Alabas Gespür für den Fußball
David Alaba ist immer der Jüngste. Nun hat er es in diesem Fach auch zum Fußballer des Jahres gebracht. FCB-Kollege Ribery prophezeit dem ÖFB-Kicker eine "große Karriere".

Foto © AP
Nicht alles geht durch. Vor dem Abflug zu einem Länderspiel musste David Alaba einen Großteil der zuvor im Duty Free Shop gekauften Waren, etwa eine viel zu groß geratene Parfumflasche, abgeben.
Für die Essenz der großen Fußballwelt bewies der erst 19-jährige aber schon in ganz frühen Jahren ein so feines Gespür, das rasch bis hinauf in die höchsten Etagen der internationalen Szene reichte. Didi Constantini war auf den 15-Jährigen als Austria-Wien-Trainer aufmerksam geworden, als er seinen Assistenten Josef Michorl damit beauftragte, "drei Junge" in die Mannschaft zu holen. Alaba trainierte fortan mit und Constantini erkannte das Talent. "Ich habe mir gedacht, ich kann ihn gar nicht einsetzen, weil ihn gleich die ganze Welt sieht." Michorl raubte ihm alle Illusionen. "Mach dir keine Sorgen. Arsenal hat ihn schon längst beobachtet." Und bald darauf, gerade erst 16 geworden, landete er beim FC Bayern. Der Ex-Teamchef wusste also genau, wen er holte, als er David Alaba mit 17 Jahren, 3 Monaten und 20 Tagen zum jüngsten österreichischen Teamspieler der Geschichte kürte. "Er hat alles, was ein Fußballer braucht, nicht nur die spielerischen Fähigkeiten. Er hat auch den Kopf dafür und die nötige Demut", so Constantini.
Durchgehen könnte der mit seiner Ruhe und Besonnenheit ein einheitliches Bild vermittelnde Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin als Gegenstück zu Marko Arnautovic, der permanent Widerspruch auslöst. "A bissl a Spitzbua is er schon", sagt Constantini. "So überbrav ist er nicht." Den Schalk, den lässt er ohnehin spätestens auf dem Platz zu Wort kommen. Und Alaba nimmt auf und hält locker aus, was auf ihn zurollt und das ist in letzter Zeit mehr als nur ein Ball, nämlich viel Ehre.
Jüngster Bayern-Spieler
Beim FC Bayern, immerhin der mit Abstand erfolgreichste deutsche Fußballverein, avancierte Alaba zum jüngsten Bundesligaspieler der Geschichte. Das hat Bedeutung in einem Klub, wo frühere und aktuelle Weltklasse zu Hause ist, mehr Bedeutung, als für den Durchschnittsösterreicher vorstellbar. Die lässige Ruhe, die nimmt ihm aber auch dort keiner weg. Jupp Heynckes, sein derzeitiger Cheftrainer, bestätigt, dass der Vertreter von (wahlweise) Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Franck Ribery nicht als lautester Repräsentant des Fußballfachs auftritt. Er höre lieber zu, so sein Urteil. Das kommt an der nobelsten Adresse des deutschen Fußballs auch nicht schlecht an.
Dabei ist das Wesen der Alaba-Familie eigentlich nicht von der stillen Art. Davids Vater kam in den Neunziger Jahren als Mitglied des Popduos "Two in One" auf zwei Top-Ten-Hits in Österreich und Rose, die um zwei Jahre jüngere Schwester, stellte auch schon ihre musikalische Begabung bei der Puls-4-Castingshow "Popstars - Mission Österreich" unter Beweis, denn sie erreichte das Finale.
Nun ist der 19-jährige Bruder laut einer Umfrage der Austria Presse Agentur unter den Bundesliga-Trainern jüngster österreichischer Fußballer des Jahres, was diesen freut, aber gleich weiterdenken lässt. "Es bringt mir nichts, wenn ich danach nichts mehr erreiche." Dieser Fall wird, wenn er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, nicht eintreten, wie Fachkommentare verheißen. "Er hat sich beim FC Bayern extrem gut entwickelt", sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Und Ribery prophezeit ihm eine "große Karriere".













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