Foda: "Der Titel wäre absolut eine Sensation"
Warum er die Herausforderung beim SK Sturm liebt, wie sich der Klub verändert hat und warum er noch länger in Graz bleiben könnte: Sturm-Coach Franco Foda im Interview.

Foto © KLZ/FuchsFranco Foda: "Man muss das Optimum rausholen"
Franco Foda war mit Sturm Graz als Spieler 1998 und 1999 österreichischer Fußball-Meister. Nun greift der 45-jährige Deutsche auch als Trainer mit den "Blackies" nach dem Teller, nachdem er sie im Vorjahr bereits zum Cup-Sieg geführt hat. Im APA-Interview erklärt Foda seine Trainer-Philosophie, spricht über seine bisherigen Titel und warum er sich vorstellen kann, auch nach Ende seines aktuellen Vertrages im Jahr 2012 weiterhin Sturm zu betreuen.
Jahr für Jahr schafft es Sturm unter Ihrer Führung trotz
Abgängen von wichtigen Spielern, eine schlagkräftige Truppe zu
formen. Wie gelingt Ihnen das, was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
FRANCO FODA: Wichtig ist, dass, wenn man Spieler abgeben muss, man im
Vorfeld gewappnet ist und damit schon Alternativen bereit hat. Und
dann ist es wichtig, dass man in der Transferperiode Spieler findet,
die sportlich, menschlich und charakterlich zum Verein passen. Und da
darf man sich natürlich keine Flops erlauben - das ist uns in den
letzten Jahren relativ gut gelungen.
In der Übertrittszeit hatte man stets ein gutes Händchen. Das
spricht auch für Sportdirektor Oliver Kreuzer. Wie funktioniert die
Zusammenarbeit mit ihm? Wie groß ist sein Anteil am aktuellen
Sturm-Höhenflug?
FODA: Bei uns ist das so, dass wir ständig miteinander
kommunizieren und arbeiten. Ich habe meine Wünsche und Vorstellungen,
wie eine Mannschaft aussehen muss. Die gebe ich natürlich meinem
Sportdirektor weiter. Und er probiert dann, diese in den finanziellen
Rahmenbedingungen umzusetzen. Das ist ihm in den letzten Jahren immer
gut gelungen.
Sturm gilt also gewissermaßen als "Ausbildungsverein", wird
es dabei auch in Zukunft bleiben?
FODA: Daran wird sich bei uns nichts ändern. Es gibt da zwei
Varianten. Die eine Variante ist die, dass man aus der eigenen Jugend
Spieler ausbildet und probiert, diese nach oben zu bringen. Wenn die
dann die nötige Qualität haben, wie ein Leitgeb, Säumel, Beichler
oder Jantscher, dann probieren sie den nächsten Schritt und wechseln
den Verein. Und dann gibt es die zweite Variante, Spieler zu uns zu
holen, die vielleicht woanders nicht funktioniert haben, aber
Potenzial besitzen, wie zum Beispiel ein Kienast, Szabics oder
Schildenfeld. Und diese Spieler probieren wir, wieder nach oben zu
bringen. Aber man muss natürlich damit rechnen, dass Spieler wie ein
Kienast oder Schildenfeld, die noch nicht so alt sind, auch wieder
den Verein wechseln, wenn sie gut spielen. Das ist halt unsere
Aufgabe, das wissen wir, und deshalb wird es immer wieder große
Fluktuation geben.
Wie viel haben Sie für Ihre Trainertätigkeit von Ivica Osim
gelernt? War er als langjähriger Sturm-Trainer ein Vorbild für Sie -
oder hatten Sie andere?
FODA: Vorbilder habe ich generell keine gehabt. Ich denke, dass
es wichtig ist, dass man eine eigene Identität hat und authentisch
ist. Das probiere ich rüberzubringen.
Sie waren als Spieler bei den bisher einzigen
Sturm-Meistertiteln 1998 und 1999 dabei. Seither hat sich viel im
Verein verändert, was sind die größten Unterschiede?
FODA: Damals Ende der 90er Jahre war es natürlich so, dass Sturm
nicht jeden, aber viele Spieler bekommen hat. Sie haben damals Schupp
geholt, mich, Minavand, Angibeaud, Juran oder Fleurquin - das waren
alles ausländische Nationalspieler. Wir waren in der Lage, große
Ablösesummen zu zahlen. Und das ist jetzt nicht mehr der Fall. Jetzt
ist es so, dass wir auf junge, talentierte Eigenbauspieler setzen und
auf Spieler, die keine Ablöse kosten. Das ganze Finanzielle hat sich
gegenüber damals verändert, weil wir in Konkurs waren und deswegen
generell vorsichtiger geworden sind. Das ist auch richtig so, denn
man darf nie vergessen, die Leute im Vorstand haften dafür. Mit
diesen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen, muss man das
Optimum rausholen, das ist das Wichtigste.
Welcher ihrer bisherigen Titel war für Sie der schönste, gibt
es da einen ganz speziellen?
FODA: Nein, jeder Titel hatte seine eigene Geschichte, und jeder
Titel war reizvoll. Wir haben zum Beispiel mit Kaiserslautern im
deutschen Cup-Finale gegen Bremen gewonnen. Das war unvorhersehbar,
deswegen war das ein enormer Titel. Und der erste Meistertitel mit
Sturm war unglaublich. Was damals los war in der Steiermark, das wird
man nie vergessen, das war toll. Und der Cup-Sieg als Trainer hier
war natürlich auch einzigartig, weil 25.000 unserer Fans mit nach
Kärnten gefahren sind. Das war unglaublich, das habe ich in dieser
Art noch nicht erlebt.
Wäre aber der Titel mit Sturm als Trainer trotzdem noch
bedeutender für Sie?
FODA: Als Trainer ist es schon ein Unterschied gegenüber einem
Spieler, mit einem Klub Meister zu werden, weil als Trainer trägst du
die komplette Verantwortung für eine gesamte Mannschaft. Und auch die
Tatsache, dass man mit einem Verein als Spieler und als Trainer
Meister wird, ist sicher was Besonderes. Aber ich glaube, dass
generell für die Steiermark, für den ganzen Verein Sturm Graz nach
diesem Konkurs vor fünf Jahren dieser Titel absolut eine Sensation,
etwas ganz Besonderes wäre. Und er wäre sicher weit höher
einzuschätzen als der Erfolg damals Ende der 90er, weil es jetzt
einfach nicht vorhersehbar war und weil jetzt einfach die
Möglichkeiten ganz andere sind als damals.
Ist es mit so einem Budget - angeblich wieder nur elf
Millionen für die nächste Saison - möglich, in die Champions League
einzuziehen?
FODA: Diese Dinge haben mir noch wenig Kopfzerbrechen bereitet,
weil ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir uns jetzt auf die
letzten zwei Spiele fokussieren. Das ist das Allerwichtigste, alles
Weitere wird man dann sehen - wie die Mannschaft ausschaut, in
welcher Konstellation wir in die neue Saison gehen.
Ihr Name wird immer wieder genannt, wenn es um den
ÖFB-Teamchefposten geht oder Trainer in der deutschen Bundesliga -
jüngstes Stichwort Eintracht Frankfurt - gesucht werden. Welche Ziele
haben Sie noch?
FODA: Ich habe bei Sturm einen Vertrag bis 2012, und im Moment
gibt es keine andere Überlegung für mich. Aber Fußball ist ein
schnelllebiges Geschäft, da weiß man manchmal heute nicht, was morgen
passiert. Aber mit mir hat bisher noch kein anderer Verein
gesprochen, deshalb habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Es ist
natürlich gut, wenn man irgendwo im Gespräch ist, aber das sind ja
immer mehrere Trainer. Generell sollte jeder Trainer wie auch als
Spieler das Ziel haben, in einer der besten Ligen der Welt zu
trainieren - und das sind die in Italien, Spanien, England und
Deutschland. Aber man muss natürlich auch Realist bleiben und wissen,
dass es da viele Trainer gibt und wenige Posten. Aber Ziele soll man
ja trotzdem haben und sich ja trotzdem stecken.
Sie sind jetzt schon 14 Jahre bei Sturm. Gibt es da nicht
irgendwann gewisse Abnützungserscheinungen?
FODA: Nein, sonst wäre ich nicht so lange hier. Und auf dem
Spielersektor ändert sich die Mannschaft ja immer, da gibt es sicher
keine Abnützung. Der Trainerjob macht Spaß, egal wo man arbeitet und
wie lange man arbeitet. Bei mir ist alles möglich, ich kann
vielleicht noch länger hier in Graz bleiben. Es ist ja immer wieder
reizvoll, auch eine neue Mannschaft aufzubauen, die dann wieder
erfolgreich ist. Es gibt ja immer wieder Reize im Fußball, egal auf
welcher Ebene - und das macht ja auch den Job so interessant."
Features
Fakten zur Person
Franco Foda, geboren am 23. April 1966 in Mainz, ist seit 2006 Chefcoach von Sturm Graz.
Er spielte u.a. für den 1.FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart, FC Basel und den SK Sturm.
Franco Foda ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Trainer-Tätigkeit bei Sturm
Franco Foda hatte im September 2002 die Nachfolge von Langzeit-Coach Ivica Osim angetreten. Zunächst mit der interimistischen Leitung der Mannschaft betraut, war er zwei Monate später zum Chefcoach ernannt worden. Nach Platz sechs in der Saison 2002/03 hatte Foda seinen Posten jedoch räumen müssen und bis 31. Mai 2006 Sturms Amateure betreut.
Seit 1. Juni 2006 ist er wieder Cheftrainer bei Sturm. In der Saison 2006/07 führte er den damals in Konkurs befindlichen Klub auf Platz sieben, wobei Sturm wegen diverser Verstöße insgesamt 13 Punkte abgezogen worden waren. Ohne diesen Abzug wäre Sturm so wie in den drei folgenden Saisonen auch Tabellenvierter geworden.
























