Osim: "Ein schweres Leben macht treuer"
Ivica Osim feiert am Freitag seinen 70. Geburtstag. Er und Gattin Asima sprechen über ihr gemeinsames Leben, über das Reisen, die Arbeit von Franco Foda und darüber, dass man bald nach Graz kommen will.

Foto © GEPAEx-Sturm Trainer Ivica Osim anno 2000
Am 6. Mai wird Ivica Osim siebzig. Derzeit ist er der wichtigste Mann im bosnischen Fußball. Seit der Suspendierung des bosnischen Verbandes durch die FIFA, ist er Vorsitzender der sogenannten Normalisierungskommission. Bis 26. Mai soll sie ein neues Statut und einen neuen Präsidenten für den Verband finden. Ivans Kopf dreht sich also mehr denn je um Fußball, statt um seinen Geburtstag. Beim Treffen im Arbeiterviertel Grbavica unweit seines Geburtshauses in Sarajevo lässt der Taktiker deshalb auch zunächst seine Frau Asima antworten.
Wie und wo wird die Familie den siebzigsten Geburtstag von Herrn Osim feiern?
ASIMA OSIM: Normalerweise feiern wir in Vodice. Diesmal bleiben wir aber in Sarajevo. Hier leben viel mehr Freunde und Familienmitglieder. Ungefähr sechzig Leute werden kommen.
Ist ein Geburtstag nicht nur eine logische kalendarische Konsequenz?
ASIMA: Sicher, es ist nur ein Datum. Wir feiern in der Familie aber regelmäßig unsere Geburtstage und Hochzeitstage. Wir sind auch schon sechsundvierzig Jahre verheiratet.
Nach Ihrer Hochzeit hatten Sie Schicksalsschläge zu bewältigen.
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Ivan musste durch den Fußball schon immer auf eigenen Beinen stehen.
ASIMA: Bald darauf starben unsere Väter. Ivan spielte in Ungarn als sein Vater starb. Er war so traurig, dass er nicht bei ihm sein konnte. Ivan musste aber durch den Fußball schon immer auf eigenen Beinen stehen. Ich hatte viel Unterstützung durch meine Schwestern.
Wie oft sahen eigentlich Ihre drei Kinder ihren Vater?
ASIMA: Ivan war viel unterwegs. Ich musste den Kindern immer erklären, warum wir nicht im Urlaub oder übers Wochenende gemeinsam etwas unternehmen. Sie kannten keinen normalen Wochenrhythmus, Samstag und Sonntag waren immer Spieltage.
Haben das Ihre Kinder unterschiedlich wahrgenommen?
ASIMA: Ja, Amar und Irma sind älter. Sie wurden in Sarajevo geboren als Ivan hier bei Zeljeznicar spielte. Da war er viel in Jugoslawien unterwegs. Zelimir wuchs hingegen mit uns in Frankreich auf. In den Siebzigern lebten wir dort am intensivsten als Familie zusammen. Nach dem Karriereende war Ivan Trainer. Wieder reiste er viel. Schluss mit gemeinsamem Familienleben.
Dann trennte Sie der Balkankrieg.
ASIMA: Ich lebte mit meiner Tochter hier in Sarajevo. Ivan mit Zelimir drei Jahre in Athen. Als Ivan nach Graz ging, blieb Zelimir in Athen und studierte Wirtschaft. Nach drei Jahren Trennung durch den Krieg habe ich Ivan dann in Wien wieder getroffen.
Sehen die Enkel Opa Ivan mehr als seine Kinder?
ASIMA: Ja, das ist toll. Wir haben drei Enkel Damir und Malaki von Amar und die Kleine von Irma. Ivan ist verliebt in sie. Sie wird im Juli zwei Jahre alt.
IVAN OSIM: Für die drei habe ich mehr Zeit als für alle meine drei Kinder zusammen. Hier in Sarajevo wohnen wir gemeinsam bei meiner Tochter. Wenn sie in der Früh zu mir kommen, um mir guten Tag zu sagen, dann ist das für mich das Schönste überhaupt.
Ihre drei Kinder sind außergewöhnlich freundlich und angenehm im Umgang. Verraten Sie den Trick ihrer Kindererziehung?
ASIMA: Bei uns sagt man, wenn die Eltern gut erzogen sind, sind es die Kinder auch. Die Kinder sind, wie Ivan, meistens sehr zurückhaltend und korrekt. Manchmal vielleicht zu sehr. Körperlich kommen sie auch ihm nach. Sie sind alle größer als ich. Ich bin eine kleine Mama.
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Sturm hat Chancen, den Titel zu holen. Asima, wir müssen unbedingt nach Graz fahren, um beim Meisterschaftsfinale dabei zu sein.
IVAN: Wie hat eigentlich Sturm letzte Runde gespielt?
Gewonnen.
IVAN: Sturm hat Chancen, den Titel zu holen. Asima, wir müssen unbedingt nach Graz fahren, um beim Meisterschaftsfinale dabei zu sein. Franco hat gute Arbeit geleistet. Schade nur, dass so viele gute Eigenbauspieler den Verein verlassen haben. Die hätten zusammen viel mehr erreichen können.
Haben Sie zuhause manchmal gesagt, jetzt ist Fußballpause?
ASIMA (seufzt): Ja schon. Wir haben aber immer noch zwei Fernseher, auf denen die ganze Zeit gleichzeitig Spiele laufen. Das ist unser Leben. Amar und Zelimir haben auch bei Zeljeznicar Fußball gespielt. Amar war Profi und ist Trainer. Zelimir hat bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr gespielt. Irma war Profibasketballerin. Jetzt arbeitet sie bei Siemens.
Halten Sie weiter Kontakt zu ehemaligen Kollegen?
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Erst vor kurzem habe ich mit dem früheren Präsidenten von Racing Straßburg gesprochen. Die versuchen, wie in Salzburg, auch immer die Deutschen zu imitieren.
IVAN: Zu meinen Mannschafts- und Trainerkollegen von früher ständig. Ebenso zu einigen Journalisten. Das hilft mir jetzt als Präsident des Normalisierungskomitees. Ich habe zu allen eine sehr gute Gesprächsbasis. Zu Michel Platini etwa. Erst vor kurzem habe ich mit dem früheren Präsidenten von Racing Straßburg gesprochen. Die versuchen, wie in Salzburg, auch immer die Deutschen zu imitieren.
Haben Sie wirkliche Freunde?
IVAN: Ja, Asima. Aber, wenn man mit seiner Frau befreundet ist, dann stimmt etwas nicht. Deswegen ist Vertraute besser. Ich denke immer an sie. Sie ist immer für mich da. Wir sind schon lange zusammen. In der heutigen Zeit ist das eine Ausnahme. Ein solches Verhältnis fällt nicht so einfach vom Himmel. Das muss man gemeinsam aufbauen.
Hat sich ihr Verhältnis nach Ihrem Schlaganfall geändert?
IVAN: Mein Frau ist meine größte Unterstützung. Ich brauche jetzt viel mehr Hilfe im täglichen Leben als davor. Gott sei Dank sind auch meine Söhne kräftig genug, mir zu helfen.
Amars graues Doggenbaby springt um den Tisch herum.
IVAN: Enzo Gambaro (Anm. Sturmspieler 96/97) hatte auch einen Hund. Seine Frau war ein schönes Mannequin. Aber sein Hund war noch schöner. So einen hätte ich auch gerne. Die Mischlingshunde von der Straße sind aber treuer. Ein schwereres Leben macht treuer. So ist das auch bei jenen Leuten, die schwere Zeiten mit uns erlebt haben. Die sind uns alle treu geblieben. Auch einige Spieler von Sturm sind mit uns immer in Kontakt. Das ist mir sehr wichtig.
Haben Sie einen Wunsch zum siebzigsten Geburtstag?
ASIMA: Gesundheit, oder Ivan?
IVAN: Nein, nicht mehr. Was soll ich denn jetzt damit machen. Meine Kinder und Enkelkinder sollen gesund sein.
Features
Interview-Serie
Der SK Sturm greift nach dem dritten Meistertitel. In unserer neuen Online-Serie "Erinnerungen in Schwarz-Weiß" werden wir auf www.kleinezeitung.at/sturm in regelmäßigen Abständen Sturm-Kicker der Meisterjahre zu Wort kommen lassen.
Fakten zur Person
Ivica Osim
Geboren:
6. April 1941 in Sarajevo.
Verheiratet mit Asima, drei Kinder Irma, Amar, Zelimir.
Trainerstationen:
Zeljeznicar Sarajevo (78-86), Teamchef Jugoslawien (86-92), Partizan Belgrad (91/92), Panathinaikos (92-94), Sturm (94-02), JEF United (02-06), Teamchef Japan (06/07).
Foto

Asima OsimFoto © GEPA
Ausfälle bei Sturm
Die personelle Situation bei Tabellenführer Sturm sieht derzeit gar nicht rosig aus. Patrick Wolf (Muskelfaserriss), Timo Perthel (Knöchel), Ferdinand Feldhofer (Wade) und Samir Muratovic (Muskel) sowie Mario Kienzl (Fieber) und Patrick Mevoungou (Halsentzündung) konnten beim Training am Dienstag nicht teilnehmen.























