Georgiens weiter Weg
Am Schauplatz: Kleine-Sportredakteur Peter Klimkeit über das Leben in Tiflis.

Foto © GEPAHinten der BMW; vorne zwei Männer beim Schachspielen
Drei Paar Schuhe kosten zehn Lari, das sind umgerechnet rund vier Euro. Einmal auf die Waage steigen macht einen halben Lari (= 50 Tetri). Ich hab's gelassen. Daneben werden Zahnbürsten, Seifen, Plastikteller oder selbst gehäkelte Tücher angepriesen. Ich befinde mich hier in einer Unterführung einer Kreuzung in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Im Untergrund - geschützt vor der Sonne und der Exekutive - versuchen die Leute ihr Leben zu finanzieren. Es ist kein Kommerz, es ist ein reiner Überlebenskampf.
Die Arbeitslosigkeit in Tiflis liegt bei 60 Prozent. Wer Arbeit hat, verdient im Durchschnitt umgerechnet 200 Euro im Monat. Zu wenig zum Überleben, sagt mir Giorgi. Wie alt er ist, verrät er nicht und lächelt. 50 vielleicht. Er macht alles. Autos reparieren, Taxi fahren oder eben die von seiner Mutter gehäkelten Sachen verkaufen. Tiflis ist gefährlich, sagen die einen. "Blödsinn", sagen andere. Die Polizeipräsenz jedenfalls ist enorm. Das stört die bettelnden Kinder nicht. Sie zupfen und zerren am Leibchen. Ein Kollege wollte sich "freikaufen", gab ein paar Münzen. Die Folge: Rudelbildung der Kleinen. Unsere Flucht endete in einem Lokal.
Zurück ins Hotel nahmen wir kein Taxi. Der Verkehr ist enorm. Die Straßen sind voll. Luxus-Pkw rasen an Taxis, Klein- und Omnibussen sowie fahrenden Wracks vorbei. In Georgien ist das Auto ein unverzichtbares Statussymbol. Trotz der Armut. Eine kuriose Situation.
Ilia Kandelaki, gebürtiger Tifliser und bis Juni 2010 Sturm-Spieler, hat mir über die Entwicklung Georgiens erzählt. "Wir sind auf einem guten Weg. Aber keiner weiß, wie lange dieser noch ist." Den Menschen hier ist zu wünschen, dass sie durchhalten. Ohne Kriege wie in der Vergangenheit.
Herzlichst,
Peter Klimkeit























