Ruttensteiners ZukunftBleibt heute im ÖFB kein Stein auf dem anderen?

Wird Koller-Erfinder Willi Ruttensteiner heute seines Amtes enthoben, würde ÖFB-Präsident Windtner wohl zurücktreten. Im Anschluss an die Präsidiumssitzung ist eine Pressekonferenz angesetzt (nicht vor 12.30 Uhr).

Der Abschied von Marcel Koller ist beschlossen - wie geht es mit Willi Ruttensteiner (rechts) weiter?
Der Abschied von Marcel Koller ist beschlossen - wie geht es mit Willi Ruttensteiner (rechts) weiter? © GEPA pictures
 

Das Courtyard Marriott Hotel ist ein Touristenpalast inmitten des vor einigen Jahren neu in den zweiten Wiener Gemeindebezirk hineingepflanzten Beton- und Stahl-Gewächshauses unfern des Praters. Der Blick aus dem achten Stock hinunter auf die dem modernen Antlitz hinterherhinkende Krieauer Trabrennbahn wirkt wie eine Rückschau in eine verlorene Zeit. In diesem Bau soll heute die Zukunft des österreichischen Fußballs mitbestimmt werden, wenn das aus einem reinen Männerbund bestehende 13-köpfige Präsidium des ÖFB über die Person des neuen Sportdirektors zu Gericht sitzt.

Bewertet werden soll zunächst einmal der Auftritt von Amtsinhaber Willi Ruttensteiner, der seit zwei Jahrzehnten die Geschicke des heimischen Kicks mitbestimmt. Er wird am Vormittag darüber referieren, wie es nach dem Aufstieg unter Teamchef Marcel Koller zu dem Rückfall kommen konnte. Die Frage, ob die Zuhörer diese Analyse, wie immer sie auch ausfallen mag, in die Bewertung einfließen lassen, bleibt vorerst offen. Denn die Entscheidung könnte schon vorher in Richtung eines anderen Kandidaten gefallen sein. Dann wäre der Vortrag nutz- und wertlos.

Ist die Entscheidung schon gefallen?

Internen Vorerhebungen zufolge soll sich im Präsidium bereits eine Mehrheit gegen Ruttensteiner gebildet haben, aus welchen Gründen auch immer. Eine fachliche Beurteilung seiner Arbeit kann den Oberösterreicher jedenfalls nicht den Kopf kosten. Ruttensteiner hat durch sämtliche Jahrgangs-Instanzen hindurch dem heimischen Nachwuchs zu zahlreichen Erfolgen verholfen und nicht zuletzt auch enormen Anteil am Aufschwung des österreichischen Nationalteams. Denn der bald 55-Jährige hat 2011 mittels seines in all den Jahren aufgebauten Netzwerkes die Teamchefsuche nach allen möglichen Kriterien der Fußballkunst aufgenommen und ist fündig geworden. Letztlich kam eine Liste zum Vorschein, aus welcher der Name Marcel Koller herausgefiltert wurde. Der Schweizer, der dem Nationalteam zunächst zu wahren Höhenflügen verhalf, ist definitiv das Ergebnis der akribischen Arbeit Ruttensteiners.

Leo Windtner
Leo Windtner Foto © GEPA pictures

Leo Windtner, seit 2009 Präsident des österreichischen Fußballbundes, weiß dies. Auch den übrigen Herren im Gremium ist dieser Umstand wohl bekannt. Dennoch wurde in den vergangenen Wochen und Monaten gegen das Duo Ruttensteiner/Koller und damit auch gegen Windtner gearbeitet. Den Teamchef hat der ÖFB-Chef bereits verloren, sollte ihm nun auch noch „sein“ Sportdirektor genommen werden, wäre er nur noch eine Art Frühstücksdirektor ohne jegliche Legitimation und sein Rücktritt eine logische Konsequenz aus den Vorgängen.

Vor einigen Monaten schon wurde der Name des im April als Landeshauptmann von Niederösterreich abgetretenen Erwin Pröll als möglicher Nachfolger Windtners ins Spiel gebracht. Dass der 70-Jährige das Amt tatsächlich übernimmt, gilt inzwischen allerdings wieder als weniger wahrscheinlich, obwohl er den Trumpf eines Neubaus des Wiener Stadions einbringen könnte.

Vielleicht sollte sich das Präsidium ja einmal in seiner Besetzung selbst hinterfragen. Frauen kommen nicht vor, aber sie würden möglicherweise anders entscheiden.

Kommentare (2)

Kommentieren
Jutta Gruber
0
1
Lesenswert?

Geht gar nicht

Wie kann das funktionieren, wenn man wichtige Qualifikationsspiele von einem Bundestrainer leiten lässt, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Der hat ja keine Autorität mehr! Man hätte sofort die Reißleine ziehen und einen Interimstrainer einsetzen müssen. Schade!

Antworten
fred4711
0
4
Lesenswert?

grundsatzfrage:

wie kommt man auf die Idee, dass sich Österreich bei jeder quali auch wirklich qualifizieren muss??
mit dem spielermaterial aus unseren ligen eine utopische forderung...die spieler im Ausland helfen zu 95%, dass wir ab und zu an EM (oder gar WM) hinschnuppern ürfen und wenn alles zusammenspielt, darf man sich auch 1x qualifizieren....die Ergebnisse bei der EM haben gezeigt, wo man wirklich steht im können....
was treiben eigentlich österreichische Trainer, dass in der heimischen Liga so garnix weitergeht???.....schon klar, aus 80mio bürgern sind leichter 11 könner zu finden als aus 8 mio...aber die schweiz zeigt ja, dass das möglich ist und so weit mir bekannt, spielen die meisten auch in der schweiz und nicht im Ausland.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.