhne Sandro und Marco zeugen von privater Harmonie.
Hierarchie
Der lockere Foda kann aber auch anders, völlig unharmonisch. Er scheut keine Konflikte, stellt sich gerne Diskussionen. "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, einer, der die Karten auf den Tisch legt", sagt er. Unehrlichkeit kann er nicht ausstehen, und falschen Umgang mit Menschen schon gar nicht. Und deshalb hat er einst als Kapitän von Leverkusen den Umgang von Trainer Dragoslav Stepanovic mit den Spielern angeprangert. Zunächst intern, dann öffentlich, was er rechtfertigen konnte: "Erst als nichts passiert ist, bin ich nach außen gegangen. Das war mein Pflicht als Kapitän." Ein Verhalten, dass der Foda von heute nicht akzeptieren würde. Seine Spieler müssen funktionieren, Widerspruch ist unerwünscht. Fodas Umfeld bestätigt sein mitunter hierachisches Verhalten, ohne es negativ werten zu wollen, weil ihm der Erfolg recht gibt.
Der öffentliche Foda wirkt auch wahrlich unnahbar, mitunter arrogant und selbstherrlich. Foda: "Nein, ich will freche Spieler haben, nur beleidigend darf es nicht werden." Der private Foda wiederum ist entspannt, ein Kumpeltyp mit Schmäh, der sich für sozial Schwächere einsetzt. Es scheint, als würde der Deutsche diese Doppelrolle genießen. Er habe kein doppeltes Gesicht, der Job verlange es einfach in der Öffentlichkeit hin und wieder anders zu handeln, als ihm lieb ist. Wenn er etwa Spieler schützen will.
Und irgendwie übt der Deutsche doch noch seinen Wunschberuf Architekt aus. Er hat aus individuellen Einheiten (den Spielern) eine Mannschaftsgefüge zusammenstellt. Ein derart gutes, dass daraus ein Meister-Haus entstanden ist. Ob sich Franco Foda seinen ganz großen Traum erfüllen kann, steht im wahrsten Sinn des Wortes in den Sternen. "Zum Mond reisen, das wär's", sagt er.
Bei seinem Ehrgeiz könnte auch diese Mission gelingen.
Features
Fakten
Franco Foda, geboren am 23. April 1966 in Mainz Familie: Mit Gattin Andrea hat er zwei Söhne (Sandro, Marco) Stationen: Foda spielte bei Kaiserslautern, Arminia Bielefeld, Saarbrücken, Leverkusen, VfB Stuttgart, FC Basel und Sturm.























