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"Das Casino sieht ihn länger nicht"

Sturm-Prozessfinale: Ein Gerichtstag zwischen Kiebitzen, Tränen und entsetzten Anwälten. Von Strafen in Millionenhöhe und Millionen Fans.

© Marija Kanizaj
 

Grausam kann es sein, das Publikum. Noch bevor Hannes Kartnigs Anwälte Richard Soyer und Michael Pacher das Urteil verurteilen - "drakonisch, völlig unverhältnismäßig" - , gibt ein Zuhörer am Telefon durch: "Fünf Jahre, das Casino sieht ihn länger nicht." An Roulette denkt der (nicht rechtskräftig) Verurteilte im Moment als Letztes. "Na!", lautet seine Antwort auf Fragen. Wie es Frau Kartnig geht? "Wie jeder Frau, die ihren Mann liebt und dem das widerfährt."

Der 42. Verhandlungstag wird vor allem für Angeklagte und Familien, aber auch die Zuhörer zum Härtetest. Heidrun Günther, die Leiterin der Finanzstrafbehörde, hält es am Sessel kaum aus - die Bandscheiben. Andere setzt es fast nieder, als sie mehr als eine Stunde lang im Stehen die Urteile vernehmen. Nur selten hört man ein erleichtertes "Ja" im Auditorium - eine Freiheitsstrafe hat sich als bedingt erwiesen. Dann wieder ein Stöhnen: Richter Karl Buchgraber verliest soeben einem Sturmvorstand eine Geldstrafe jenseits einer Million Euro.

Dabei beginnt der Verhandlungstag nicht ungewöhnlich: "Der Kartnig kommt immer so spät", raunzt ein Fotograf. Als Kartnig auftaucht, ist ihm aber der Ernst der Lage ins Gesicht geschrieben. Anstellen, durch die Sicherheitsschleuse, unter Blitzlichtgewitter in den Saal. "Schau, der Zar", entfährt es Sturms Ex-Sportdirektor Heinz Schilcher. Und Kartnig? "Kein Kommentar." Das ist neu.

"Heute mag ich nicht"

Kurz vor Verhandlungsbeginn tritt der 60-Jährige noch aus, holt sich eine Flasche Wasser. "Heute mag ich nicht", gesteht er am Gang. Im Schwurgerichtssaal können es die Zaungäste kaum erwarten. "Ist er gut aufgelegt?", fragt einer. "Wer, Richter oder Staatsanwalt?", der andere. Beide kichern. Vor der Richterbank tummeln sich Medien, Angeklagte, Anwälte, Justiz. "Bei Herberstein war weniger los", bestätigt Peter Bartl, der Verteidiger im Tierpark-Prozess.

Ruhe bitte, das letzte Plädoyer. Der Anwalt des "Achtangeklagten" hat das Wort, das Funkmikrofon wird ihm nachgereicht. Angehende Juristen im Publikum zücken das Strafgesetzbuch. Aber sie verlieren schon bald das Interesse. Nicht nur sie.

Erst die Schlussworte senken den Lärmpegel rapide, der Ex-Präsident greift nach dem Mikrofon. "Jetzt wird's lustig", flüstert ein Zuhörer. Fehlanzeige, der Hauptangeklagte ringt um Worte. "Millionen haben sich mit uns gefreut", lässt er die goldenen Jahre aufblitzen. Nachsatz: "Aber ich habe auch Fehler gemacht."

Der Ex-Sturm-Sekretär widerspricht nicht. Als er von der U-Haft erzählt, bricht seine Frau in Tränen aus. "Ich war und bin kein Verbrecher", endet er.

"Gehst du zum GAK?"

Das geht bis zum Achtangeklagten so, Unterbrechung. Fortsetzung um 14 Uhr. Die Besucher sind teils ratlos- "Was machen wir jetzt? Würstel essen? - , teils Profis: "Meine Tennispartie habe ich schon abgesagt, gehen wir was trinken", sagt einer in die Herrenrunde. Schilcher wiederum "geht ins Sportgeschäft". Eineinhalb Jahre habe ihn der Strafprozess beschäftigt. Und wird es wohl noch länger tun.

Die Gerichtskiebitze denken schon an den nächsten großen Fall. "Gehst du zum GAK?", fragt einer. "Meine Frau hat gesagt, ich soll. Aber da gibt es ja noch mehr Pülcher", schüttelt der andere den Kopf.

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