Der lange Weg nach Brasilien
Österreichs Fußball-Team hat Fortschritte gemacht, braucht aber mehr. Ein Wort zur Weltmeisterschaft.

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Quälerei. Ein Fußballspiel darf nicht zur Plage werden, aber die stete Überwindung muss Pflicht sein. Das vom Teamchef angeordnete Pressing wurde schon recht gut durchgehalten. Aber recht gut ist zu wenig. Es gibt noch immer viel Luft nach oben.
Unterhaltung. Nicht nur der Ernst darf die geplante Reise nach Brasilien begleiten, der Kick braucht auch die vergnügliche Komponente. Gegen Deutschland machte es phasenweise schon Spaß, den Österreichern beim Spielen zuzuschauen. Es ist aber ausbaufähig.
Ausrutscher. Solche sind ab sofort restlos verboten. Die Konstanz ist eine der wesentlichen Prämissen für ein erfolgreiches Abschneiden und gehört in der Koller-Fibel zu den Grundfesten der Team-Arbeit. Leistungsschwankungen - ab ins Reich der Vergangenheit.
Leidenschaft. Die Begeisterung war deutlich zu spüren und drang auch beim Zuschauer bis ins Mark. Auch wenn sie gegen Deutschland noch keinen zählbaren Erfolg in Form eines Punkts brachte, zahlt sich hohe Moral à la longue aus.
Innovation. Den Fußball neu erfinden wird und kann das Team nicht. Aber Ideen beim Spielaufbau, versehen mit Überraschungseffekten, können das Spiel nur beleben. Beim staunenden Gegner sollen Aktionen zu Lähmungserscheinungen führen.
Fans. Das Publikum gab sich schier hingerissen vom österreichischen Auftritt gegen Deutschland und Teamchef Marcel Koller vergaß nicht, den Zuschauern explizit zu danken. Sie könnten wirklich zum zwölften Mann werden, meinte er.
Innenleben. In der Ruhe liegt die Kraft, dies war am Dienstag ein entscheidender Faktor. Koller spricht von der Ruhe am Ball, die ein Weltklasseteam auszeichnet. Austria muss sie noch besser beherrschen lernen.
Kreativität. Ohne spielerische Substanz ist jeder Plan hinfällig. Das Team verfügt darüber. Arnautovic kann mehr, Junuzovic (Fallrückzieher) zeigte einiges, Jantschers Pass zum Nicht-2:2 war erstklassig.
Angriff. Hier erfolgt die Berührung mit einem, dem wunden Punkt. Wo sind sie denn, die Stürmer für die Tore? Harnik trifft beim Klub, aber das bringt Österreich nicht weiter. Die Chancenauswertung ist steigerungspflichtig. Es bedarf intensiver Pflege, um den größten Makel loszuwerden.
Taktik. In diesem Bereich zeigten die Österreicher die größten Fortschritte. Sie verhielten sich dem Gegner angemessen und erwiesen sich als mutig genug, die Deutschen herauszufordern. Alles schien durchdacht. Gegen Kasachstan wird es anders aussehen. Aber darauf, sagt Koller, werde das Team auch wohlvorbereitet sein.
Identität. Österreich ist auf dem besten Weg, eine eigene spielerische Linie zu entwickeln. Die Charaktere scheinen sich gut zu ergänzen, der Zusammenhalt lässt sich auch daran messen, dass die Mannschaft nach dem 0:2 nicht auseinanderfiel. Und das Volk macht mit.
Ordnung. Sie spielt im Konzept von Koller eine tragende Rolle und ging schon gegen Deutschland kaum verloren. Auch in der druckvollen Schlussphase wurde die Defensive nie vernachlässigt. Das früher oft beobachtete heillose Durcheinander ist Geschichte, der Zufall kein Thema mehr.
Nerven. Sie halten schon wesentlich besser als in der Vergangenheit, denn die Mannschaft steckte einen 0:2-Rückstand gegen Deutschland weg. Die Phase zu Beginn der zweiten Hälfte, der schwächste Spielabschnitt, war der Schockwirkung vom 0:1 zuzuschreiben. Doch es geht aufwärts.










