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Zuletzt aktualisiert: 15.10.2012 um 20:47 UhrKommentare

Wenn der Ball einfach nicht ins Tor will

Ex-Teamkicker Markus Schopp macht sich Gedanken über mögliche Rezepte gegen die Ladehemmung des heimischen Nationalteams.

Markus Schopp

Foto © GEPAMarkus Schopp

"Tore schießen ist wie Ketchup. Manchmal kommen sie einfach nicht, so sehr du es auch versuchst, aber irgendwann fallen sie alle auf einmal." Man kann durchaus über dieses "fußballphilosophische" Zitat von Ruud van Nistelrooy schmunzeln, aber irgendwie trifft es die Sache auf den Punkt. In meiner besten Champions-League-Saison war ich meistens dort, wo ich sein musste. Ich machte intuitiv immer dasselbe, was ich auch schon zuvor immer schon gemacht hatte. Nur mit einem großen Unterschied: Zu dieser Zeit fanden viele meiner Schüsse den Weg ins Tor. Aber es kam auch wieder die Phase, wo diese Leichtigkeit des Abschlusses verschwand. Und auch unzählige Videoanalysen all meiner Tore, trotz besonderem Augenmerk auf Laufwege und andere wichtige Details halfen dann nicht. Für einen Mittelfeldspieler, wie ich es war, ist dies nicht so tragisch. Ich war ja vor allem für gute Vorlagen für die Stürmer zuständig. Diese wiederum können ernsthafte Probleme bekommen, wenn sie die Leichtigkeit des Torschießens verlieren.

Ladehemmung sorgt für Frust bei Fans und Mitspielern - aber vor allem bei den Betroffenen selbst. Aber Tore sind oft nur das Produkt vieler kleiner Details, die im richtigen Moment passen. Um diese Kleinigkeiten zu perfektionieren, bedarf es permanenter Konzentration in jedem Spiel und in jeder Trainingseinheit. Die richtige Körperspannung, der richtige erste Kontakt auf engstem Raum, die nötige Übersicht, richtiges Antizipieren und der überzeugende Abschluss können so perfektioniert werden, dass ein Tor kein Zufallsprodukt mehr ist. Trotzdem gibt es Phasen, in denen es nicht läuft und das Tor wie vernagelt scheint. Doch meine Erfahrung sagt mir, dass Spieler, die konsequent an den oben genannten Details arbeiten und festhalten, schneller aus solch torlosen Phasen herausfinden als jene, die nie wussten, was sie wirklich für den Torerfolg tun mussten. Letztere haben kein Muster, in dem sie Halt finden, und beginnen an sich und ihrem Können zu zweifeln.

Österreichs Offensivabteilung hat ihre Muster bereits gefunden und auch gefestigt. Sie erspielt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten, aber schlägt daraus (noch) nicht das nötige Kapital. Mit dem betriebenen Arbeitsaufwand ist es aber nur eine Frage der Zeit, wann - und wie oft - sie (und damit auch wir) mit Toren belohnt wird.

MARKUS SCHOPP

Zur Person

Markus Schopp (38), spielte für Sturm, Hamburger SV, Brescia, Salzburg und New York Red Bulls.

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